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Tech-Talk : Feuerpause

  • -Aktualisiert am

Exzesse einiger weniger wurden zum Freibrief für regulatorische Fesseln. Vielleicht regt der jetzige Stillstand zum Nachdenken an, wie Europa künftig mit seinen Schlüsselindustrien umgehen will.

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          Dass die Welt ohne Technik ärmer wäre, erst recht ohne Motor, haben wir immer geahnt. Jetzt wissen wir es. Vergangene Woche hat die europäische Autoindustrie dichtgemacht, und nahezu alle Flugzeuge bleiben am Boden. Selbst jene, die noch kurz zuvor von flexibel einsetzbaren Mannschaften geschwärmt haben, mussten vor dem Coronavirus kapitulieren.

          Nun spürt jeder die Folgen. Vielleicht regt dieser Stillstand zum Nachdenken an, wie ein Land, wie eine Europäische Union mit ihren Schlüsselindustrien künftig umgehen möchte. In der irrigen Annahme, etwa die Autohersteller, die Chemie, die Energiebranche oder die Luftfahrt könnten noch jede Last schultern, ist in den vergangenen Jahren Politik gegen Technik und Industrie gemacht worden. Exzesse einiger weniger Konzernlenker oder Banker wurden zum Freibrief für regulatorische Fesseln; wer die Unternehmen angriff, durfte mit Applaus rechnen.

          Nun meldet China einen Rückgang des Fahrzeugabsatzes um 82 Prozent. Das dürfte ein Indiz sein für das, was sich demnächst auch hierzulande in der Statistik zeigen wird. Man sollte sich nicht leichtfertig darauf verlassen, dass nur eine Delle entsteht, die alsbald wieder ausgebeult ist. Die zehntausenden in unfreiwilliger Beschäftigungslosigkeit verharrenden Mitarbeiter von Daimler, VW, BMW, Opel, der Lufthansa und wie sie alle heißen führen uns vor Augen, dass starke Firmen mit starken Bilanzen und starken Produkten die beste Zukunftsvorsorge sind.

          Daran mögen sich Entscheidungsträger und Gesellschaft erinnern, falls nach dem hoffentlich baldigen Ende der Virus-Krise ein paar Aktionisten ihre Attacken fröhlich aufleben lassen. Es ist vielmehr Zeit für einen neuen Dialog mit Augenmaß und Anstand.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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