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FAZ.NET-Debatte: Schreiben Sie mit! : Was ist neu am Web 2.0?

  • -Aktualisiert am

Blog-Leserin in einem Internet-Café in Changzi, Nordchina Bild: REUTERS

Sind Blogger wirklich die neuen Journalisten? Kann Wikipedia ein wissenschaftlich fundiertes Lexikon ersetzen? „Wie viel Weisheit steckt im Web 2.0?“ Schreiben Sie mit am Beitrag in der kommenden Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung!

          6 Min.

          Früher hieß es beim bunten Abend gern „Jekami“. Das Grundprinzip ist dasselbe geblieben: Jeder kann mitmachen. Nur organisiert sich das Ganze jetzt weltweit in Internet-Tagebüchern, so genannten Weblogs. Dabei geht es zu wie in der Punkmusik: Jeder, der vor zwanzig Jahren eine Gitarre halten konnte, ansonsten aber völlig unmusikalisch war, hatte zumindest theoretisch die Chance, berühmt zu werden. Genauso kann heute jeder, der einen Computer und einen Internetzugang besitzt, Texte halbwegs professionell layouten und publizieren. Was die Texte taugen, steht auf einem anderen Blatt.

          Weblogs existieren zu nahezu jedem Thema. Einige Themenbereiche stechen hervor und haben zu eigenen Weblog-Gattungen geführt. So gibt es Lawblogs zu juristischen Themen, Moblogs für mobil, also unterwegs erstellte Beiträge, Warblogs mit Nachrichten aus Kriegs- oder Krisengebieten und Fotoblogs, die hauptsächlich Bilder enthalten. Hauptmerkmal eines Blogs ist, dass der aktuelle Beitrag, auch Posting genannt, immer oben auf der Website steht, die anderen dann chronologisch absteigend darunter. Die zweitwichtigste Eigenheit eines Blogs besteht darin, dass die Beiträge umstandslos kommentiert werden können, was, je nach Geisteshaltung und Intellekt der Leserschaft, zu spannenden Diskursen, beleidigenden Wortgefechten oder endlos mäandernden, abschweifenden Assoziationsketten führt.

          Blogger sind nicht die neuen Journalisten

          Wie immer, wenn sich ein neuer Trend abzeichnet, wird schnell gekräht, er bedeute das Ende von etwas anderem. Vielerorts war zu erfahren, Blogger seien die neuen Journalisten. Was natürlich barer Unsinn ist: Die Stärken von Journalisten sind (oder sollten) zumindest ein breites Allgemeinwissen, professionelle Recherche, ein gewisses Arbeitsethos hinsichtlich der Trennung von privaten und öffentlichen Interessen und ein sicheres Beherrschen der Sprache sein. Die Stärken von Bloggern dagegen bestehen vor allem in Geschwindigkeit, Vernetzung, Unabhängigkeit von Werbekunden, der Meinung des Chefredakteurs, der politischen Richtung einer Zeitung und vielem mehr. Die Synthese wären also eigentlich bloggende Redakteure. Doch auch das geht nicht zwangsläufig gut, denn bloggen, so sagen wenigstens die Blogger, ist eine Lebenseinstellung und kann nicht einfach dekretiert werden.

          Nutzen Sie die Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit!
          Nutzen Sie die Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit! : Bild: picture-alliance/ dpa

          Es gibt durchaus lesenswerte Journalistenweblogs, aber auch stark misslungene, in denen einzelne, verwaiste Beiträge vor sich hingammeln. Weblogs können tatsächlich Wissen akkumulieren. Gerade die streng monothematischen Diskussionsstränge, die sich mit den Details komplexer technischer Geräte oder von Programmiersprachen beschäftigen, versammeln nicht selten eine thematisch hochspezialisierte und engagierte Leserschaft, die aus freien Stücken Lösungsansätze, weitergehende Informationen oder Denkanstöße bietet. Hier wird das Ideal des freien, gemeinsamen, räumlich unbegrenzten Forschens oder Zusammentragens gelebt; beispielhaft das englischsprachige „Scientific Activist“-Weblog (http://scienceblogs.com/scientificactivist/), wo Fragen an der Grenze zwischen Wissenschaft und Politik diskutiert werden.

          „Klowände des Internets“

          Als Musterbeispiel für ein monothematisches Weblog kann auch der deutsche Lawblog von Udo Vetter gelten (http://www.lawblog.de/), das juristische Fragen und Fälle behandelt. Weblogs können aber auch einen medialen Tsunami in Gang setzen. Mag der intellektuelle Tiefgang der meisten Internet-Tagebücher, von denen es inzwischen schätzungsweise 67 Millionen gibt, auch gering sein - allein ihre schiere Masse kann gewaltige Wellen schlagen, denn Weblogs verlinken sich in einer bis dato nicht gekannten medialen Selbstreferenzialität gegenseitig und können, sobald ein schönes Aufregerthema gefunden ist, innerhalb weniger Stunden lawinenartig eine große Zahl von Lesern und Kommentatoren rekrutieren.

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