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Fahrtbericht: Renault Clio : Diese Generation hat ihre wahre Größe erreicht

Der Renault Clio ist „Auto des Jahres 2006” Bild: Hersteller

Im Kleinwagen von heute lebt nicht mehr der Mangel von gestern. Ein Fahrtbericht über den Renault Clio 1.2 16V Edition Dynamique.

          Der Renault Clio ist seit seiner Premiere 1990 eine feste Größe auf dem deutschen Markt. Mittlerweile ist die dritte Generation des Kleinwagens unterwegs, und sie hat gleich mit dem Titel „Auto des Jahres 2006“ den wichtigsten europaweiten Autopreis gewonnen. Es ist also ein gutes Auto zu erwarten. Auch der Kunde hat bereits abgestimmt: Der neue Clio zählt wieder zu den meistverkauften ausländischen Autos in Deutschland.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Als Clio III folgt er der Spur vieler anderer Konkurrenten aus dem Kleinwagensegment: Die eigentliche Heimat hat der Nachfolger des R5 jetzt endgültig verlassen, mit einer Länge von 3,99 Meter spielt er in einer Liga, die einst der Golf III beherrschte, und dieser war 4,03 Meter lang. Mit den Automodellen ist es wie mit Menschen: Mit den Jahren legen sie zu.

          Nicht zugelegt hat der Clio beim Design. Im Gegenteil: Renault war schon viel mutiger und hat vielleicht daraus gelernt. Experimente wie beim Mégane mit seinem Knick-Heck wurden vermieden, der Clio eckt in dieser Hinsicht nicht an. Persönlich finden wir das alte Modell sogar pfiffiger. Dieses ist übrigens für 8950 Euro immer noch neu zu kaufen.

          Der Fronttriebler zieht sicher seine Spur

          22 Zentimeter hat der neue in der Länge im Vergleich mit seinem Vorgänger zugelegt, und als wir einmal auf einem Restaurant-Parkplatz einen Clio II stehen sahen, konnten wir uns dem Reiz des unmittelbaren Vergleichs nicht entziehen: Stellt man die beiden nebeneinander, wirkt der neue um mindestens eine Nummer größer und stattlicher. Er ist nicht nur länger, sondern auch breiter und höher.

          Im Innenraum spürt man das sofort. Vier Personen sitzen gut und steigen bequem ein (zwei weitere Türen kosten aber 700 Euro Aufpreis). Auf der Rückbank hat man ausreichend Bein- und Kopffreiheit, man sitzt nur etwas steil. Der Clio ist als Fünfsitzer ausgelegt, zu dritt wird es hinten zwar enger, aber es geht, wenn es sein muß. Vorne sitzen Pilot und Copilot sehr gut auf festem Gestühl (endlich keine zu weichen Sitze mehr wie früher bei Renault üblich), die klassische Instrumentierung gibt keine Rätsel auf, alle Hebel und Schalter sind stimmig plaziert und gut zu erreichen. Löblich: Renault gehört zu den Herstellern, die eine Wassertemperatur-anzeige noch nicht wegrationalisiert haben. Ärgern kann man sich nur über den Bordcomputer (serienmäßig in allen Versionen), der bei geringem Benzinstand die verbleibende Reichweite schließlich mit 50 Kilometer angibt und dann urplötzlich auf 0 wechselt. Dafür wird der Absolutverbrauch in Liter ziemlich exakt angezeigt.

          Renault bietet den Clio in vier Versionen an, die „Edition Dynamique“ ist für die Einsteigerversionen die beste, „Privilege“ bleibt den Topmodellen vorbehalten. Die Aufpreispolitik ist etwas verworren: Komplett nach heutigen Maßstäben ist die dynamische Edition noch nicht, eine Klimaanlage und ein CD-Radio erfordern Aufpreis (im Paket 1350 Euro), selbst elektrisch einstellbare Außenspiegel kosten extra (115 Euro), und elektrische Fensterheber für hinten gibt es gar nicht. Außerdem kostet ESP leider in den schwächeren Varianten 500 Euro extra. Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung ist dagegen generell serienmäßig wie auch das höhenverstellbare Lenkrad oder die elektrische Servolenkung.

          Die „Edition Dynamique“ ist in der Hauptsache im Innenraum wertiger gestaltet als die Basisvarianten, dazu kommt das „Sichtpaket“ mit Nebelscheinwerfern und dem Oberklasse-Merkmal „Aktives Kurvenlicht“. Das schaltet sich von einem bestimmten Lenkradwinkel selbsttätig ein und aus. Ob es tatsächlich einen Sicherheitsgewinn bringt, erscheint jedoch fraglich. Auch einen Tempomaten kann der Clio-Fahrer bestellen (nicht in der Basis „Authentique“), er kostet moderate 170 Euro, ein Glasschiebedach verlangt 810 Euro, auch ein Licht- und Regensensor ist möglich (200 Euro), aber nur, wenn Radio und Nebelscheinwerfer bestellt werden. So wurden bei unserem Wagen aus einem Grundpreis von 12450 Euro ein Endpreis von 16485 Euro, unter anderem wegen des Metalliclacks (400 Euro) oder der Leichtmetallfelgen (600 Euro). Auch in dieser Hinsicht ist der Clio kein Kleinwagen mehr.

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