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Fahrrad-Neuigkeiten : Kein Ende bei den Elektrorädern

  • -Aktualisiert am

Flyer „Vollblut“ mit Hinterrad-Nabenmotor von Panasonic Bild: Hersteller

Egal, wie aus Sicht des Radfahrers dieser Sommer zu beurteilen ist - der Herbst wird spannend. Es gibt jede Menge Neuheiten für die nächste Saison.

          Die - allerdings bloß scheinbar - langweilige Neuigkeit zuerst: Bei den Elektrorädern ist kein Ende abzusehen. Es kommen immer neue auf den Markt, sportlichere, speziellere und schnellere. Die führenden Anbieter weiten ihr Angebot systematisch aus und bedienen auch Nischen. In denen sind zwar keine riesigen Stückzahlen zu erreichen, aber das Thema Elektromobilität wird in alle Richtungen durchdekliniert.

          Riese + Müller, eigenem Bekunden nach gewillt, die technische Speerspitze im Premium-Markt der Elektroräder zu werden, schickt das „Load hybrid“ und das „Kendu hybrid“ gleichzeitig ins Rennen, zwei Pedelecs, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Das kompakte Kendu füllt die Lücke in der Modellpalette zwischen dem Faltrad Birdy und den größeren Elektrorädern der Darmstädter, das Load ist ein langes, aber teilbares Frachtschiff, mit dem die Long-John-Bauweise gefedert und elektrifiziert wird: Zwischen den Rädern befindet sich die Ladefläche mit tiefem Schwerpunkt vor dem Fahrer. Bei ein paar Metern Probefahrt mit dem Kendu gefiel dessen Handlichkeit gut; es lässt sich mit der verstell- und umlegbaren Steuersäule leicht anpassen und fürs Verstauen noch weiter verkleinern. Beide Räder haben den Bosch-Antrieb und lassen sich mit der stufenlosen Getriebenabe N360 von NuVinci (Kendu auch mit der Automatik NuVinci Harmony) ausstatten. Premium sind, wie bei Riese + Müller üblich, die Preise: Das Kendu ist von 3600 Euro an zu haben, das Load startet bei 4500 Euro.

          Das Lastenrad „Load hybrid“ von Riese+Müller ist ein elektrifizierter Long John mit Vollfederung Bilderstrecke

          Biketec bleibt Panasonic treu. Doch für das „Flyer Vollblut“, ein besonders sportlich ausgelegtes E-Bike, fiel die Wahl der Schweizer erstmals auf den 48-Volt-Hinterrad-Nabenmotor der Japaner. Der wird mit 500 Watt in der bis 45 km/h unterstützenden schnellen Version und mit 250 Watt im vollblütigen, aber zulassungsfreien Pedelec verbaut. Durch den anders als bei den übrigen Flyer-Modellen über dem Unterrohr des Rahmens plazierten Akku (8,8, Amperestunden, 412 Wattstunden) ließ sich ein kürzerer Radstand realisieren, was sich in wendigerem Fahrverhalten auszahlen dürfte. Auch bei den Laufrädern versucht Biketec mit der Mode zu gehen: Der Vollblut-Flyer, für den Preise noch nicht feststehen, wird auch mit 650B-Reifen zu bekommen sein.

          Damit wird Biketec nicht allein sein, denn 27,5 Zoll (oder ein Felgendurchmesser von 584 Millimeter) ist ein altes Maß, das neuerdings in der Mountainbike-Szene wieder angesagt ist. Es liegt zwischen den beiden am Geländerad etablierten Laufradgrößen 26 und 29 Zoll und soll die Vorteile beider in sich vereinen: Wie ein „Twentyniner“ soll ein 650B-Rad besser als ein kleineres 26-Zoll-Laufrad über Hindernisse hinweg oder Kanten hinaufrollen und mit stabiler Laufruhe punkten. Dies aber ohne die Nachteile der großen 29-Zoll-Räder wie trägere Beschleunigung und größere Neigung zum Verwinden. Hinzu kommt, dass sich mit der auf einem älteren französischen Standard beruhenden Zwischengröße leichter vollgefederte Hinterbauten mit anspruchsvoller Kinematik und entsprechendem Platzbedarf realisieren lassen.

          Die Krifteler bleiben beim BionX-Antrieb

          Mehr Größe als bisher zeigt beim elektrisch angetriebenen Hinterrad Liegerad-Spezialist HP Velotechnik. Die Krifteler bleiben beim BionX-Antrieb, der im Scorpion fs 26S in seiner stärkeren Variante (500 Watt, 48 Volt, 423 Wattstunden Akku-Kapazität) ein 26-Zoll-Laufrad antreibt. Das Dreirad gehört in die Klasse der elektrischen Leichtkrafträder mit Versicherungskennzeichen und Führerscheinpflicht. Der Motor unterstützt bis zu einer Grenzgeschwindigkeit von 45 km/h. Ein paar Meter mit diesem Elektrofahrzeug, das wie bereits die motorlose Ausführung ein aufwendiges Fahrwerk mit Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen und Querstabilisator hat, haben genügt, um einen hohen Suchtfaktor zu erkennen. Der hat freilich seinen Preis: rund 7000 Euro.

          Bei den Mountainbikes ist ein wichtiges Thema dieses Herbstes die adaptive Federung: Cannondale als Vorprescher versucht es mit zwei Federelementen (siehe Seite T4), die natürlich beide wiegen. Das von den Mountainbike-Anbietern Haibike, Ghost und Lapierre mit Federungsspezialist Rock Shox und Trelock, wo man Erfahrung mit Displays und Elektronik hat, gemeinsam entwickelte e:i-shock-System kommt mit nur einem Dämpfer aus: dem Monarch-RT3 von Rock Shox. Insgesamt drei Sensoren messen Heftigkeit, Richtung und Tempo der auftretenden Schläge an der Federschwinge sowie die Trittfrequenz an der Kurbelachse. Daraus macht sich die Elektronik ein Bild davon, was gerade geschieht, und öffnet selbständig den Dämpfer oder blockiert ihn, teilweise oder ganz. Heftige Schläge von unten: Dämpfer auf. Rhythmischer Krafteinsatz von oben: Es geht offenbar im Wiegetritt bergan, also Dämpfer zu. Unter realen Bedingungen ausprobieren ließ sich das e:i-shock-System noch nicht, aber es funktioniert. Haibike bringt die 0,1 Sekunden schnelle Steuerung im „Sleek RC 29“ für rund 4500 Euro.

          Eine der für Alltagsradler interessantesten Neuheiten ist ebenfalls elektrisch: Busch und Müller bringt mit Luxos (zwischen rund 120 und 200 Euro) einen Fahrradscheinwerfer, den man aufblenden kann. Dann erreicht er statt 70 Lux auf Knopfdruck 90 Lux. Außerdem hat Luxos Tagfahrlicht, leuchtet den Bereich vor dem Vorderrad mit seinem Panorama-Nahlicht aus und kann mit USB-Anschluss zur Ladestation fürs Smartphone oder Navi werden. Die einzige Sorge der Meinerzhagener: Wie soll die Leistung des neuen Scheinwerfers den Messebesuchern bei Tag gezeigt werden? Solche Sorge hat man bei Abus nicht: Die ökologischen Qualitäten des recyclebaren Helms „Kranium Ecolution“, dessen Innenleben aus Kartonwaben besteht, lassen sich durch ein eigens eingelassenes Sichtfenster betrachten.

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