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Tech-Talk : Dämmerstimmung

Solange die erneuerbaren Energien nicht den gesamten Bedarf decken können, müssen herkömmliche Kraftwerke einspringen. Die Erneuerbaren schwächeln vor allen Dingen in der Dämmerung. Auch die Speicher müssen ausgebaut werden.

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          Wir haben ein 19-Uhr-Problem. Wenn der Großteil der Deutschen den Feierabend einläutet, den Fernseher anschmeißt, den Backofen hochheizt und das Elektroauto an die Steckdose hängt, hüpft die schwarze Linie, die unser Stromverbrauch ist, kräftig in die Höhe. Das ist ein Problem, weil sich die Sonne in den trüben Monaten dann schon in den Feierabend verabschiedet hat.

          Was das für die Zukunft bedeutet, kann man sich mal exemplarisch durch die Linse der vergangenen Woche anschauen. Denn die Energiewende darf noch nicht einmal dann als gelungen verbucht werden, wenn die Stromerzeugung der Erneuerbaren im Jahresdurchschnitt stimmt, sondern sie muss es zu jeder Sekunden, Stunde, an jedem einzelnen Tag tun, weil es kaum Speichermöglichkeiten gibt.

          Und auch wenn es da schon besser aussieht, als mancher Kritiker wahrhaben möchte, zeigt ein Blick auf die Daten doch ein unübersehbares Schwächeln in der Dämmerung. Nicht immer – am 22. März zum Beispiel deckten die Erneuerbaren um 19 Uhr noch 51 Prozent des Verbrauchs, weil sich der Wind ins Zeug gelegt hat. Zum Zeitpunkt der Spitzenlast, um 12 Uhr, waren es sogar 62 Prozent. Nur zwei Tage später ähnelt sich das Bild zur Mittagszeit zwar. Weil das aber vor allem auf das Sonnenkonto ging, sackt der Anteil am Abend auf 19 Prozent ab.

          Solange die Erneuerbaren nicht den gesamten Bedarf decken können, müssen herkömmliche Kraftwerke einspringen. Und nun? Kohle und wieder Kernkraft oder Fernseh-, Back- und Ladeverbot am Abend? Weder noch. Statt selbstzufrieden auf wachsende Durchschnittswerte zu blicken, müssen endlich mit Nachdruck Wind, Sonne und Speicher ausgebaut werden. Sonst wird uns irgendwann im Dunkeln sitzend dämmern, dass die Wende missraten ist.

          Anna-Lena Niemann

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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