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Energiewende : Nein, danke

  • -Aktualisiert am

Und dann erst die Windkraft. Bild: dpa

Die Energiewende ruft die Protestler auf den Plan. Sie sind gegen alles, auch gegen die Erneuerbaren. Wie das wohl endet?

          1 Min.

          Welch ein Segen, dass wir in einem Land leben, in dem man auf offener Straße seine Meinung kundtun kann, selbst wenn es der größte Unfug ist oder gar Kritik an politischen Entscheidungen. Das ist oft notwendig und richtig, solange es ohne Gewalt abläuft. Blockaden gehören nicht dazu. Wie jene des Nord-Ostsee-Kanals vor ein paar Tagen, auf dass dort kein Terminal für flüssiges Erdgas gebaut werde, weil das Verbrennen des Gases klimaschädlich ist.

          Mit der gleichen Begründung könnte man gegen den Neubau der Straßen in den Überschwemmungsgebieten sein, weil dort die bösen Autos fahren – ein Wunder, dass noch niemand darauf gekommen ist. Ohne Gas funktioniert die Energiewende nicht, die Kraftwerke müssen liefern, wenn Sonne und Wind ausfallen. Der Protest passt aber zum Geist der Verneinung, der sich überall breitgemacht hat. Atomkraft ist gefährlich, also abschalten. Kohle, Öl und Gas zerstören das Klima, deshalb stilllegen.

          Gegen die Alternativen regt sich desgleichen wohlbegründeter Widerstand: Biokraftstoff bedeutet Tank statt Teller, Biogas stinkt, weg damit. Stromtrassen zerstören die Landschaft, das wollen wir nicht. Und dann erst die Windkraft: Vögel werden geschreddert, im Meer stoßen die Wale an den Sockel, an Land bringt der Infraschall die Leute um den Verstand, und falls nicht, macht das der Schattenwurf. Deshalb ist im Grunde jeder für Windräder, nur halt nicht vor der eigenen Tür.

          Es gibt ansonsten ganz seriöse Umweltorganisationen, die gegen Bauvorhaben klagen, ohne dass sie irgendeine Idee hätten, woher saubere Energie für die Deutschen kommen soll und schon gar nicht für zehn Milliarden Menschen. Der Grünen Partei fällt jene Protestkultur, mit der sie groß geworden ist, nach der Wahl wahrscheinlich auf die Füße. Die angepeilten zwei Prozent Fläche für die Windkraft klingen nicht nach viel, es ist aber fast die Hälfte dessen, was mit Straßen zugepflastert ist. Wie die das wohl gegen alle Widerstände durchpauken wollen?

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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