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Elektromotorrad : Die Null muss stehen

  • -Aktualisiert am

Sieht nach einem richtigen Motorrad aus: Zero S aus Kalifornien Bild: Hersteller

Mit Reichweiten von mehr als 120 Kilometer sind die Elektromotorräder von Zero inzwischen alltagstauglich. Auf einer Probefahrt offenbaren die Zero S und Zero DS allerdings noch Unzulänglichkeiten.

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          Es sind die kleinen amerikanischen Hersteller, die im Motorradmarkt die Elektrofahne hoch halten: Brammo, vor allem aber Zero bieten schon seit einiger Zeit E-Bikes mit EU-Betriebserlaubnis. Beide versprachen im November auf der Mailänder Zweiradmesse Eicma selbstbewusst eine erhebliche Steigerung der Reichweiten ihrer Fahrzeuge.

          Jetzt ergab sich die Gelegenheit, die Modelle Zero S (für Streetfighter) und DS (für Dual Sports) erstmals auszuprobieren. Beide Varianten haben technisch weitaus mehr zu bieten als früher; insbesondere der fast geräuschlose Antrieb kann gefallen. Und eine Reichweite von mindestens 120 Kilometer - gefahren in hügeligem, teils sogar bergigem Gelände - sind ein echter Fortschritt („mindestens“ deshalb, weil die Testzeit vorbei, aber noch immer Saft im Akku war). 

          Damit sind Zero S und Zero DS - sofern sie mit dem 20 Kilogramm schweren, 2500 Euro teureren ZF9-Akku ausgerüstet sind - ernstzunehmende Kandidaten für eine alltägliche Nutzung und im Hier und Heute angekommen. 3000 Ladevorgänge (danach sinkt das Ladevermögen auf 80 Prozent der Kapazität) entsprechen mehreren hunderttausend Kilometer Laufleistung.

          Die Reichweite ausreizen

          Was steckt hinter dem „Reichweiten-Wunder von Santa Cruz“? Am Unternehmenssitz von Zero haben sie sich entschlossen, größere Akkus (bisher 4 kWh) zu verwenden, die allerdings auch weitaus schwerer sind. Zweitens wurde die innere Struktur beider Akkumulatoren vom Typ FZ6 (neue Serienversion) und FZ9 (plus 20 Kilogramm) geändert, was dem Hersteller zufolge Stromdichte und Stromfluss erhöht.

          Außerdem wird seit Beginn dieses Jahres ein leistungsfähigerer, bürstenloser Motor eingebaut, der mit 72 statt früher 58 Volt Spannung arbeitet. Auch der Controller, der das Zusammenspiel von Motor und Akku organisiert, wurde überarbeitet. Lag die Reichweite bisher offiziell bei 90 Kilometer, beträgt sie jetzt 120 (mit Standard-Akku) beziehungsweise 180 Kilometer (mit dem teureren, schwereren Energiespeicher). Allerdings sollte man nicht erwarten, dass nun jedes Jahr solche extremen Steigerungen realisiert würden, heißt es bei Zero. Im Gegenteil, man habe das erst einmal ausgereizt, meinen die Amerikaner.

          Nicht rundum ausgereift

          Freilich gibt es auch so noch einiges zu tun an den beiden mit FZ9-Akku rund 155 Kilogramm (sonst 135 Kilogramm) wiegenden Motorrädern: Ihr nervöses Fahrverhalten sollte stabilisiert, die Bremsanlage verbessert, die Ergonomie optimiert und ihre Anmutung attraktiver werden. Einige Details (Seitenständer, Aufkleber, Kunststoffteile) erscheinen noch immer arg rustikal, auch Blinker und Rücklichter im Stil der achtziger Jahre entsprechen so gar nicht einem Hightech-Elektrobike.

          Die Bremsen verzögern nur mit erheblicher Kraftanstrengung, ein ABS befindet sich noch in der Phase der Erprobung. Ob man sich im Lauf der Zeit an den breiten Aluminium-Rahmen gewöhnt, der gegen die Schenkel-Innenseite drückt und damit einen angenehmen Knieschluss verhindert, lässt sich wohl nur nach einem längeren Test einschätzen. Nicht vorteilhaft wirkt sich die Kombination aus kurzem Radstand und hohem Schwerpunkt aus; insbesondere bei Stößen während der Kurvenfahrt kommt Unruhe ins Fahrwerk.

          Zuviel der Kritik an dieser immissionstechnischen Null-Nummer? Zero S und DS sind noch keine rundum ausgereiften Motorräder. Andererseits stehen sie trotz der Unvollkommenheiten an der Spitze der Entwicklung von Elektromotorrädern. Sie bieten für Besitzer des Führerscheins A1 die Fahrleistungen der 20-PS-Motorradklasse in Verbindung mit überaus geringen Betriebskosten zu einem, sagen wir mal, gerade noch verkraftbaren Preis. 11495 Euro kosten sie mit dem Serien-Akku, der, wie erwähnt, rechnerisch für bis zu 120 Kilometer am Stück gut sein soll - ein Wert, der jedoch in der Praxis wohl nicht ganz zu erreichen sein wird und natürlich nicht bei Dauerhöchstgeschwindigkeit von immerhin rund 130 km/h.

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