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Elektroscooter von Peugeot : Kleines Boxenludix

Bekanntes Gesicht mit neuem Antrieb: Peugeots einäugiger Elektrofloh Ludix Bild: Walter Wille

Etwas karg kommt die elektrische Neuauflage des Ludix schon daher. Doch als Citymobil hat er Potential. Wenn er sich flink durch enge Innenstädte schlängelt, bringt ihn nichts so leicht aus seinem fahrstabilen Gleichgewicht.

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          Ist doch immer schön, bekannte Gesichter wiederzutreffen. Peugeot beschert uns das Erlebnis mit dem Ludix, dem kleinen Schnuckelscooter mit der Anmutung einer Comicfigur, der Anfang der zweitausender Jahre einäugig das Licht der Welt erblickte. 13 Jahre lang wurde er gebaut, laut Peugeot mehr als 230.000 Mal, bis die Produktion vor sechs Jahren endete. Jetzt kehrt er zurück, nicht als 50-Kubik-Verbrenner, sondern als elektrisches Citymobil. Für rund 3500 Euro kann der E-Ludix von sofort an erworben und mit der im Autoführerschein enthaltenen AM-Lizenz bewegt werden. Wie im Fall der Benziner mit 50 Kubik ist die Höchstgeschwindigkeit gesetzeskonform auf 45 km/h begrenzt.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Gefertigt wird der E-Ludix bei Mahindra in Indien, jenem Konzern, der seit 2019 alleiniger Inhaber der Peugeot-Zweiradabteilung ist. Als Antrieb wird ein Komplettsystem von Bosch eingebaut. Es umfasst den Elektromotor mit 2,5 kW (4 PS) Leistung und 35 Nm Drehmoment, den herausnehmbaren 48-Volt-Akku mit 1,6 kWh Kapazität, Steuergerät, 12-V-Wandler und das LC-Display am Lenker. Der Motor ist mittig im Stahlrohrrahmen plaziert und treibt das Hinterrad per Zahnriemen an.

          Zum Fahrzeuggewicht von 88 Kilo steuert die in einem Schacht unterm Sitz steckende Box des Lithium-Ionen-Akkus allein elf Kilo bei. Der tankt Strom mittels eines externen Ladegeräts an gewöhnlichen 230-V-Steckdosen (und nur dort, Schnellladesäulen sind tabu). Dazu kann er im Roller verbleiben oder herausgenommen und in die Wohnung oder ins Büro getragen werden. „Bis zu“ 50 Kilometer Reichweite stellt Peugeot in Aussicht, wir würden nach den Eindrücken einer ersten kurzen Probefahrt ein paar Prozent davon abziehen. Das eine oder andere Kilometerchen wird per Bremsenergierückgewinnung erwirtschaftet.

          Ausbaufähig: Das unübersichtliche LC-Display wirkt veraltet, spiegelt im Sonnenlicht und zeigt die Restreichweite in viel zu kleiner Darstellung an.
          Ausbaufähig: Das unübersichtliche LC-Display wirkt veraltet, spiegelt im Sonnenlicht und zeigt die Restreichweite in viel zu kleiner Darstellung an. : Bild: Walter Wille

          Nach drei Stunden am Kabel soll die leere Batterie wieder zu 80 Prozent gefüllt sein, eine Stunde später zu 100 Prozent. Nach 1000 Ladevorgängen, entsprechend bis zu 50.000 Kilometern, sollen noch 70 Prozent der Anfangskapazität verfügbar sein. Es gibt an Bord des Ludix kein Fach fürs Ladegerät und auch sonst keinen Stauraum. Wer den braucht, ist gezwungen, sich mit einem Gepäckträger plus Topcase oder einem Rucksack zu behelfen. Wer sich einen zweiten Akku anschaffen will, muss mit 1400 Euro extra kalkulieren.

          Der zweisitzige E-Ludix ist äußerst wendig, aber nicht kippelig, sondern mit seinen 14-Zoll-Rädern überraschend fahrstabil. Die Federung leistet Akzeptables, die Bremsen packen kräftig zu, wobei die holzig-übermotivierte Trommel am Hinterrad durch einen pfeifenden Hinterreifen gern Passanten erschreckt. Von den vier zur Verfügung stehenden Fahrmodi taugt lediglich „Boost“ für einen motivierten Ampelstart, alles andere steht mehr oder weniger im Dienste des Stromsparens. Steile Anstiege bringen den Antrieb an seine Grenzen, dann sackt die Geschwindigkeit auch im Ein-Personen-Betrieb rasch unter 30 km/h. Eine Rangierhilfe schiebt den Ludix elektrisch mit 2 km/h vor- oder rückwärts.

          Weil der Ludix dribbelt wie Littbarski, ist er ein echter Durchschlängelkünstler. Großgewachsene finden beengte Platzverhältnisse, aber gute Beinfreiheit, wenig Wind- und Wetterschutz, aber tadellose Sicht in den Rückspiegeln vor. Konventioneller Schlüssel statt Keyless, Glühlampen statt LED sind dem Elektrofortschritt nicht angemessen. Das unübersichtliche LC-Display wirkt veraltet, spiegelt im Sonnenlicht und zeigt die Restreichweite in viel zu kleiner Darstellung an.

          Im Gerangel um die Käufergunst wird sich der karge Kurzstreckenfloh nicht zuletzt mit E-Bikes auseinandersetzen müssen, auch im Fall von Reisenden, die ein Beiboot für ihr Wohnmobil suchen. In der „Cargo“-Ausführung für Pizzaboten und Lieferdienste wird er zum Einsitzer mit auf 25-Kilo-Lasten ausgelegtem Gepäckträger. Eine 70 oder 80 km/h schnelle Version soll 2021 folgen, ferner eine mit größerer Reichweite, bei der eine zweite Akkubox seitlich angedockt wird.

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