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Elektrischer Volvo EX90 : Das Auge fährt mit

Aufgesetzt: Lidar-Sensor oben in der Windschutzscheibe Bild: Hersteller

Volvo will ab 2030 nur noch Elektroautos bauen. Da ist es logisch, dass dem großen SUV XC90 der EX90 folgt. Er hat 600 Kilometer Reichweite, viel Platz und kann schon bestellt werden. Er kommt aber erst 2024 zum Kunden.

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          1959 hat Volvo den Dreipunkt-Sicherheitsgurt erfunden. So steckt heute in jedem neuen Auto ein bisschen Volvo. Und vielleicht fahren 2059 alle neuen Autos nur noch autonom. Der neue Volvo EX90, der schon jetzt bestellt werden kann, aber erst Anfang 2024 auf den Markt kommt, hat schon alle Technik und vor allem die nötige Software an Bord, die es zum autonomen Fahren brauchte.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Am augenfälligsten ist das Lidar vorn an der Dachkante der Windschutzscheibe. Es detektiert die Umgebung in bis zu 250 Meter Entfernung, unabhängig von Lichtverhältnissen und Wetterlage. Es gehört zu einem Verbund von fünf weiteren Radarsystemen, acht Kameras, 16 Ultraschallsensoren und einer zentralen Recheneinheit von Nvidia. 280 Trillionen Operationen in der Sekunde können verarbeitet werden. Lidar steht für Light Detection and Ranging, der neue Volvo-Chef Jim Rowan, seit März im Amt, bezeichnete das Lasersystem während der Vorstellung des neuen Flaggschiffes in Stockholm als so bahnbrechend wie einst den Dreipunkt-Sicherheitsgurt. Nun ja, warten wir es mal ab.

          Der elektrische EX90, der dem Erfolgsgaranten XC90 folgt, ihn aber nicht ablöst, weil dieser zunächst parallel weiterhin von den Bändern in Göteborg läuft, wird eines der ersten Autos sein, das Lidar so demonstrativ zur Schau stellt. Es ist eigentlich der Albtraum für jeden Designer, und auch Robin Page, oberster Formengestalter der Schweden, hätte die Technik gern im Bereich der Stoßfänger montiert. Doch da „sieht“ sie einfach nicht weit genug.

          Graziler als der XC90

          Wenigstens ist es gelungen, den EX90 nicht zu mächtig wirken zu lassen. Trotz 5,04 Meter Außenlänge gibt er sich graziler als der 4,95 Meter lange XC90. Tatsächlich ist er mit 1,74 Meter Höhe nur drei Zentimeter flacher. Obwohl die Plattform neu ist und ausschließlich auf Elektroantrieb ausgelegt, ist der Radstand von 2,98 Metern der gleiche. Die Plattform ist skalierbar, der kommende EX60 wird ebenfalls auf ihr stehen.

          In den Wagenboden packt Volvo eine mächtige, aber mit 650 Kilogramm Gewicht relativ leichte Lithium-Ionen-Batterie, die mit einem Fassungsvermögen von 111 kWh für eine Normreichweite von knapp 600 Kilometer taugen soll. Gleichstrom lädt sie mit maximal 250 kW, so ist in der Theorie in einer halben Stunde eine ziemlich leere Batterie auf 80 Prozent gebracht. Möglich ist zudem bidirektionales Laden, sodass andere Fahrzeuge, das eigene Haus oder das allgemeine Stromnetz mit Energie aus den Akkus versorgt werden könnten. Korrespondierende Technik vorausgesetzt.

          Es ist gelungen, den EX90 nicht zu mächtig wirken zu lassen. Bilderstrecke
          Volvo : EX90

          Zum Marktstart 2024 wird der große Volvo in zwei Varianten angeboten, das Basismodell hat 408 PS (300 kW). Als Performance-Version sind es 517 PS und stramme 910 Nm. Beide haben je einen Motor an der Vorder- und Hinterachse und somit Allradantrieb. Obwohl flott beschleunigt werden kann – 4,9 oder 5,9 Sekunden kurz kann der Spurt von 0 auf 100 km/h sein –, gilt auch hier das umstrittene Volvo-Tempolimit von 180 km/h.

          Später soll es günstigere Versionen mit abgespeckter Ausstattung oder nur einem Motor und somit Frontantrieb geben. Volvo sagt, die ersten Kunden hätten schon bestellt und 500 Euro angezahlt. Die beiden EX90 stehen mit 105.550 und 110.650 Euro in der Preisliste. Sie sind Siebensitzer mit einem hochwertigen, aber lederfreien Innenraum, der 13 Zoll große, mittige Touchscreen dominiert das Armaturenbrett, die digitale Tachoeinheit hinter dem Lenkrad ist eher klein und unscheinbar.

          Gebaut wird der EX 90 in Ridgeville in den USA, später auch in China. Die Autos für Deutschland und Europa kommen aus South Carolina.

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