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Elektrischer Microlino : Isetta 2.0 sucht Anschluss

  • -Aktualisiert am

Spätestens in Altstadtgassen und bei der Parkplatzsuche könnte der Microlino seine Konkurrenz ausstechen. Bild: Hersteller

Der Kleinstwagen Microlino sieht aus wie der BMW Isetta, mit seinem Elektromotor fährt er sich aber deutlich besser. Den Städtern will er so das elektrische Fahren schmackhaft machen.

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          Zwar kommt die Elektromobilität mit viel Geld aus Berlin tatsächlich langsam in Fahrt. Doch am unteren Ende und damit in den geplagten Städten kommt vom Boom der Batterieautos nur wenig an. Das will der Schweizer Kickboard-König Wim Ouboter mit seinen beiden Söhnen Wim und Oliver ändern, er plant zum Jahresende einen charmanten Zweisitzer, der zu Preisen ab etwa 12.500 Euro einen Smart Fortwo zum überteuerten Riesen stempelt.

          Dafür bedienen sich die Schweizer, die ihr Geld mit dem Verkauf von jährlich mehr als 1,5 Millionen Tretrollern für urbane Hipster verdienen, eines alten Rezepts, das augenscheinlich auch den modernen Geschmack trifft. Denn inspiriert ist der schon mehr als 20.000 Mal wenn auch nur unverbindlich vorbestellte Microlino vor allem vom legendären Isetta, den BMW in den Fünfziger- und Sechzigerjahren zu Zehntausenden in Italien hat bauen lassen.

          Neu ist das Konzept freilich nicht. Sondern der Blechzwerg geistert schon seit fünf Jahren über die Messen, ist zwischenzeitlich vor allem zugunsten der Sicherheit noch einmal komplett überarbeitet worden, und mit Tazzari und Artega haben die Schweizer auch schon zwei designierte Produktionspartner verschlissen. Doch jetzt soll es bald so weit sein: Auf der IAA in München wollen sie das Serienauto zeigen, kurz danach sollen die ersten Auslieferungen beginnen, und von 2022 an wollen sie in Italien bis zu 10.000 Microlinos im Jahr auf die 13-Zoll-Rädchen stellen.

          Wo früher allerdings ein Einzylinder aus dem BMW-Motorradprogramm schnurrte, surrt jetzt ein Elektromotor, und statt damals maximal 13 stehen heute 27 PS im Fahrzeugschein – mehr sind nicht drin, weil der Microlino von Gesetzes wegen kein Auto ist, sondern ein Leichtfahrzeug der Kategorie L7E. Deshalb braucht er auch kein ESP und keine Airbags, die es allerdings bald als Option geben soll. Deshalb darf er ohne Batterie nicht mehr als 450 Kilo wiegen. Und deshalb fährt er nicht schneller als 90 km/h, die sich in der Knutschkugel aber sehr viel flotter anfühlen. Erst recht, wenn die Schiebefenster ganz offen sind und das Faltdach nach einem Handgriff den Blick zum Himmel freigibt. Zumal der Microlino vor allem für die Stadt gemacht ist, wo er flott im Verkehr mitschwimmt, an der Ampel immer vorne dabei ist und spätestens in engen Altstadtgassen oder bei der Parkplatzsuche ohnehin alle anderen aussticht.

          Große Klappe: Einstieg in den Microlino von vorne Bilderstrecke
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          Aber nicht nur beim Antrieb gehen die Schweizer mit der Zeit, sondern auch beim Ambiente: Schon außen wagt eine LED-Leiste am Bug wie etwa an den ID-Modellen von VW den Aufbruch, und wer erst einmal um die frei stehende Lenksäule auf die breite, durchgehende Sitzbank geklettert ist, sitzt mitten im Hier und Heute. Schließlich prangt hinter dem Lenkrad ein digitales Cockpit, und statt Schalter gibt es einen kleinen Touchscreen am Türgriff, der sich quer über den ganzen Bug zieht.

          Von außen ein Blickfang, innen modern eingerichtet, ein spritziges Fahrgefühl und nach vier Stunden an der Steckdose genügend Strom für bis zu 200 Kilometer in den maximal 14,4 kWh großen Akkus – so wird der Microlino zum ersten Modell, mit dem die Kleinstautos endlich groß herauskommen könnten. Denn er ist lange nicht so teuer wie der Smart, man sitzt bequemer als im Renault Twizy, und er ist einem Auto viel näher als ein Citroën Ami. Aber vor allem hat der Isetta 2.0 so viel Charme, dass man aus dem Lachen kaum mehr herauskommt. Der Fahrer nicht, weil er sich fühlt wie Gregory Peck, als er mit Au­drey Hepburn auf der Vespa durch Rom kurvte, und die Passanten nicht, weil der Microlino mehr Kuschelsehnsüchte auslöst als jedes andere Auto seit der Wiedergeburt des Fiat 500.

          Sympathie ist allerdings auch vonnöten – erst recht, wenn man sich zur Mitfahrt entscheidet. Denn eine gewisse Nähe ist bei nur 2,50 Meter Länge und 1,50 Meter Breite unvermeidlich. Gut möglich, dass deshalb auch der neue Isetta den alten Spitznamen behält und als Knutschkugel firmiert.

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