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Mercedes EQV als Camper : Auszeit mit Akku

  • -Aktualisiert am

Hoch auf dem gelben Wagen: Der Yellowcamper und sein Aufstelldach Bild: Sara Keller

Für längere Ladepausen in die Koje: Zwei Unternehmen aus der Schweiz bieten den Mercedes EQV jetzt mit Camping-Ausbau an.

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          Ein paar Mails abarbeiten, vielleicht ein Nickerchen im Sitzen oder sich kurz die Füße vertreten – Benjamin Schaad kann über die übliche Routine an der Ladesäule nur lachen. Wenn ihm die Zwangspause für die 100 kWh große Batterie zu lang wird, dann kocht er sich ein Essen oder legt sich gleich ins Bett. Schließlich sitzt er in einem Mercedes EQV mit Camping-Umbau. Dumm nur, dass er in der letzten Zeit selten zum Campen kommt.

          Denn Schaad ist kein Urlauber, sondern Unternehmer und hat als stellvertretender Geschäftsführer des Schweizer Umrüsters Sortimo gut zu tun. Zwar montieren sie am Firmensitz in Jegenstorf bei Bern bisher vor allem Werkstatt- und Lieferfahrzeuge, doch hat der Boom der Freizeitfahrzeuge auch ihr Geschäft verändert. Immer öfter schneiden sie deshalb Aufstelldächer in Großraumlimousinen, bauen Betten in die Sitzlandschaften und Küchen in Kofferräume.

          „Da lag es nahe, die zwei großen Autotrends dieser Zeit zu vereinen und auch den EQV umzurüsten“, sagt Schaad und ist mit diesem Ansinnen nicht alleine. Nicht einmal eine halbe Stunde weiter hatten sie bei Yellowcamper die gleiche Idee. Und während Schaad seinen elektrischen Erstling für fast 140.000 Franken gerade erst auf dem Suisse Caravan Salon in Bern präsentiert, haben sie in Burgdorf das erste Auto für einen Komplettpreis von etwas mehr als 100.000 Franken schon verkauft und den nächsten in Arbeit.

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          Ausprobiert : Mercedes EQV als Camper

          Beide Autos sind ähnlich konzipiert und nutzen ein Modulsystem, das sich dem individuellen Bedarf anpassen lässt. Wer alle Register zieht und alle Optionen bucht, bekommt für Umbaupreise um die 40.000 Franken auf zwei Ebenen vier Schlafplätze und kann unter der Heckklappe eine Wohnküche einrichten – bei schlechtem Wetter auch mit Zeltwänden drum herum. Dafür gibt’s in den Einschüben neben Kühlbox und Kochstelle auch ein Spülbecken, eine Ausziehdusche und natürlich Stauraum für Vorräte, Geschirr und Gepäck. Selbst ihre Skiausrüstung bekommen Wintercamper hier noch unter.

          Technisch machen die Umrüster dabei keinen Unterschied zwischen EQV oder V-Klasse und verwenden hier wie dort die gleiche Einrichtung. Nur bei der Energieversorgung ist zumindest Sortimo etwas zurückhaltend. Während der Yellowcamper seine Verbraucher aus dem Bordnetz speist und sich so den riesigen Akku zunutze macht, bauen sie in Jegenstorf einen zweiten Kreislauf ein und lassen lieber die Finger von der Traktionsbatterie. Stattdessen gibt es für das Dutzend USB-Buchsen, die Schuko-Stecker für Laptop oder Fahrrad-Akku, die Standklimatisierung und die Leselampen einen eigenen Pufferspeicher und bald drei Quadratmeter Solarzellen auf dem Dach.

          Dass die elektrischen Camper ausgerechnet in der Schweiz ihren Einstand geben, versteht sich für Yellowcamper-Chef Thomas Freiburghaus wie von selbst. Und das liegt nicht allein an der pittoresken Landschaft und an den vielen Seen in der Eidgenossenschaft, sondern auch am gelebten Patriotismus, der die Schweizer Camper ihren Urlaub meist zu Hause genießen lässt. Und in einem Land, das von Genf im Westen ins Engadin im Osten Luftlinie nur rund 330 Kilometer misst, kommt man sogar mit einem EQV ziemlich weit. Selbst wenn ein paar Bergrücken dazwischen arg an den gut 400 Kilometer Normreichweite zehren. Genau wie die bald zwei Zentner Zusatzausstattung, die trotz des Leichtbaus für Küche und Schlafstatt zusammenkommen.

          Außerdem sollte man am Ziel ja Zeit und Muße zum Laden haben, sagt Schaad. Selbst wenn es auf den meisten Campingplätzen nicht viel mehr gibt als eine Haushaltssteckdose und sich der EQV dort für 100 Prozent über zwei Tage gönnt. Aber wo sonst kann man schließlich bequemer abwarten und Tee trinken als in einem Wohnmobil?

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