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Brandgefahr bei Elektroautos : Jede Menge Feuerwasser

  • -Aktualisiert am

Autohaus in Nordrhein-Westfalen: Ein Hybridauto hat Feuer gefangen. Bild: dpa

Feuerwehren sehen kein erhöhtes Brandrisiko von Elektrofahrzeugen. Wenn die Batterien Feuer fangen, muss jedoch anders gelöscht werden. Dafür kommen teilweise kreative Lösungen zum Einsatz.

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          Mit Respekt, aber keine Panik: Wer sich mit Fachleuten aus Feuerwehren und Versicherungswirtschaft unterhält, erlebt eine nüchterne Risikoeinschätzung von Fahrzeugbränden von Elektroautos. Diese hebt sich wohltuend ab von der aufgebauschten Diskussion in den sozialen Medien. Das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) der öffentlichen Versicherer beispielsweise geht davon aus, dass die Fallzahl der Brände von Elektroautos nur deshalb zunehmen wird, weil auch die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge steigt. Beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heißt es: „Von Elektroautos geht unserer Einschätzung nach grundsätzlich keine höhere Brandgefahr aus als von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.“

          Und wenn die Batterie aber doch einmal in Brand gerät, zum Beispiel nach einem Unfall? Die Feuerwehren haben dafür Strategien entwickelt, die sie laufend anpassen. „Aber am Ende sind auch das nur brennende Personenwagen,“ sagt Jörg Heck. Der Ingenieur ist Brandoberinspektor und Einsatzleiter im gehobenen technischen Dienst der Berufsfeuerwehr Wiesbaden. Er beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. Sein Fachbuch „Alternative Fahrzeugantriebe im Feuerwehreinsatz“ erschien erstmals 2018, eine aktualisierte Neuauflage ist in Planung. „Eine Angst vor Batteriebränden von Hybrid- und Elektroautos ist nicht in dem Maße gerechtfertigt, wie man es derzeit in der Öffentlichkeit erlebt“, ordnet Heck die Situation sachlich ein.

          „Diese Fahrzeuge brennen anders“

          Wichtig bei Batteriebränden sei, dass reichlich Wasser die Lithium-Ionen-Zellen erreicht. Es soll nicht nur die Flammen ersticken, sondern zugleich kühlen. Das gilt auch als wichtige Voraussetzung, um eine erneute Entzündung zu vermeiden, auch wenn keine Flammen mehr zu sehen sind. Denn die Prozesse hinter dem Brand einer Batterie unterscheiden sich vom Feuer mit Treibstoffen auf Erdölbasis, das auch mit Löschmitteln wie Schaum oder Pulver unter Kontrolle gebracht werden kann. „Diese Fahrzeuge brennen anders“, brachte es der Physiker Karl-Heinz Knorr, Leiter der Berufsfeuerwehr Bremen, in einem Interview Ende 2019 auf den Punkt. Das Ereignis sei jedoch nicht gefährlicher als der Brand von Personenwagen mit Verbrennungsmotor, unterstrich Knorr.

          Fahrzeugbrände von Elektrofahrzeugen bekommen häufig eine große mediale Aufmerksamkeit. Wie oft sie vorkommen, kann aber derzeit niemand genau beziffern. Erst recht gibt es keine relativen Zahlen, weil der Anteil an batterieelektrischen Fahrzeugen und Hybridautos unter allen zugelassenen Kraftfahrzeugen zu gering ist. Die Zahl von Autobränden aller Art, die als Leistungsfälle von Voll- und Teilkaskoversicherungen registriert werden, pendeln jedenfalls in den vergangenen Jahren jeweils um 16 000, heißt es vom GDV.

          Möglichst viel Wasser in die Batterie

          Und wie bekommen Feuerwehren den chemischen Prozess eines Batteriebrands in den Griff, damit er nicht auf den kompletten Akku übergreift und zum thermischen Durchgehen (Thermal Runaway) führt? Das oben beschriebene Ziel, die Batterie mit möglichst viel Wasser zu kühlen, lässt sich durch schiere Menge erreichen oder durch das gezielte Einbringen. Als Maximallösung gilt es dabei, das Fahrzeug „ins Bad zu stellen“, also in einen mit Wasser gefüllten Container.

          Es ist aber auch möglich, das Löschwasser möglichst direkt in die Batterie einzubringen, um eine höhere Wirkung zu erzielen. Hier könnten auch die Fahrzeughersteller helfen, sagt Jörg Heck und verweist als Positivbeispiel auf Renault: Die französische Marke hat mit Schmelzsicherungen versehene Lösch-Öffnungen in Akkus eingebaut. So lässt sich im Brandfall das Innere der Batterie leichter erreichen.

          Feuerwehren schulen ihr Personal

          Andere Strategien setzen auf sogenannte Lösch-Lanzen. Und aus der Industrie kommen innovative Ansätze wie die Textilhaut Libarescue von Gelkoh. Sie besteht nach Angaben des Herstellers aus einem selbstlöschenden Gewebe und soll das Risiko einer Wiederentzündung von Fahrzeugen nach dem erfolgreichen ersten Löschen zuverlässig unterbinden.

          Parallel zu den steigenden Zulassungszahlen von Elektroautos nehmen auch Schulungen zum Thema Elektromobilität bei den Feuerwehren zu. Entsprechende Unterlagen gibt es von Fachverbänden und Feuerwehrschulen. Und manches notwendige Wissen ist auch über etablierte Medien abzurufen. Beispielsweise geben Rettungsdatenblätter auch darüber Aufschluss, welche Batterie wo in einem bestimmten Fahrzeugtyp eingebaut ist. Deshalb ist es so wichtig, dass Feuerwehren die Datenblätter im Einsatz komplett abrufen können. Die Berufsfeuerwehr Wiesbaden hat dazu Tablets mit den aktuellen Informationen auf dem Fahrzeug.

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