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Messe IAA Mobility : Rad an Rad

  • -Aktualisiert am

Träger: Lastenräder sind in. Bild: CaGo

Die IAA ist eine Automesse, die sich als Schaufenster der Mobilität versteht. Deshalb gibt es außer Autos jede Menge Fahrräder.

          3 Min.

          Drohnen, Diskussionen, Drahtesel – die IAA Mobility, sagt der Veranstalter, präsentiere der Welt die Mobilität der Zukunft. Dazu gehören Ideen von Michelin, wie aus Plastik Reifen reifen, solche von EnBW, wie aus Strom Stromer werden, und vor allem 70 Marken aus der Fahrradbranche, welche die Fragen aufwerfen: Ist die IAA nun eine Fahrradmesse mit angeschlossener Autoausstellung? Und wenn hier so viele Radler herkommen, was wird dann aus der Eurobike, die gerade zum letzten Mal in Friedrichshafen stattgefunden hat und künftig in Frankfurt gastiert? Freundlich gesinnte Beobachter haben in München einen zeitgemäßen Schwerpunkt Mikromobilität ausgemacht, sprich Elektrorad. Keine Frage, das Fahrrad rollt auf der Überholspur, zumindest stimmungsmäßig. Das Vehikel für die kleinen Fluchten aus dem Pandemiealltag ist beliebt und gefragt wie kaum jemals zuvor.

          Unter 3-G- und AHA-Auflagen, die für das echte, leicht verschwitzte Eurobike-Feeling der Vergangenheit kaum förderlich sein konnten, begegnete sich auf der traditionellen internationalen Leitmesse am Bodensee endlich wieder die Branche von Maske zu Maske – 630 Aussteller aus 42 Ländern. Klare Ansage: „Only Bikes No Cars“. In München dagegen ähneln die respektablen Namen aus der Velowelt, die man als Aussteller vorzuweisen hat, an Skalps. Sie wirken wie bloße Verzierungen im Kampf um die Aufmerksamkeit der Generation Greta, der man plausibel machen will, nein muss, dass man dicke, böse SUV ins Rampenlicht zu stellen vorhat.

          Ein Schelm, wer bei Namen wie Husqvarna oder GasGas an Motorräder denkt. Diese Marken rollen an der Isar schließlich sauber elektrisch, urban oder geländegängig und genauso brav wie die Packesel von Riese und Müller auf die Blue Lane des innerstädtischen Testparcours der Isar-Metropole. Die träumt wohl noch immer davon, einfach, weil es so schick ist, eine Radlhauptstadt von europäischem Rang zu werden. Sie ist davon so weit entfernt wie all die Aufgeregtheiten der beiden Fahrradmessen über die Innovationen dieses Herbstes von der Wirklichkeit im Fahrradladen an der Ecke.

          Renner: Elektrische Mountainbikes
          Renner: Elektrische Mountainbikes : Bild: GasGas

          „Haben Sie hundert E-Bikes für mich? Ich nehme sie Ihnen unbesehen ab.“ Der launige Schnack des Fahrradhändlers unseres Vertrauens beleuchtet die aktuelle Lage: Eine entgegen manchen Besorgnissen in der Vergangenheit völlig ungebrochen andauernde Nachfrage nach – vorzugsweise elektrifizierten – Fahrrädern trifft auf allmählich chronisch werdende Lieferengpässe. Die zwei Messen heizen Begehrlichkeiten an, die schwerlich umgehend Befriedigung finden können.

          Das ist an sich nichts Neues. Man kannte in der Branche schon immer rasch vergriffene Modelle und Marken, die nur mit Mühe nachliefern konnten, wenn etwa erst im Frühling ein Testsieger gekürt wurde. Solche punktuellen Verzögerungen waren und sind auch heute weitgehend systemisch bedingt – durch eine zeitlich und räumlich überdehnte und dementsprechend für jede Störung anfällige Produktionsweise. Erschwertes Reisen mag massenhaft Lust aufs Radfahren gemacht haben. Doch war auch die Fahrradbranche einfach nicht auf den Goldrausch vorbereitet.

          Tourer: Etwas für jede Strecke
          Tourer: Etwas für jede Strecke : Bild: Husqvarna

          Bis 2019 wärmte man sich an soliden, doch nicht berauschenden Wachstumsraten. Und dann: geschlossene Shops in China, in Fernost und am Suez sich stauende Container, senkrecht steigende Frachtraten, fehlende Chips, ausbleibende Ersatzteile und Schlange stehende Kundschaft. Da knirschte es gewaltig in dem System von in den USA oder in Deutschland sitzenden Designern, die Teile aus Fernost kommen und für den deutschen Markt in Osteuropa zusammenschrauben lassen. Ein Prozess, der von der Konzeption eines neuen Rads bis zum ersten Exemplar im Schaufenster des Händlers achtzehn Monate und mehr dauern kann, lässt sich nicht im Handumdrehen an eine binnen eines Vierteljahrs um dreißig Prozent gestiegene Nachfrage anpassen.

          In diesem, dem Jahr 2 des Booms haben etliche Hersteller vorsorglich die Termine für die Vororder, die Bestellungen des Handels für die Modelle des folgenden Jahres, vorverlegt. Dann aber wurde in manchen Fällen unmittelbar danach, also schon im frühen Sommer 2021 die gesamte für die Saison 2022 projektierte Produktion als ausverkauft gemeldet. Die Händler haben nämlich mehr als reichlich vorgeordert. Als Konsequenz müssen sie nun damit rechnen, dass sie nicht nur wesentlich später als erwartet beliefert werden, sondern dass ihre Vororders nicht in vollem Umfang bedient werden (können).

          Nachbestellungen im Kundenauftrag sind nicht mehr möglich – im Herbst 2021 nicht mehr für ein Rad des Modelljahrs 2022, das erst im kommenden Frühjahr zu liefern wäre. Die kaufwillige Kundschaft, die sich, wenn nicht in den bunten Fachmagazinen womöglich in Friedrichshafen oder München in ein Rad verguckt hat, kann nur abwarten, ob der Händler, falls er denn das Gewünschte passend vorbestellt hat, es auch hereinbekommt.

          Die einzig gute Nachricht ist: Allenthalben gibt es zwar Preissteigerungen; aber die fallen offenbar nicht ganz so drastisch aus wie ursprünglich vorausgesagt: Statt 10 bis 20 Prozent, wie geunkt wurde, sind es häufig nur um die 5 Prozent.

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