https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/elektromobilitaet/hyundai-ioniq-5-mehr-als-ein-stromspender-fuers-e-bike-18032183.html

Hyundai Ioniq 5 : Und Strom fürs E-Bike spendet er auch

Klare Kante außen: Der Hyundai Ioniq 5 provoziert. Bild: Hyundai

Der elektrische Hyundai Ioniq 5 überrascht mit pfiffigen Details rund ums Laden. Aber eine wichtige Funktion fehlt.

          3 Min.

          Der Akku des E-Bikes ist leer, sein Besitzer steht auf der grünen Wiese, und nun scheint die Tour ein vorzeitiges Ende gefunden zu haben. Abhilfe schaffen ein Ladekabel und eine kleine Box, die sich im Kofferraum des Ioniq 5 von Hyundai befindet. Sie wird auf die Ladebuchse aufgesetzt und hat am anderen Ende eine Haushaltssteckdose. Der Ioniq 5 erlaubt wie der Kia EV6 und der Genesis GV60 bidirektionales Laden. Der Strom fließt nicht nur in die Batterie des Autos, sondern gegebenenfalls auch zurück, um externe Geräte mit Wechselstrom zu versorgen. So ist die Weiterfahrt des E-Bikes garantiert, und man könnte auch einen Elektrorasenmäher anschließen oder den Elektrogrill.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wir haben das Infotainment des Ioniq 5 mit der Frage untersucht, wie die Elektronik das elektrische Fahren einfacher und die Ladezeiten kürzer macht. Die gute Nachricht: Schon in der günstigsten Modellvariante gehört alles Wichtige zur Serienausstattung. Nur das Head-up-Display sowie der Empfänger für Digitalradio und ein Bose-Soundsystem sind allein den teureren Versionen vorbehalten. Die Preisliste zeigt, dass man komplette Pakete zubuchen muss, unser Testwagen brachte das teuerste namens Uniq für einen Aufpreis von 12.900 Euro mit.

          Physische Tasten und Sensorflächen ergänzen sich

          Der Ioniq 5 fährt stets mit zwei flachen Bildschirmen vor, die wie in der A-Klasse von Mercedes-Benz eine beachtliche Breite erreichen und ein wenig an ein Bügelbrett erinnern. Hier allerdings sind die beiden Monitore optisch klar voneinander abgesetzt. Sowohl die Anzeige vor dem Lenkrad wie auch der Bordmonitor rechts daneben haben jeweils eine Diagonale von 12,5 Zoll. Unterhalb des Bordmonitors und unterhalb der Lüftungsdüsen der Mittelkonsole liegt zum einen eine Reihe mit physischen Tasten, mit denen man schnell in Untermenüs gelangt, sowie zum anderen eine Sensorfläche, die der Bedienung der Klimaanlage dient. Auch am Lenkrad findet man Sensorflächen und wenige Tasten, die Anmutung ist gut.

          Nach dem Einschalten der Zündung folgen einige ärgerliche Start-Signaltöne, dann stehen indes Infotainment und Sprachsteuerung nahezu sofort für die Entgegennahme von Befehlen bereit. Die Spracherkennung arbeitet ordentlich und nutzt die Mobilfunkanbindung mitsamt Cloud. Wer lieber mit dem Finger auf den Bildschirm tippt, kommt auch schnell zum Ziel. Ausgehend von einem Hauptmenü mit großen Symbolen, landet man flink in der gesuchten Funktionsabteilung. Die Navi-Abteilung zeigt Echtzeit-Staudaten für jede einzelne Straße an, und Sonderziele in der Nähe werden hübsch visualisiert. Auch die Ladestationen sieht man, mit der Einschränkung, dass das Symbol viel zu früh wieder verschwindet, wenn man sich dem jeweiligen Ort nähert.

          Klare Kante innen: Zwei Monitore vor dem Lenkrad Bilderstrecke
          Hyundai Ioniq 5 : Und Strom fürs E-Bike spendet er auch

          Wir fuhren den Ioniq 5 mit der stärksten Batterie (72,6 kWh) und Allradantrieb. Stets ist die schnelle 800-Volt-Technik an Bord, aber der Onboard-Charger schafft mit Wechselstrom maximal nur 11 kW. Das ist schon eine ärgerliche Einschränkung. Im Drittelmix kamen wir bei frühlingshaften Temperaturen auf einen Durchschnittsverbrauch von rund 23 kWh für 100 Kilometer, allerdings bei sehr zurückhaltender Fahrweise. Unsere Reichweite lag damit bei 350 bis 370 Kilometer. Der Bordmonitor zeigt indes nach voll geladener Batterie Werte von mehr als 400 Kilometern an.

          Das Navi bietet keinerlei Ladestragie an

          Schnell laden kann der Hyundai mit Gleichstrom bis 220 kW, ein Wert, den wir nie erreichten. Wer nur in seiner gewohnten Umgebung unterwegs ist und weiß, wo sich welche Ladestation mit welchem Ladetempo befindet, hat nichts zu meckern. Diffiziler wird das Ganze jedoch auf Langstrecken. Hier bietet das Navi leider keinerlei Ladestrategie an. Wenn der Ko-Pilot erkennt, dass das Ziel außerhalb der Akkureichweite liegt, blendet er einen Hinweis und alle Ladestationen in der Nähe der Route ein. Dabei wird nicht unterschieden zwischen schnellen und langsamen. Tippt man auf die Detailinformationen, fehlt auch dort die Angabe der maximalen Ladegeschwindigkeit.

          Eine pfiffige Routenberechnung unter Berücksichtigung des Ladetempos, wie sie Tesla, Porsche oder Audi bieten, fehlt hier gänzlich. Man muss also selbst vorab im Internet oder mit einer App nach schnellen Gleichstromstationen suchen, um nicht Ewigkeiten an langsamen Ladepunkten zu verbringen, die das Navi vorschlägt. Hier gibt es noch Potential für Verbesserung.

          Ähnliches gilt für das Head-up-Display mit Augmented Reality. Abbiegehinweise mit sich bewegenden großen Pfeilen zeigen in die zu fahrende Richtung. Allerdings fast immer viel zu früh. Das können andere besser, etwa Mercedes-Benz. Pfiffig ist indes, dass Hinweise auf sich von hinten nähernde Fahrzeuge im Head-up-Display eingeblendet werden. Unser Testwagen hatte einige Elektronikprobleme: Gelegentlich ließ sich die Ladeklappe nicht mehr öffnen. Ferner fuhren die sonst bündig anliegenden Türgriffe nach dem Entriegeln des Fahrzeugs nicht automatisch aus. Mehrfaches Verschließen und Entriegeln mit der Fernbedienung brachte Abhilfe.

          Weitere Themen

          Fahrtenschreiber

          Der F.A.Z.-Autoticker : Fahrtenschreiber

          Mercedes stellt die A-Klasse ein +++ Neue Akkus für das Elektroauto aus China +++ Rückfahr-Warntöne für Nutzfahrzeuge werden vereinheitlicht +++ Neues Shuttle-System für Berufspendler

          Das Knattern der Königstiger

          Treffen der Kabinenroller : Das Knattern der Königstiger

          Niedliche Vehikel rollten durch die Nachkriegszeit. Aber es gab unter den Kabinenrollern auch echte Renner. Bericht von einem Treffen im Zeichen von Zweitakt, Zweisitzigkeit und Traditionspflege.

          Topmeldungen

          Ihm ist bei der Besetzung der Ministerien ein Coup gelungen: der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (Mitte), am Montagabend in Neumünster mit dem designierten Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (links)

          Schleswig-Holstein : CDU und Grüne stimmen Koalitionsvertrag zu

          Auf Parteitagen in Neumünster haben CDU und Grüne dem gemeinsamen Koalitionsvertrag zugestimmt. Bei den Grünen war der Redebedarf groß, bei der CDU gab es nur eine kurze Aussprache – und einen Coup bei den Ministerposten.
          Ort für schöne Ideen: Schloss Elmau

          G-7-Gipfel : Das 600-Milliarden-Luftschloss

          Der Westen will Tatkraft ausstrahlen. Dafür haben sie in Elmau ein 600-Milliarden-Dollar-Programm angekündigt, mit dem sie Chinas Einfluss auf die Welt in Schach halten wollen. Doch viele Details sind noch unklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.