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Fahrbericht MG ZS EV : Eine bestandene Schnupperprobe

  • -Aktualisiert am

Das erste batterieelektrische Fahrzeug von MG für Europa Bild: Hersteller

Ein ernst zu nehmendes Elektroauto aus China: Der MG ZS EV überzeugt im großen Ganzen trotz ein paar kleiner Schwächen.

          2 Min.

          Die anfängliche Skepsis erweist sich als unbegründet. Kein exotischer Billiganbieter ist mit dem MG ZS EV zum Test angetreten, sondern ein ernst zu nehmendes Elektroauto aus dem Reich der Mitte. Seit 2007 gehört die ehemalige britische Sportwagenmarke zum chinesischen Autokonzern SAIC. Das erste batterieelektrische Fahrzeug von MG für Europa ist ein 4,31 Meter langes SUV in gefälligem Blechkleid und mit stimmigen Proportionen, das sich von den Abmessungen zwischen VW T-Roc und VW Tiguan positioniert. Nicht ganz vorurteilsfrei nehmen wir auf bequemen Kunstledersitzen Platz und sind von der Verarbeitung und der Materialanmutung im Innenraum angenehm überrascht.

          Die Schnupperprobe besteht der Stromer ohne Beanstandung; mit Grausen erinnern wir uns an teils üble Ausdünstungen früherer Fernost-Neuwagen. Adaptiver Tempomat mit Staufunktion, ein recht rüde agierender, aber dauerhaft abschaltbarer Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung und Navigation mit Android Auto und Apple Carplay sind zum Preis von 31.990 Euro immer an Bord. 9570 Euro Elektrobonus dürfen vom Kaufpreis abgezogen werden. Der Testwagen in der 2000 Euro teureren Luxury-Ausstattung hatte auch Rückfahrkamera, Sitzheizung und Panorama-Schiebedach. Keine Kompromisse gibt es bei der Sicherheit: Im Euro-NCAP-Crashtest erzielte der MG ZS EV den Bestwert von fünf Sternen.

          Aber es gibt auch Schattenseiten. Der sich beharrlich unseren Fingertipps widersetzende 8-Zoll-Monitor in der Mittelkonsole und das träge Infotainmentsystem mit schlichter Grafik gehören ebenso dazu wie die schlecht regulierbare Klimaanlage ohne Temperaturanzeige. Übersicht und Raumangebot sind gut. Aber warum gibt es keine mittlere Kopfstütze im Fond? Alltagstaugliche 448 bis 1116 Liter fasst der Kofferraum, auch ein Fahrradträger mit einem Gewicht bis 75 Kilogramm darf angehängt werden. Unter dem doppelten Ladeboden haust das mit vier Metern recht kurze Typ2-Ladekabel.

          4,31 Meter lang Bilderstrecke
          Fahrbericht : MG ZS EV

          Der 143 PS starke Elektromotor treibt die Vorderräder an. Die unterflur platzierte Lithium-Ionen-Batterie fasst 44,5 kWh. Das reicht nach WLTP für 263, in der Praxis je nach Temperatur und Fahrstil für 200 bis 230 Kilometer. Damit ist das 1,5 Tonnen schwere City-SUV eher fürs urbane Umfeld als für die Langstrecke geeignet. Dazu passen die komfortable Abstimmung und die leichtgängige Lenkung. Maximal 140 km/h sind möglich. Der Tacho zeigt dann 155 km/h, und die Reichweite auf der präzisen Anzeige sinkt deutlich. Drei Fahrprogramme und drei unterschiedlich starke Rekuperationsstufen lassen sich über Kippschalter anwählen. Im Sportmodus geht’s ausgesprochen flott voran. Aus Vernunftgründen sind wir meist im Ecomode gefahren und kamen so ohne Klimaanlage auf einen Durchschnitt von 17,6 kWh je 100 Kilometer bei einem Normverbrauch von 18,6  kWh. Geladen wird über eine Buchse in der Mitte des Grills, das erspart lästiges Rangieren an der Stromsäule.

          Ein leichter Schlag auf das MG-Logo, dann schwingt die Abdeckung nach oben und gibt die Anschlüsse frei. Ob die wenig solide wirkenden Kunststoffführungen ein Autoleben lang halten werden? An der Wallbox mit Wechselstrom kann der Wagen nur einphasig bis zu 6,6 kW aufnehmen, nach 7,5 Stunden ist der Akku gefüllt. Per CCS-Schnellladung bis 85 kW dauert die Aufladung auf 80 Prozent vierzig Minuten, im Test flossen maximal 42 kW. Was man wissen muss: Das Fahrzeug muss zum Stromzapfen verschlossen sein. Wie viel gerade fließt und wie lang der Ladevorgang dauert, lässt sich nur an der Stromsäule, nicht aber im Auto ablesen.

          Insgesamt ist der MG ZS EV ein solide gebautes, handliches Fahrzeug mit viel Platz; sieben Jahre Garantie gibt es sonst nur von Kia. Mit ein paar Schrullen muss man sich anfreunden, und Image fehlt natürlich. In Panik muss die Konkurrenz noch nicht verfallen.

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