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Für Elektroautos und Busse : Vinfast plant Autofabrik in Deutschland

Nehmen den europäischen Markt ins Visier: Vinfast-Modelle VF 8 und VF 9 Bild: Vinfast

Die Vietnamesen suchen einen Standort. Haben sie womöglich das Opel-Werk in Eisenach im Blick? Nach Tesla wäre das die zweite Neuansiedlung binnen kurzer Zeit.

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          Der vietnamesische Autohersteller Vinfast plant den Bau oder Betrieb einer Fabrik in Deutschland. Hergestellt werden sollen dort elektrisch angetriebene Personenwagen und Busse. Nach dem amerikanischen Hersteller Tesla, dessen Fabrik in Grünheide nahe Berlin schon weit fortgeschritten ist, wäre dies die zweite Neuansiedlung in Deutschland binnen kurzer Zeit. An welchem Ort die Fabrik stehen, welchen Umfang sie haben und wann sie in Betrieb gehen soll, teilt Vinfast noch nicht mit. Die Gespräche mit der bundeseigenen Wirtschaftsförderungsagentur Germany Trade and Invest GTAI laufen, wie beide Seiten bestätigen.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Vinfast ist hierzulande weitgehend unbekannt. Das Unternehmen hat bislang nur in Fachkreisen durch eine Personalie von sich reden gemacht. Der frühere Chef von Opel, Michael Lohscheller, war im Sommer 2021 an die Spitze des vietnamesischen Autoherstellers gewechselt. Das schürt die Spekulation, das auf der Kippe stehende Opel-Werk in Eisenach könnte in die Hände von Vinfast übergehen. Opel gehört zum Stellantis-Konzern, der auch Marken wie Peugeot, Citroen oder Fiat umfasst und über zahlreiche Produktionsstätten auf der Welt verfügt, deren Auslastung es zu optimieren gilt. Eisenach wird in diesem Verbund eine schwache Rolle zugeschrieben, obgleich sich der neue Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz kürzlich in einem Gespräch mit der F.A.Z. zu dem Standort bekannte.

          Lohscheller hat seinen Posten in Vietnam allerdings nach nur fünf Monaten schon wieder aufgegeben oder aufgeben müssen. Den Expansionsplänen der Vietnamesen tut dies offenbar keinen Abbruch. „Die Zeiten, in denen Autos rund um die Welt verschifft worden sind, sind vorbei. Das gilt insbesondere, seit Covid 19 die Lieferketten einschränkt“, sagt die neue Vorsitzende, Le Thi Thu Thuy. Man müsse seine Produkte in jenen Märkten herstellen, in denen man sie verkaufen wolle. „Anders sind Kunden nicht mehr zu gewinnen. Unser Ziel, eine Fabrik in Deutschland zu bauen, sehen wir als Meilenstein an für die Eroberung des europäischen Marktes.“  Dass der sich hin zur Elektromobilität entwickele, „ist sonnenklar“, sagt die Unternehmenschefin.

          Vinfast fertigt als Tochtergesellschaft des 1993 gegründeten und privat geführten Mischkonzerns Vingroup bereits mehrere elektrisch angetriebene Modelle in Vietnam, für den Export sind hauptsächlich SUV vorgesehen. Eine eigene Batteriefabrik  wird im Heimatland gerade aufgebaut. In ihr sollen zunächst 100.000 Batteriepakete je Jahr geschnürt werden, später ist eine Batteriezellenfertigung vorgesehen, die eine Million Einheiten je Jahr ermöglichen soll. Die Fahrzeuge mit Typenbezeichnungen von VF 5 bis VF 9 zielen ohne äußerliche Extravaganz auf eine eher konservative, gehobene Klientel. Als Anhaltspunkte mögen vielleicht der Nissan Qashqai oder ein Audi Q5 gelten.

          Bestellungen europäischer Kunden sollen demnächst möglich werden, die ersten Auslieferungen nach Europa sind gegen Jahresende geplant. Überzeugen will Vinfast nicht so sehr mit Kampfpreisen, sondern mit Produktqualität und Kundenerlebnis. In Nordamerika wollen die Vietnamesen zehn Jahre Garantie gewähren. Auch dort soll eine Fabrik entstehen, wie Vinfast anlässlich der Messe CES in Las Vegas bekräftigte. Sie soll im zweiten Halbjahr 2024 den Betrieb aufnehmen.      

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