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Elektroauto im Wasser : Mit Strom durch den Strom

Geschafft Bild: Holger Appel

Ist das Elektroauto sicher, wenn es mal richtig schüttet? Wir sagen: Wenn schon, denn schon. Und sind mit dem Toyota BZ4X in ein Wasserloch eingetaucht.

          2 Min.

          Von abgebrannten Elektroautos gibt es ausreichend Dokumentationen, die Brände sind oft verheerend. Dass deswegen die Angst täglich mitführe, lässt sich nicht behaupten, im Testalltag der Redaktion ist das Elektroauto längst fester Bestandteil und parkt stets brav in der Redaktionstiefgarage. So ein Elektroauto ist schließlich auch nur ein Auto. Deswegen sollte es auch Wolkenbrüche überstehen, ohne sich selbst oder gar den Fahrer kurzzuschließen. Die Sorge davor ist, soweit wir das wissen, unbegründet, Regen und Spritzwasser können der gut geschützten Batterie nichts anhaben.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Nun begab es sich, dass der japanische Hersteller Toyota zur Vorstellung seines ersten Elektroautos lud, es trägt den bizarren Namen BZ4X. BZ weil hip und beyond zero meinend, 4X weil Modellhierarchie und Crossoverdesign.

          Die Kerle von der Technikcrew sind der Ansicht, mit ihrem hochgelegten Schul-Einkaufs-Shuttle müsse auch mal ein Ausflug ins Jenseits drin sein, und falls dort zufällig Schlamm warte, dann eben Augen auf und durch. Und falls da zufällig ein Fluss wartet? Wir, von Berufs wegen natürlich nicht feige, haben keine Wattstunde gezögert und Strom durch den künstlich angelegten Strom gegeben.

          Da diese Zeilen entstehen, hat den Autor kein Blitz getroffen, er ist auch nicht in der Flussmitte verendet und musste an den Rand schwimmen. Nicht mal die Lenzpumpe im Fußraum war vonnöten, der Toyota ist einfach auf der einen Seite eingetaucht und auf der anderen wieder heraus. Danach sind wir weitergefahren, als sei nichts gewesen. Bis auf die Schlammspuren am Lack.

          Augen auf und durch Bilderstrecke
          Elektroauto im Wasser : Mit Strom durch den Strom

          Toyota, gerade ein wenig durch einen Rückruf wegen lockerer Radnabenschrauben im Ablauf irritiert, ist denn in die Entwicklung abgetaucht und hat preisgegeben, was im Untergrund schlummert. Um die für ein batterieelektrisches SUV dieser Klasse eher unerwartete Wattiefe von 50 Zentimetern zu ermöglichen, mussten Differentialgetriebe, Radlager und die Baugruppe der Transaktionsbatterie schmutzwasserresistent konstruiert werden. Praktisch ist, wenn im Regal die Erfahrung aus Jahrzehnten mit Geländewagen vom Schlage eines Landcruiser oder Hilux liegen. Der BZ4X darf sich ein ganz klein bisschen als deren Erbe fühlen. Die Differentialgetriebe und Radlager verfügen über Wellendichtringe (Simmerringe) und gegen Wassereintritt geschützte Gehäusebelüftungen. So weit, so profan.

          Aufwendiger gestaltet sich die Abdichtung der Traktionsbatterie. Die vollständig gekapselte Baugruppe mit eigenem Kühlmittelkreislauf benötigt ein Belüftungssystem, welches temperaturbedingte Druckänderungen bei Erwärmung und Abkühlung ausgleicht. Anderenfalls könnte es durch Über- oder Unterdruck zur Verformung des Gehäuses kommen. Hier ist eine in das Gehäuse integrierte Druckmembran im Einsatz, welche den Druckausgleich bei Erwärmung der Traktionsbatterie während des Ladevorgangs und im Fahrbetrieb sowie während des Abkühlens sicherstellt und gleichzeitig das Eindringen von Schmutzwasser verhindert. Auch der Druckausgleich auf Gebirgsfahrten gelingt so.

          Im Falle eines plötzlichen Druckanstiegs öffnet ein Einwegsicherheitsventil und lässt den Überdruck entweichen. So etwas kann vorkommen, wenn sich die Baugruppe durch einen Unfall mit hoher kinetischer Energie verformt. Blieben noch die Kabel. Die elektrischen Verbindungen haben eine doppelte Gehäuseabdichtung. Die umfassenden Gummimuffen schützen gegen Abknicken, Belüftungsöffnungen helfen beim Abtrocknen. Tja, es ist eben nichts unmöglich.

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