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Prämien für Elektroautos : Geschenke sind gern gesehen

Anschub für die grüne Mobilität: Hohe Prämien locken Kunden zu Elektroautos. Bild: dpa

Die neue Kaufprämie erzeugt einen mächtigen Schub: Bis zu 9000 Euro locken für reine Elektroautos. Das ist aber nicht der einzige Punkt, an dem sich bares Geld sparen lässt.

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          Bis das Elektroauto im Markt Fahrt aufgenommen hat, ist viel Zeit vergangen. Dass es jetzt so weit ist, liegt zum großen Teil an den erhöhten Prämien, aber auch an dem stetig wachsenden Angebot von Elektroautos. Der Kunde darf sich über immer mehr Auswahl freuen, Fahrzeuge wie der elektrische Mini, der VW ID3, der bald um das SUV ID4 ergänzt wird, aber auch der kleine Honda e, der Fiat 500e oder der Polestar 2 sind sehr attraktiv.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im August lag der Anteil der Elektroautos am Gesamtmarkt schon bei 6,4 Prozent. Etwas mehr als 16.000 von ihnen kamen neu auf die Straßen, das sind 221,5 Prozent mehr als im August 2019. Plug-in-Hybride, also jene Autos mit Benzin- und Elektromotor, deren Batterie an der Steckdose geladen werden kann, machten weitere 6,8 Prozent der Zulassungen aus, hier beträgt der Anstieg sogar 447,9 Prozent. Weil auch noch rund 29.000 Hybride, Autos mit zusätzlichem Elektromotor ohne weitere Lademöglichkeit, frisch in den Verkehr kamen, kann man also etwas wohlwollend behaupten, dass im August gut ein Viertel aller Neuwagen irgendwie elektrisch war. Dass der Markt insgesamt 2020 im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent im Minus ist, steht auf einem anderen Blatt.

          Während es für einfache Hybride keinen Cent Förderung gibt, abgesehen von der reduzierten Mehrwertsteuer, freuen sich Käufer von Elektroautos oder Plug-in-Hybriden über doch relativ mächtige Geldspritzen. Die Förderung, die beantragt werden muss (www.bafa.de), gibt es auch für Jungwagen bis zu einem Jahr oder 16.000 Kilometer Laufleistung. Doppelt gefördert wird natürlich nicht.

          • 9000 Euro gibt es für reine Elektroautos mit einem Netto-Listenpreis von weniger als 40.000 Euro (3000 Euro davon vom Hersteller).
          • 7500 Euro gibt es für Elektroautos mit einem Listenpreis zwischen 40.000 und 65.000 Euro (davon 2500 Euro vom Hersteller).
          • 6750 Euro gibt es für Plug-in-Hybride mit einem Listenpreis von bis zu 40.000 Euro (davon 2250 Euro vom Hersteller).
          • 5625 Euro gibt es für Plug-in-Hybride mit Preisen zwischen 40.000 und 65.000 Euro (davon 1875 Euro vom Hersteller). Die rein elektrische Reichweite muss in beiden Fällen mindestens 40 Kilometer betragen. Die erhöhten Zuschüsse sind zunächst bis Ende 2021 befristet.

          Doch damit sind die geldwerten Vorteile, mit denen der Besitzer eines Elektroautos rechnen kann und darf, noch nicht ausgeschöpft. Zunächst zahlt er für zehn Jahre keine Kraftfahrzeugsteuer. Hier wartet grob gerechnet ein jährlicher Vorteil von rund 200 bis 350 Euro, je nachdem, ob man bisher einen Benziner oder Diesel fuhr (Mittelklasse). Dienstwagenfahrer freuen sich zudem über reduzierte Steuersätze. Wer sich vom Chef ein 60.000 Euro teures Elektroauto vor die Tür stellen lässt, versteuert im Monat eben nicht 600 Euro zusätzlich, sondern nur 150 Euro. Statt einem Prozent werden lediglich 0,25 Prozent angesetzt. Ein ähnliches Spiel gilt für Plug-in-Hybride, jedoch ist hier der Steuersatz nur auf 0,5 Prozent reduziert. Zu versteuern sind also in unserem 60.000-Euro-Beispiel 300 und nicht 600 Euro. Eine Obergrenze gibt es hier übrigens nicht. Kostet der zur Verfügung gestellte Wagen 100.000 Euro, werden dem Arbeitnehmer nur 250 Euro geldwerter Vorteil berechnet, nicht 1000. Mit dem gesparten Geld können das in den oberen Gehaltsklassen 300 Euro netto im Monat sein, lässt sich schon was anfangen. Außerdem wird zudem die Entfernungspauschale geviertelt oder halbiert.

          Doch auch für Geringverdiener hat der Staat ein Herz. Wer sein Elektroauto oder auch das elektrische Fahrrad am Arbeitsplatz lädt, ohne dass der Arbeitgeber dafür etwas berechnet, muss sich keinerlei geldwerten Vorteil anrechnen lassen.

          Weiterhin sind reine Elektroautos im Unterhalt deutlich günstiger. Weil sich keine Kolben in Öl auf- und abbewegen, muss auch nie welches gewechselt werden. Und der Bremsenverschleiß ist deutlich geringer, weil die Bremsscheiben durch das Rekuperieren des Elektromotors beim Verzögern kaum oder gar nicht beansprucht werden. Und wo kein Auspuff ist, kann auch keiner durchrosten, Gleiches gilt für den Tank. Fast könnte man vom wartungsfreien Auto sprechen. Alle zwei Jahre in die Werkstatt zur Durchsicht zu fahren, ist dennoch nicht verkehrt.

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