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Hybrid-Fünfer von BMW : König der Ströme

  • -Aktualisiert am

Hat derzeit die Nase vorn: Der BMW 545e X-Drive mit zwei Antrieben und recht erquicklichen Fahrleistungen Bild: BMW

BMW sucht den perfekten nachhaltigen Antrieb. Hat das Unternehmen ihn mit dem hybriden 545e-X-Drive gefunden? Eine erste Probefahrt mit dem Prototyp gibt Aufschluss.

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          Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten muss nicht immer eine Gerade sein. Wie viele andere Autohersteller schlägt BMW allerlei Haken auf dem Weg zum nachhaltigen Antrieb der Zukunft. An Wasserstoff war einst gedacht, der aber nicht in einer Brennstoffzelle zu elektrischer Energie umgewandelt wurde, sondern in einem modifizierten Verbrennungsmotor kontrolliert explodieren sollte. Hydrogen 7 wurden die so umgerüsteten 7er-Modelle genannt, 100 Exemplare entstanden im Werk Dingolfing für einen Feldversuch, 2009 wurde er beendet.

          Das nächste Kapitel der kaum als Erfolgsfibel zu betitelnden Geschichte schrieben die Elektroautos. Bereits Anfang der neunziger Jahre summte der E1 rein elektrisch angetrieben und bis zu 200 Kilometer weit als Prototyp durch München, bis er in einer dunklen Nacht in seiner Remise in Flammen aufging. Den großen Wurf kündigte BMW dann mit dem i3 an, dessen Kohlenfaser-Karosserie leicht, aber sündhaft teuer ist. Bis zum Jahr 2024 soll er noch gebaut werden, danach sieht es düster für den mindestens 38.000 Euro teuren Kleinwagen aus. Sein sportlicher Bruder, der i8, ist schon Geschichte, seine Produktion endete im vergangenen Juni.

          Während die Bayern jüngst wieder offenkundig Sympathien für den Wasserstoff entwickeln, läuft derzeit die Programmerweiterung der elektrischen oder elektrifizierten Modelle. Acht BMW und ein Mini stehen als Voll- oder Teilzeitstromer in den Preislisten. Im Herbst folgt der erste Kombi als hinterradgetriebener 530e Touring mit Plug-in-Hybridantrieb, danach macht sich der 545e X-Drive als Allradler auf den Weg, um mit staatlicher Bezuschussung und Vergünstigungen für Dienstwagenfahrer die CO2-Bilanz der blau-weißen Marke zu polieren. Im November startet die Produktion, zu den Händlern kommt er für 68.235 Euro vermutlich noch Ende dieses Jahres.

          Wie schon im größeren 745e pocht unter seiner Haube kein Vierzylinder, es dürfen in dieser Klasse gerne sechs in Reihe aufgestellte Töpfe mit drei Liter Hubraum sein. Aus ihnen fließen 286 PS in den Antriebsstrang, ihr elektrischer Kollege mobilisiert 109 PS. Keiner der beiden Motoren nimmt sich zurück, wenn die volle Leistung gefordert wird, beim Beschleunigen stehen gemeinsam erzeugte 394 PS und 600 Newtonmeter Drehmomentspitze als Systemkraft bereit. Damit beschleunigt der Hybrid-Fünfer in sportlichen 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, dank des Allradantriebs geht kein Zehntel wegen mangelnder Traktion verloren.

          Der Antrieb folgt den Traditionen von BMW und weist keinem des Duos eine eigene Achse zu. Beide Motoren verteilen ihre Momente über die achtstufige Automatik und ein Verteilergetriebe auf alle vier Räder. Die elektrische Reichweite liegt dank der 12 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie bei rund 50 Kilometern, diese beschert dem 545e X-Drive nach der eher hanebüchenen Normmessung einen Verbrauch von kaum mehr als zwei Liter Benzin auf 100 Kilometer, die CO2-Emissionen liegen um 50 g/km. Was nach diesen 50 Kilometern geschieht, gleicht dann wieder dem Konsum einer konventionell motorisierten Limousine. Er liegt je nach Fahrweise und Route vielleicht sogar darüber, schließlich muss der teilelektrische Fünfer nicht nur sich selbst, sondern zusätzlich noch das schwergewichtige Batteriepaket beschleunigen und über die Berge schleppen. Vollständig aufgeladen wird dieses an einem 3,7-kW-Anschluss in dreieinhalb, an einer Haushaltssteckdose in knapp sechs Stunden.

          So harmonisch die beiden Antriebe miteinander auskommen, so geschmeidig und agil ist das Fahrverhalten des 545e X-Drive. Vom Gewicht ist kaum etwas zu spüren, das adaptive Fahrwerk bügelt alles Störende weg und schmiegt sich in die Kurven. Gleichsam sanft klingt der Hybrid-BMW auch, er ist leise, besonders wenn er auf elektrischer Schleichfahrt ist. Deshalb bekommt er wie künftig alle Elektriker aus München bei Schritttempo eine akustische Fußgängerwarnung, die in Kooperation mit Hans Zimmer komponiert wurde. Und der hat schließlich Filme wie „Fluch der Karibik“, „Gladiator“ oder „König der Löwen“ musikalisch ausgestattet.

          Während erster Probefahrten mit Prototypen des 545e X-Drive um den Münchener Stammsitz herum zeigten sich die BMW-Vertreter überzeugt, dass Plug-in-Hybride eine zumindest derzeit angemessene Lösung sind. Und das mit dem Wasserstoff, das ist eine andere Geschichte.

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