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Flott und elektrisch : Klarer Fall von Jìnbù

Bekanntes Gesicht: Dem äußerlich unveränderten Niu ist nicht anzusehen, wie viel sich im Innern getan hat. Bild: Walter Wille

Niu macht Tempo: Der elektrische MQi GT Evo knackt die Marke von 100 km/h und ist auch auf der Datenautobahn zu Hause. Der China-Roller im Fahrbericht.

          3 Min.

          Jìnbù, antwortet das Onlinelexikon auf die Frage nach dem chinesischen Wort für Fortschritt. Nach knapp zwei Wochen mit dem neuen MQi GT Evo ist es angebracht, dem chinesischen Elektroroller-Hersteller Niu Jìnbù zu bescheinigen. Im Vergleich zum Vorgänger MQi GT ohne den Namenszusatz Evo ist es sogar ein Riesen-Jìnbù.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Den bisherigen, weiterhin erhältlichen MQi GT hatten wir im Oktober 2021 ausführlich beschrieben. Kurz zurückgeblickt und zusammengefasst: ein moderner Elektroroller für die Führerscheinklasse A1 oder den Autoführerschein mit B196-Zusatz, mit etwa 70 km/h Höchstgeschwindigkeit deutlich flotter als die üblichen 45-km/h-Stadtscooter, aber für einen längeren Aufenthalt auf Landstraßen oder Autobahnabschnitten immer noch zu lahm. Eckdaten: 48-Volt-System, 3,1-kW-Radnabenmotor, zwei herausnehmbare Akkus mit jeweils 1,49 kWh Kapazität, drei Fahrmodi. Vergangenes Jahr noch war der MQi GT das Flaggschiff der Marke Niu, 3400 Euro kostete er seinerzeit. Heute werden 3700 Euro verlangt, alles wird teurer.

          Eine ernstzunehmende Option für Pendler

          Vieles aber auch besser. Mit der neuen Evo-Version für 5000 Euro radiert das chinesische Unternehmen etliche Schwächen aus, die uns seinerzeit am MQi GT aufgefallen waren. Wichtigster Punkt: Der handliche 128-Kilo-Scooter rennt glatt 100 Sachen, es sei denn, es geht bergan. Auf der Bundesstraße, auf dem Autobahnring mischt er nun munter mit, ohne dass sich der Fahrer als wehrloses Opfer fühlt, das demnächst von einem Lastwagen abgeräumt wird. Auch für Pendler, die von außerhalb in die Stadt strömen, ist der Niu somit eine ernstzunehmende Option. Zumindest dann, wenn die Gesamtstrecke zwischen zwei Ladevorgängen klar kalkulierbar ist und 50 bis 60 Kilometer nicht wesentlich überschreitet. Andernfalls wird’s eng, obwohl die Akkus jetzt jeweils 1,87 kWh fassen. Ein utopischer Wert war in unserem Fall stets die nach dem Vollladen versprochene Reichweite von 92 Kilometern. Knapp 20 Kilometer sind abzuziehen, um auf der sicheren Seite zu sein.

          Fescher Bürohengst: Pendeln zwischen Arbeitsstätte und Zuhause ist die Paradedisziplin des Niu. Bilderstrecke
          Flott und elektrisch : Klarer Fall von Jìnbù

          Wobei wir den Test-Niu ordentlich gefordert haben: Gut 25 Kilometer hin, 25 Kilometer zurück, jeweils zur Hälfte durchs Großstadtgewühl sowie stromfressend im Galopp über Land. Die Verbrauchsanzeige des Bordcomputers quittierte derlei mit knapp 50 bis gut 60 Wh je Kilometer, also rund 5 bis 6 kWh je 100 Kilometer. Nach gut 50 Kilometern war der Akkupegel auf wenig mehr als 20 Prozent zusammengeschmolzen bei einer Restreichweite von zirka 20 km. Sackt der Pegel unter 15, aktiviert das Fahrzeug seinen auf 48 km/h begrenzten E-Save-Modus. Rund vier Stunden müssen die beiden Akkus, die gemeinsam mit Ladegerät und -kabel den gesamten Stauraum unterm Sitz beanspruchen, anschließend an der Steckdose verbringen. Sie können dafür im Fahrzeug verbleiben oder ins Haus getragen werden – in letzterem Fall sind zweimal 14 Kilo zu schleppen.

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