https://www.faz.net/-gy9-8mfx3

Elektromobilität : Kolbenfresser

  • -Aktualisiert am

Selbst der Bundesrat hat sich auf die Seite der Grünen geschlagen und will den Verkauf von Verbrennungsmotoren von 2030 an verbieten. Die Industrie steht vor einer undankbaren Aufgabe.

          Endet 2030 die Ära von Rudolf Diesel und Nikolaus Otto? Selbst der Bundesrat hat sich auf die Seite der Grünen geschlagen und will den Verkauf von Verbrennungsmotoren von diesem Jahr an verbieten. Nur noch lokal emissionsfreie Fahrzeuge sollen dann neu zugelassen werden, das dürften batterieelektrische sein.

          Technische Einwände scheinen keine Rolle mehr zu spielen, etwa die Versorgung mit Strom, wenn allein in Deutschland 40 Millionen Autos mit Sonne und Wind, aber ohne den Saft transportierende Trassen betankt werden sollen. 500 Kilometer Reichweite und Aufladen in zwanzig Minuten bekommen wir bald hin, versprechen die aus der Defensive argumentierenden Autohersteller.

          Es müsste halt noch der Preis sinken, selbst der fortgeschrittenste E-Werker von Opel wird 35 000 Euro kosten. Das taugt alles nicht zur Massenmobilität, sowieso nicht in Indien, Brasilien oder Afrika, aber bestimmt in China oder Deutschland. Also ist man besser vornedran. Wenn das so ist, steht der Industrie, sprich den dort arbeitenden Menschen, ein dramatischer Wandel bevor.

          Berufsbilder werden sich verschieben. Motorenwerke verschwinden. Getriebewerke ebenso, Elektroautos schalten nicht. Wer heute als Traumberuf Ingenieur vor Augen hat, macht sich besser noch mal Gedanken. Der klassische Maschinenbau wird unter Druck geraten, dafür werden Elektrotechnik und Software die Gewinner sein. Der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Dieter Zetsche, mithin der beauftragte Erbe des Erfinders des Automobils, hat seine Prognose geändert. Im Zeitraum 2020 bis 2025 werde der Anteil der Elektroautos höher als die bisher erwarteten drei Prozent sein: „Wir erwarten jetzt, dass er zwischen 15 und 25 Prozent liegen wird - das ist eine dramatisch andere Einschätzung“, sagt er. Die Industrie stehe vor der undankbaren Aufgabe, lange parallel Verbrennungsmotoren, Elektroantriebe und Hybride anbieten zu müssen.

          Und sie steht davor, diesen Wandel, der Zehntausende Arbeitsplätze bedroht oder verändert, mit der Politik so zu steuern, dass kein Zusammenbruch provoziert wird. Auch nicht durch leichtfertiges Gerede und das Setzen gegriffener Daten. Einen guten Benziner oder Diesel zu bauen, sparsam, umweltschonend und mit Charakter, ist schwierig. Ein Elektromotor samt Batterien ist noch viel teurer, im Vergleich aber keine Kunst. In 130 Jahren haben sich die Motorenbauer ein Fachwissen angeeignet, das als höchste Eintrittsbarriere für neue Marktteilnehmer gilt. So wie es derzeit aussieht: galt. Koste es, was es wolle.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Roboter „Fedor“ soll ISS-Besatzung helfen Video-Seite öffnen

          Neues Crewmitglied : Roboter „Fedor“ soll ISS-Besatzung helfen

          Russland hat eine unbemannte Rakete mit einem humanoiden Roboter an Bord ins All geschickt. In der zehntägigen Mission soll das Gerät lernen, Menschen an Bord der Internationalen Raumstation zu unterstützen.

          Eure Lufthoheit

          Fahrbericht Bentley Cabriolet : Eure Lufthoheit

          Voll auf Speed führt der Weg zumeist mit geschlossenem Verdeck, aber wer braucht das? Wir empfehlen: öffnen, genießen und Platz im Wohnzimmer schaffen.

          Topmeldungen

          Nach Contes Rücktritt : Linke Regierung in Rom möglich

          Die Sozialdemokraten und die Fünf-Sterne-Bewegung erwägen eine gemeinsame Regierungsarbeit – unter fünf Bedingungen. Staatspräsident Mattarella hat für Dienstag die nächsten Konsultationen angesetzt.

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.