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Frank-Holger Appel (hap.)

Elektrische Flugtaxis : Lilium-Fee

  • -Aktualisiert am

In dieser Position sieht man das Flugtaxi am häufigsten. Bild: dpa

Die Macher des elektrischen Flugtaxis Lilium versprechen Fliegen wie im Märchen. Manche werden wahr. Manche enden wie Cargolifter.

          1 Min.

          Die Technikgeschichte ist reich an Erfindungen, die unmöglich waren, bis sie jemand möglich gemacht hat. Und sie ist reich an Luftschlössern. Zu welcher Kategorie das elektrische Flugtaxi Lilium zählt, ist noch nicht abzusehen. Der Gründer des in Bayern probenden Unternehmens versteht es, Teile der Öffentlichkeit und Wagniskapitalgeber in seinen Bann zu ziehen. Lilium schlüpft gar in ein Spac, einen Börsenmantel, so fließen spekulativ Millionen.

          Doch außer einer fundierten Ausbildung und immer höher gezeichneten Wechseln auf die Zukunft haben Daniel Wiegand und sein Team bislang nichts zu bieten. Ihr Fluggerät fliegt nicht, es hüpft allenfalls. Live sehen darf es niemand, aus Sorge vor Spionage, klar. So gibt es neben adretten Animationen nur hauseigene Videos. Was den Lilium-Jet ausmachen soll, ist nicht in Sicht: der Übergang vom vertikalen Start- und Schwebeflug in die Vorwärtsbewegung wie ein Flächenflugzeug.

          Die 36 Mantelpropeller müssen dazu um 90 Grad drehen, so dass die dann nach hinten gerichteten Fans Geschwindigkeit aufbauen. Dass dieses Manöver heikel ist, steht außer Frage. Es mangelt auch an brauchbaren Tonaufnahmen, so dass die Vermutung lauter Geräusche bleibt. Angaben zu Reichweite, Geschwindigkeit und Gewicht werfen Zweifel auf. Gleichfalls die zu Leistungsfähigkeit und Standfestigkeit der Batteriezellen.

          Außerhalb Liliums glaubt kaum jemand, dass sie die Anforderungen erfüllen. Nachdem ein Prototyp abgebrannt ist, ruht der Flugversuch, so etwas kann in der Entwicklung vorkommen. Neue Tests mit einem verbliebenen Technikträger seien in Vorbereitung, heißt es, von außen zuschauen darf wieder niemand. Wird Skepsis zu arg spürbar, legt Wiegand phantasieanregend nach. Nicht mehr nur einen Fünfsitzer will er bauen, auch einen Siebensitzer. 2024 soll der erste Elektrojet in eine Art Liniendienst starten. Manche Märchen werden wahr. Manche enden wie Cargolifter.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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