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E-Mail : No Noreply

Einer der fleißigsten E-Mail-Versender hat stets dieselbe Absenderadresse: Noreply. Er arbeitet zudem in unterschiedlichen und nahezu allen deutschen Unternehmen.

          In diesem Jahr werden in Deutschland fast 800 Milliarden E-Mails verschickt. Unerwünschte Werbung ist in der Schätzung nicht enthalten. Allen Unkenrufen zum Trotz, allen Abgesängen und Prognosen über ihren unmittelbar bevorstehenden Tod, erfreut sich die E-Mail bester Gesundheit. Das Aufkommen wächst und wächst. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 625 Milliarden elektronische Nachrichten versandt, zehn weitere Jahre zurückgeblickt, waren es erst 150 Milliarden. Angeblich verzichten junge Leute auf die E-Mail und nutzen lieber Chats, Whatsapp und soziale Netzwerke.

          Angeblich ist das zunehmende Nachrichtenvolumen auch nicht Ausdruck ungebrochener Kommunikationsfreude, sondern den Mail-Robotern geschuldet, die einen schon bei einem simplen Online-Kauf mit einem halben Dutzend Nachrichten über Bestelleingang, Verpackung, Versand und erwartbarer Ankunftszeit informieren. Einer der fleißigsten E-Mail-Versender hat stets dieselbe Absenderadresse: Noreply. Er arbeitet zudem in unterschiedlichen und nahezu allen deutschen Unternehmen. Noreply ist die Idee, dass Firmen eigene Nachrichten an Kunden und Interessierte verschicken, aber nicht wünschen, dass selbige antworten. Deren Kontaktaufnahme soll vielmehr darin bestehen, sich in eine telefonische Warteschleife einzureihen oder umfangreiche Formulare im Web auszufüllen. Noreply ist eine Asymmetrie zu Lasten des Verbrauchers.

          Nicht einmal Rechnungen und andere wichtige Schreiben kann man sofort erwidern. Das Landgericht Berlin hatte 2014 Google dazu verurteilt, auf eingehende E-Mails zu reagieren. Das taten sie damals nicht. Nun wäre es an der Zeit, Noreply den Garaus zu machen. Wer E-Mails versendet, muss auch zugehörige Antworten entgegennehmen. Die hohe Hürde des Noreply ist unzeitgemäß. Antworten können muss wieder eine Selbstverständlichkeit der Kommunikation werden.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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