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Duschtoiletten : Waschen mit Wasser

  • -Aktualisiert am

Öko-Toilette von Panasonic mit „intelligentem“ Heizsitz Bild: Georg Küffner

Die Toilettenbrille wird auf Wunschtemperatur vorgeheizt und auf Knopfdruck startet die „Geräuschprinzessin“. Noch nimmt die Duschtoilette in Europa eine Außenseiterrolle ein.

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          Was in Europa noch die absolute Ausnahme ist, hat in Japan schon jeden zweiten Haushalt erreicht und kann von Touristen bestaunt und auch benutzt werden, sind doch im Land der aufgehenden Sonne alle besseren Restaurants und Hotels mit ihnen ausgestattet: Duschtoiletten.

          Dabei sind diese Apparaturen keineswegs eine japanische Erfindung. Vielmehr kommt die Idee, das Reinigen sensibler Körperstellen unmittelbar am "point of interest" mit Wasser und nicht mit Papier (oder gar Sand) zu erledigen, aus der Schweiz. Bereits 1956 hatte der damals 38 Jahre alte Hans Maurer die Idee für ein nach oben spritzendes und weitgehend automatisiert arbeitendes Toilettenbidet gehabt und nach zweijähriger Bastelei im Keller seines Hauses in Zollikerberg bei Zürich auch einen funktionsfähigen Prototyp vorgestellt. Der wirtschaftliche Erfolg hielt sich in Grenzen. Erst als sich Japans größter Hersteller von Waschbecken und Kloschüsseln, Toto, sich dieser Technik annahm, kam der Durchbruch.

          Höchster Umweltstandard

          Japanische Duschtoiletten sind technisch aufgerüstet. Auf einem seitlich der WC-Brille angeordneten Display lassen sich die Grundprogramme Duschen und (Gebläse-) Trocknen starten. Wasserdruck und -temperatur können den Vorlieben der Nutzer entsprechend variiert werden. Auch lässt sich auf Knopfdruck die "Geräuschprinzessin" starten. Das ist ein Soundsystem, das die Fließgeräusche einer spülenden Toilette abgibt und das auch als separates Gerät als Zusatz zu einer konventionellen Toilette erworben werden kann. Seine Aufgabe ist, die von den WC-Nutzern verursachten Geräusche zu übertönen.

          Ohne Zutun startet bei japanischen Duschtoiletten ein Luftfilter (kein Abluftsystem). Für europäische Gesäße eher gewöhnungsbedürftig sind die auf Körpertemperatur geheizten Sitzringe. Die schlucken, da sie rund um die Uhr arbeiten, einiges an Strom, was den seine gesamte Produktpalette derzeit auf höchsten Umweltstandard bringenden Panasonic-Konzern veranlasst hat, eine „Eco Navi Toilet" auf den Markt zu bringen: Diese Duschtoilette ist "intelligent". Ihre Sitzheizung springt erst an, wenn der Probant das stille Örtchen betritt. In nur 15 Sekunden schafft sie die (auf individuelle Vorlieben einstellbare) Zieltemperatur - und merkt sie sich für weitere Sitzungen. Nach einigen Dutzend Stuhlgängen ist das Nutzerverhalten analysiert, und als Toilettennutzer muss man sich zumindest über den Wärmehaushalt seiner WC-Brille keine Gedanken mehr machen.

          Deutsche Normen sorgen für Sicherheit

          Die Außenseiterrolle, die die Duschtoilette in Europa einnimmt, hängt nach der Meinung von Jens Reubig, er ist Produktmanager bei Geberit, nicht an technischen Schwächen. Vielmehr sieht er das aus seinem Hause kommende System Aquaclean den japanischen Produkten als überlegen an, hat es doch ein viel ausgefeilteres "Duschbild". Im Gegensatz zum japanischen Wettbewerb spritzt das Wasser nicht nur aus einer, sondern auch aus mehreren Düsen. Zudem wird deutlich mehr Wasser versprüht: Über fünf Liter je Minute. Aus japanischen Düsen ströme dagegen lediglich ein Liter in der Minute. Und zudem sorgten deutsche Normen für mehr Sicherheit: So wird beim AquoClean das Wasser in einem kleinen Boiler zwischengelagert und erhitzt. Japanische Modelle arbeiten dagegen mit einer Art Durchlauferhitzer, der mit einem "Rückflussverhinderer" ausgestattet ist. Versage der, dann könne im ungünstigsten Fall Toilettenwasser in den (Frisch-) Wasserkreislauf gelangen.

          Die schwache Marktpräsenz des Dusch-WC begründet Reubig auch damit, dass das Abwägen der Argumente, die für die in unseren Breiten verbreitete "Trockenreinigung" sprechen, gegenüber den Vorzügen der "Nassreinigung" mit anschließendem Trockenblasen nicht zu den Standardthemen gehört, die an Biertischen gerne erörtert werden. Anders als ein neues Auto, das man auf einer Probefahrt schnell mal um den Block steuern könne, müsse man eine Duschtoilette beim Sanitärhändler seines Vertrauens in Augenschein nehmen. Was vielen Kunden peinlich sei. Zudem setzt es voraus, dass man auch müssen muss.

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