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Ducati Panigale : Ein Motor sprengt den Rahmen

Ducati hatte angekündigt, „die Grenzen alles Bisherigen zu überschreiten“ Bild: Hersteller

Mit den Zutaten der Zukunft und dem stärksten Zweizylinder aller Zeiten tritt die Ducati Panigale an. Erster Fahrtbericht.

          Seit Wochen wird sie herbeigesehnt wie der erste Krokus nach einer langen Frostperiode. Die 1199 Panigale elektrisiert die Motorradwelt. Schon steht die Frage im Raum, welch herausragenden Rang sie einmal in der Zweiradgeschichte einnehmen wird. Dabei kommt sie jetzt erst auf den Markt, begleitet von immensen Erwartungen. Ducati selbst hat sie in die Höhe getrieben.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Die Roten aus Bologna blühen gerade richtig auf. Ihre Modelle der jüngeren Vergangenheit - Streetfighter, Multistrada, Diavel - alles Treffer. Und nun die Panigale, deren Entwicklungskosten beispiellos sind in der Historie des Unternehmens: mehr als doppelt so hoch wie beim bis dahin teuersten Projekt. Kaum kursierten erste Fotos des Superbikes, ging es mit Vorbestellungen los. Bei der Messepremiere in Mailand wurde es angeschmachtet und zum schönsten Ausstellungsstück gewählt. Seit Monaten füllen Fachzeitschriften Seiten mit dem "Wundermotorrad", werden mit wachsender Begeisterung technische Fakten und geschmackliche Fragen erörtert. Die stechenden Augen, die gefräßige Front, das Gazellenheck, das röteste aller Rots. Pures Racing, Know-how aus der Waffenschmiede Ducati Corse, der Abteilung für das Wettkampfmaterial.

          Nach Werksangaben wiegt die Panigale nur knapp 190 Kilo mit vollem Tank Bilderstrecke

          Ducati hatte angekündigt, "die Grenzen alles Bisherigen zu überschreiten". Was kam dabei heraus? 143 kW (195 PS) bei 10 750 Umdrehungen, 132 Newtonmeter bei 9000/min, stärkster Serien-Zweizylinder aller Zeiten, auf einem Niveau mit den Vierzylindern von BMW, Kawasaki, MV Agusta. Das ganze Gerät allerdings zehn, fünfzehn Kilo und damit ein Universum leichter als andere. Nach Werksangaben wiegt es nur knapp 190 Kilo mit vollem Tank. Dazu kommt eine außergewöhnliche Ansammlung elektronischer Systeme. Noch nie sei ein Serienmotorrad so nah am Profi-Renngeschehen gewesen, lautet die Ansage, nie zuvor sei eine derart geballte Ladung WM-Technik "für jedermann zugänglich" gemacht worden.

          Na ja, das mit dem Jedermann ist so eine Sache. 19 490 Euro kostet die Basis-Panigale. Für die S-Version mit elektronisch einstellbarem Fahrwerk, LED-Scheinwerfern (ein Novum) und extraleichten Rädern werden 24 490 Euro verlangt. Und für die S Tricolore 28 690; die Dreifarbige bekommt als Beigabe einen zusätzlichen Rennauspuff zum Wechseln sowie das GPS-gestützte Datenanalyse-System DDA+, das Taten und Zeiten von Mensch und Maschine auf der Rennstrecke speichert. In Deutschland werden alle drei Varianten serienmäßig mit ABS verkauft. Ein Großteil der Produktion 2012 ist schon vergeben. Ducati-Chef Claudio Domenicali ist zuversichtlich, dass sich die Sache rasch amortisiert haben wird.

          Angesichts dieser Vorgeschichte erwartet man in der Stunde der Wahrheit, bei der Fahrvorstellung des Motorrads, nicht weniger, als überwältigt zu werden. Vom Anblick, vom Handling, von der Kraft, von allem. Dass es so kommen möge, dafür hatten die Italiener Vorsorge getroffen: den dreimaligen Superbike-Weltmeister Troy Bayliss als Vorfahrer verpflichtet und die Rennstrecke von Abu Dhabi gemietet, wo auch im Winter Sommer ist.

          Zunächst ein wenig mulmig gewesen

          Also bei minus 10 Grad losgeflogen, bei plus 30 gelandet. An einem fremden Rundkurs. Seit einigen Wochen kältebedingt außer dem Fahrrad kein Zweirad mehr bewegt. Und dann gleich dies: bestes Leistungsgewicht weltweit angeblich, Verhältnis von Drehmoment zu Gewicht astronomisch und ein Troy Bayliss, der schon in der Einfahrrunde ein Höllentempo vorlegt. Es ist wohl keine Schande, zuzugeben, dass einem unter solchen Umständen zunächst ein wenig mulmig ist, bei aller Vorfreude und Neugier darauf, ob die Maschine den enormen Erwartungen gerecht werden kann. Sie kann.

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