https://www.faz.net/-gy9-90901

Ducati : Alles wird supergut

  • -Aktualisiert am

Es war einmal eine große deutsche Autoindustrie, die sich um Kleinigkeiten wie italienische Motorradhersteller kümmerte.

          Es war einmal eine große deutsche Autoindustrie, die sich um Kleinigkeiten wie italienische Motorradhersteller kümmerte. Im Moment steht derlei auf der Tagesordnung nicht ganz oben. Der Volkswagen-Konzern in Gestalt seiner Abteilung mit den vier Ringen kaufte 2012 die Markenperle Ducati aus Bologna, zum Wohlgefallen des seinerzeitigen Patriarchen Ferdinand Piëch. Die Daimler-Tochter AMG, bis dahin locker mit Ducati verbandelt, schaute erst in die Röhre und sich dann anderweitig um, stieß auf MV Agusta, das schillernde Unternehmen aus Varese. Die Deutschen erwarben ein Viertel der Anteile. Dem Vernehmen nach galt es zunächst, Löcher zu stopfen, worüber sich niemand wunderte.

          Audi will Ducati wieder loswerden. Namen möglicher Käufer schwirren herum, wobei mancher Freund der Marke im Stillen hoffen dürfte, der eine oder andere davon möge bitte, bitte nicht zum Zuge kommen. Im Fall von MV Agusta ist die Sache jetzt klar, so einigermaßen zumindest: Im Zuge einer Kapitalerhöhung der MV Agusta Holding an der MV Agusta Motor S.p.A. bei gleichzeitiger Übernahme der AMG-Anteile wurden die Weichen gestellt. Daimler ist raus.

          Eine Jetzt-wird-alles-gut-Pressemitteilung aus Varese lässt allerdings offen, welche Gelder wohin flossen. Die Mehrheit an der Holding besitzt MV-Boss Giovanni Castiglioni. Eine starke Minderheitsbeteiligung hält nun laut Mitteilung über ComSar Invest als Teil der Black Ocean Group der russische Geschäftsmann Timur Sardarow. Mit „Super-Premium-Motorrädern“ soll sich Erfolg einstellen.

          Bei Mercedes-AMG dürfte man mit säuerlicher Miene aufs MV-Abenteuer zurückblicken, so wie einst auch Harley-Davidson. Die Amerikaner, damals selbst in Schwierigkeiten geraten, warfen MV Agusta 2010 wie eine heiße Patata weg. Castiglionis inzwischen verstorbener Vater bekam den Betrieb für einen Euro zurück, nur etwa zwei Jahre nachdem Harley geschätzte 70 Millionen Euro dafür zahlte und Löcher stopfte. Wer sagt denn, Wirtschaft sei langweilig, liebe Schüler?

          Nur: Wer mit Super-Premium Erfolg haben will, der braucht irgendwann mal Ruhe, Kontinuität, Vertrauen. Es sei denn, er findet einen weiteren Käufer für den ganzen Laden.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Folgen:

          Weitere Themen

          Kuh mit Hubschrauber gerettet Video-Seite öffnen

          Italien : Kuh mit Hubschrauber gerettet

          Diese Rettungsaktion im italienischen Irpina Tal dürfte nicht jeden Tag vorkommen. Denn bei dem Wanderer, der hier aus einer Schlucht hervorgeholt wird, handelt es sich um eine Kuh.

          Topmeldungen

          Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Willkommen in Nordirland“ steht am Straßenrand an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.

          Brexit-Streit : Auf gar keinen Fall Kontrollen

          Boris Johnson und die EU sind sich zumindest in einem Punkt einig: Grenzkontrollen zwischen Irland und Nordirland dürfen nicht sein. Doch wie soll das ohne Backstop-Klausel gehen?
          Frankfurts David Abraham (l.) und Goncalo Paciencia (r.) können Lebo Mothiba von Racing Straßburg nicht stoppen.

          Frankfurt patzt in Straßburg : Alle Hoffnung auf Teil zwei

          Eintracht Frankfurt muss um den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bangen. Im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg konnte der Bundesligist vor allem in der ersten Hälfte nicht überzeugen und verlor mit 0:1.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.