https://www.faz.net/-gy9-78wnb

DSL : Die Telekom-Drossel

  • -Aktualisiert am

Wer die Diskussion um die Telekom-Drossel bislang irgendwie ganz witzig fand, wird nun eines Ernsteren belehrt. Inhalte werden inspiziert, gefiltert und gegebenenfalls blockiert.

          1 Min.

          Wer die Diskussion um die Telekom-Drossel bislang irgendwie ganz witzig fand, wird nun eines Ernsteren belehrt. Denn erstens teilt die Telekom nun offiziell mit, dass jeder Internetanschluss über kurz oder lang gedrosselt wird. Der Bestandsschutz für Altverträge entfällt spätestens mit der Zwangsumstellung auf die Internettelefonie. Es geht aber nicht um ein paar Euro mehr oder weniger, die künftig vor allem in Haushalten mit Kindern anfallen. Brisant ist der jetzt klar kommunizierte Abschied von der Netzneutralität, wenn Technikvorstand van Damme erklärt, dass Inhalteanbieter nicht gedrosselt werden, sofern sie die Telekom dafür bezahlen.

          Die Idee, dass künftig ein Transporteur für Bits und Bytes die zu übertragenden Inhalte inspiziert, filtert und gegebenenfalls blockiert, ist in der westlichen Welt einzigartig. Es ist ein Angriff auf das freie und offene Internet. Die Telekom muss als Unternehmen am Markt Geld verdienen, keine Frage, doch so werden Innovation und Wachstum blockiert. Mit der offenbar beabsichtigten Abschaffung der Netzneutralität wird sich nicht nur der Telekom-Kunde beschäftigen müssen, sondern auch die Politik, die Bundesnetzagentur und das Bundeskartellamt. Die Weiterungen dieses Telekom-Vorstoßes sind unübersehbar. Deutschland beschreitet einen Sonderweg, den es zu überprüfen gilt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.
          Haben verschiedene Vorstellungen vom „Wiederaufbau“: Angela Merkel und Sebastian Kurz

          Österreichischer Bankchef : Lob für Merkel, Kritik an Kurz

          „Einen wirklich großartigen Plan“ nennt der Chef der größten österreichischen Bank den Vorschlag, die EU solle gemeinsame Schulden machen und das Geld als Zuschüsse an Krisenstaaten vergeben. Bernhard Spalt geht damit auf Konfrontation zu Kanzler Kurz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.