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Zahlung per Smartphone : Die Kasse in der Hosentasche

  • -Aktualisiert am

Mit Fingerspitzengefühl quittiert die eigenhändige Unterschrift bei Sum Up die Zahlung Bild: Hersteller

Kartenzahlungen einfach mit dem Smartphone annehmen: Mehrere Unternehmen machen das Handy zum Kartenterminal. Händler und Kunden freuen sich über eine höhere Flexibilität.

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          Das Schmuckstück gefällt, der Preis ist in Ordnung, nur hat man beim Flohmarktbesuch nicht mit einem Spontankauf in dieser Größenordnung gerechnet. Was tun? Adresse tauschen und darauf hoffen, dass der Verkäufer nicht zwischenzeitlich einen solventen Abnehmer findet? Auch aus Sicht des Händlers erscheint der Kaufaufschub problematisch, könnte sich der Kunde die Sache doch anders überlegen: Aus den Augen, aus dem Sinn. Neuerdings aber ist mit dem Smartphone oder Tablet eine rasche Lösung zur Hand. Unternehmen wie iZettle, Payleven und Sum Up machen Mobilgeräte zu Kartenterminals für Kredit- und Girokarten. Lesegerät verbinden, dann lässt sich übers iPhone, iPad oder Android-Gerät mit Karte zahlen.

          Dass sich Smartphones für Kartenterminals eignen, hat in Amerika das Unternehmen Square bewiesen. Inzwischen nehmen dort mehr als vier Millionen Geschäfts- und Privatleute Zahlungen über 15 Milliarden Dollar jährlich mit Squares Technik entgegen. Die Kreditkarte wird durch einen kleinen, geschlitzten Plastikwürfel gezogen, der mit seinem Klinkenstecker im Mobilgerät steckt. Die Unterschrift erfolgt auf dem Bildschirm des Smartphones oder Tablets (iOS oder Android). Das ist alles.

          Mobile Kartenzahlung ist sicherer

          Rückenwind gab dem Unternehmen, das 2010 unter anderen vom Twitter-Gründer Jack Dorsey ins Leben gerufen wurde, die hohe Akzeptanz der Kreditkarte in Amerika. Der deutsche Händler freut sich hingegen über Bargeld. Mehr als 55 Prozent der Beträge klingeln laut einer Studie des EHI Retail Institute bar in der Kasse. Und beim Karteneinsatz in deutschen Geschäften begleichen Kreditkarten nur etwas mehr als fünf Prozent der bargeldlosen Zahlungen.

          Grund genug für Anbieter mobiler Kartenlösungen, auch Girokarten (EC, Maestro oder V-Pay) einzubeziehen. Die EC-Karte zückten 2012 immerhin rund 35 Prozent der Kunden an der Ladenkasse. Und noch ein Unterschied besteht zum Heimatland der Kartenzahlung: Dort genügt es, den Magnetstreifen der Karte durchs Lesegerät zu ziehen, während hier der Chip auf Kredit- oder Girokarte gelesen wird. Dies macht das Verfahren technisch komplizierter und auch sicherer. Die in Deutschland vertretenen Anbieter befürchten daher nicht, dass Square, das seit Mai auch in Japan operiert, einfach auf dem europäischen Markt auftritt. Doch sollte Square transatlantische Aktivitäten entfalten, so sind die europäischen Konkurrenten, die über die hier erforderliche Banklizenz verfügen, sicherlich an Gesprächen interessiert.

          Sum Up-Kartenleser gratis für Gewerbetreibende

          Voraussetzung für das mobile Kreditkartenterminal sind Chipkartenleser, die entweder in den Kopfhörerausgang gestöpselt oder per Bluetooth mit dem Handy gekoppelt werden. Die Aufsteckmodule hält die Rasterung ihres Klinkensteckers in der Audiobuchse, die automatisch auf höchste Lautstärke geschaltet wird, damit der Leser funktioniert. Wem solcher Aufbau am Handy zu instabil erscheint, der greift zum externen Bluetooth-Leser mit winzigem Statusdisplay und numerischer Tastatur für die PIN-Eingabe. Alle Lesegeräte werden von den Anbietern über ihre Internetseite direkt vertrieben und sind nicht zwischen den verschiedenen Diensten austauschbar.

          Auf dem externen Bluetooth-Leser erfolgt bei Payleven die PIN-Eingabe Bilderstrecke
          Auf dem externen Bluetooth-Leser erfolgt bei Payleven die PIN-Eingabe :

          Sum Up verschickt seinen Aufsteckkartenleser gratis nach erfolgreichem Abschluss der Registrierung, die allerdings einen Nachweis für den gewerblichen Einsatz erfordert. Der Sum-Up-Kartenleser hat an seiner Unterseite eine Schiene, die das aufgesetzte Gerät gegen Verdrehen schützt. Das etwa 30 Gramm wiegende Sum-Up-Gerät liest Chipkarten, nicht aber Magnetstreifen. Wer auch ausländische Karten ohne Chips verarbeiten möchte - beispielsweise Taxifahrer -, bekommt von Sum Up einen separaten Durchzugsleser.

          iZettle und Payleven bieten Bluetooth-Kartenleser an

          iZettle lässt seinen Kunden für geschäftlichen und privaten Einsatz die Wahl zwischen einem Bluetooth-Gerät (99 Euro) und einem Aufsteckgerät (25 Euro). Der Aufsteckleser bietet nicht nur einen Schacht für Chipkarten, sondern zusätzlich eine Durchzugsführung für Magnetstreifenkarten. Deswegen ist der Aufsatz größer, dicker und schwerer (rund 40 Gramm), dafür lassen sich auch Kreditkarten annehmen, die lediglich Magnetstreifen haben. Das gilt ebenfalls für den iZettle-Bluetooth-Leser, der übrigens billiger im Telekom-Shop erhältlich ist (24,95 Euro inklusive 20 Euro Transaktionsguthaben).

          Payleven präferiert für private und geschäftliche Kunden den externen Bluetooth-Kartenleser (99 Euro), da er die sichere Transaktionsbestätigung per PIN ermöglicht. Das Payleven-Gerät gibt es auch in Apple-Stores (130 Euro, inklusive 30 Euro Transaktionsguthaben) und dem Media-Markt-Onlineshop (130 Euro, einschließlich 20 Euro Transaktionsguthaben). Wer Wert auf eine Aufstecklösung legt, kann sich bei Payleven für den gewerblichen Bedarf einen Durchzugleser für 10 Euro bestellen.

          Mit einem Fingerzeig bezahlt

          Die Apps der verschiedenen Hersteller funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Nachdem die App auf dem Mobilgerät gestartet ist, der Anwender mit seinem Konto eingeloggt und der Kartenleser verbunden ist, wird auf dem Touchscreen der zu bezahlende Betrag eingegeben und nach Wunsch um eine Beschreibung ergänzt. Bei allen drei Anbietern kann auch auf eine eigens angelegte Produktdatenbank zurückgegriffen werden. Diese für Geschäftsleute wichtige Funktion steht bei iZettle nur in den iOS-Apps zur Verfügung. Im erweiterten Modus von Sum Up lässt sich, gern gesehen in der Gastronomie, auch ein freiwilliges Trinkgeld an das Bedienungspersonal in die Rechnung auf- und von der Mehrwertsteuer ausnehmen.

          Mit einem Tipp auf „Bezahlen“ wird die Transaktion eingeleitet und im nächsten Schritt eine Bezahlmethode ausgewählt. Hier bietet iZettle die größte Bandbreite, die nicht nur American Express und JBC umfasst, sondern zudem die Möglichkeit einräumt, Kreditkartenzahlungen manuell vorzunehmen durch Eingabe von Kartennummer, Gültigkeitsdatum und Sicherheitscode. Allerdings fallen hierbei höhere Gebühren an. Was American Express betrifft, so haben Sum Up und Payleven die baldige Akzeptanz angekündigt.

          Aufsteckgeräte verlangen Unterschrift des Kunden

          Wird die Karte in den Leser eingesteckt und die Buchung bestätigt, werden die Daten des Karten-Chips im Leser gemäß dem Payment Card Industry Data Security Standard (PCI-DSS-konform) verschlüsselt und dann vom mobilen Gerät über eine sichere Verbindung an die Server von Sum Up, Payleven oder iZettle übertragen. Sie leiten die Anfrage an die sogenannte Acquiring Bank weiter, die die Kartenzahlung für den Händler abrechnet. Anschließend läuft die Transaktion über das Karteninstitut - beispielsweise Mastercard oder Maestro - weiter bis zu jenem Institut, das die Karte an den Kunden ausgegeben hat. Wenn alle Beteiligten die Transaktion in Echtzeit überprüft und freigegeben haben, erhält der Händler auf dem Bildschirm seines Mobilgeräts das abschließende OK.

          Da der PIN-Code von Kredit- und Debit-Karten aus Sicherheitsgründen nicht auf dem Smartphone direkt eingetippt werden darf, wird bei den Aufsteckgeräten zur Authentifizierung lediglich die Unterschrift des Karteninhabers verlangt. Der Kunde signiert also mit dem Finger oder einem Spezialstift auf dem Display. Die Lastschrift per Signatur funktioniert für die meisten Giro- und Kreditkarten, nicht aber für Visa. Hier bleibt der Kartenleser unbenutzt, statt dessen bekommt der Kunde per SMS einen Link aufs Smartphone gesandt, den er im Browser öffnen und mit Kartennummer, Gültigkeit und Sicherheitscode bestätigen muss. Komfortable Visa-Zahlungen lassen sich daher nur mit dem Bluetooth-Leser über eine PIN-Eingabe abwickeln.

          Kartenzahlung für Kunden im Kaufpreis enthalten

          Nach erfolgreichem Abschluss der Transaktion kann eine Quittung über geeignete Drucker ausgedruckt oder per E-Mail versandt werden. Der elektronische Beleg wird bei allen drei Anbietern mit einer graphischen Ortsangabe versehen. Sum Up bettet die Daten mit ausgewiesener Mehrwertsteuer direkt in die E-Mail ein. Payleven sendet statt dessen die Quittung als PDF-Anlage mit der Option, sie auch im Internet über eine sichere Verbindung (HTTPS) abzurufen. Ganz auf die verschlüsselte Internetübertragung setzt iZettle, dessen Mitteilungsnachricht eher rudimentär wirkt und die Quittungsdetails über einen Link offeriert. Dafür sieht hier der Kunde nicht nur, wo und wann er gezahlt hat, sondern bekommt auch seine Unterschrift präsentiert. Der Verkäufer kommt gleichfalls in den Genuss der elektronischen Historie seiner Zahlungsbewegungen. Die Umsatzübersichten und Auswertungen sind über die Smartphone-Apps aber auch im Internet-Browser abrufbar.

          Während für den Kunden die Kartenzahlung im Kaufpreis enthalten ist, muss der Händler bei Payleven und iZettle jeweils 2,75 Prozent seiner Karteneinahmen abgeben. Sum Up berechnet für Kreditkarten ebenfalls 2,75 Prozent, die EC-Karten-Gebühr beträgt hier 0,95 Prozent. Ansonsten fallen bei den drei Anbietern für den Betrieb keine weiteren Gebühren an. Solche Preisgestaltungen ohne laufende Zusatzkosten sind für viele Händler attraktiver als die Konditionen der Kreditkarteninstitute und Banken, zumal diese Komplettlösungen für Kredit- und Girokarten die schon bestehenden Netzanbindungen der Mobilgeräte nutzen. So ist auch bei spärlichem Einsatz - beispielsweise beim jährlichen Messeauftritt - mit den mobilen Kartenterminals ein Dienst zur Hand, der ansonsten weder finanziell noch organisatorisch eine Belastung darstellt.

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