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Yoga Book C 930 im Test : Gescheitert nach großartigem Anlauf

Mit diesem Yoga Book kann man zeichnen ... Bild: Hersteller

Ein unglaublich flaches Notebook, das anstelle der Tastatur eine E-Ink-Anzeige hat, wie man sie vom Kindle-Lesegerät kennt. Doch das Yoga Book C 930 bleibt ein Nischenprodukt.

          Cleverer Schachzug: Ein unglaublich flaches Notebook, das anstelle der Tastatur eine E-Ink-Anzeige hat, wie man sie vom Kindle-Lesegerät kennt. Die darauf erscheinenden Tasten sind rein virtuell, die E-Ink-Fläche ist berührungsempfindlich, und man kann auf ihr auch zeichnen. Das war die Idee hinter dem Yoga Book von Lenovo, Baujahr 2016, das als Windows-Rechner 600 Euro kostete, mit Android 500 Euro. Wir fanden dieses kleine Notebook damals sehr attraktiv.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun ist die Neuauflage Yoga Book C 930 im Handel, und der erste Blick weckt sofort die Erinnerung. So klein kann eine Windows-Maschine sein, einen Zentimeter dünn. Das Gehäuse, eine Aluminium-Magnesium-Legierung, besteht aus einem Guss, und das die Ober- und die Unterseite verbindende Scharnier wirkt wie ein Meisterstück der Feinmechanik. Die Oberseite des geschlossenen Geräts öffnet sich auf spektakuläre Weise: Man klopft mit dem Finger zweimal auf den Displaydeckel, dann hebt sich dieser um zwei Zentimeter an. Die Anzeige mit einer Diagonale von 10,8 Zentimeter löst höher auf als die des Vorgängers, nun sind es üppige 2560 × 1600 Pixel. Zudem lässt sie sich komplett nach hinten klappen, um 360 Grad sozusagen. Das Display ist berührungsempfindlich, erreicht eine ordentliche Helligkeit, zeigt sehr gute Schwarzwerte und einen hohen Kontrast, spiegelt aber.

          Bevor wir weiter über die technische Ausstattung staunen, darf ein Blick auf die Bedienung nicht fehlen. Hier ist so ungewöhnliche Technik im Einsatz, dass man ein bisschen mehr erklären muss. Im Tastatur-Modus blendet das E-Ink-Display ein klassisches Keyboard mit Touchpad oder ein modernes mit nach Berührung aufploppendem Touchpad und größeren virtuellen Tasten ein. Da man beim Schreiben auf einen Bildschirm drückt, liefert das Panel selbst eine Art Rückmeldung, es vibriert und gibt einen synthetischen Klickton wieder. Eine Beleuchtung fehlt. Wie beim Vorgänger muss man jedoch in aller Deutlichkeit festhalten: Schreiben wie gewohnt geht nicht. Wer auf der Tastatur ohnehin nur mit zwei Fingern unterwegs ist, mag damit leben, wer schnell schreiben kann, kann es hier nicht. Auch das kleine Touchpad überzeugt nicht.

          ... und tippen.

          Verwendet man das E-Ink-Display zum Zeichnen mit dem Finger oder Stift, erfasst Letzterer, mit Bluetooth angebunden, bis zu 4096 Druckempfindlichkeitsstufen. Gab es beim alten Modell die Option, auf einem über der Anzeige liegenden Blatt Papier zu zeichnen, fehlt diese nun. Im Tablet-Einsatz nutzt man entweder das Farbdisplay und die Windows-Oberfläche, oder man klappt das Farbdisplay komplett auf die Rückseite, deaktiviert es und nutzt die E-Ink-Seite als E-Book-Lesegerät, darstellbar sind PDF-Dateien. Trotz des für ein Notebook geringen Gewichts beachte man, dass 780 Gramm auf Dauer doch schwer in der Hand liegen. Das iPad wiegt 470 Gramm. Stundenlanges Halten fällt schwer.

          Das neue Yoga Book hat auf der linken und rechten Seite jeweils einen USB-Typ-C-Anschluss, der aber kein Thunderbolt unterstützt. Links liegt sodann ein Micro-SD-Schacht und rechts der Ein- und Ausschalter sowie ein Lautstärkeregler. Das ist schon alles an Konnektivität. Über dem Farbdisplay sitzt eine 2-Megapixel-Kamera und rechts oberhalb der E-Ink-Anzeige ein biometrischer Fingerabdruckscanner. Das Gerät hat keinen Lüfter eingebaut und arbeitet lautlos. Mit dem beiliegenden 27-Watt-Netzteil ist der Akku in drei Stunden geladen und hält dann zwischen drei und sechs Stunden durch. Wer die überzeugende Anzeige zur Wiedergabe von Filmen im Flugzeug oder im Bett verwendet, rechne eher mit drei Stunden Laufzeit.

          Das Yoga Book ist in zwei Basisversionen erhältlich, zum einen mit dem schwachen Core-m3-Prozessor von Intel und einer kleinen SSD mit 128 Gigabyte. Der Preis beträgt 1100 Euro, der Stift gehört nicht zum Lieferumfang. Die empfehlenswerte und von uns erprobte Version bringt einen Core-i5-Prozessor der siebten Generation, den Stift sowie eine 256 Gigabyte fassende SSD mit. Man liegt dann bei 1400 Euro oder gar 1600 Euro, wenn zusätzlich auch ein LTE-Modem eingebaut werden soll. Mehr als knappe vier Gigabyte Arbeitsspeicher gibt es nicht. Insgesamt lässt das Arbeitstempo eher zu wünschen übrig, und der Preis ist viel zu hoch. So ist das neue Yoga Book ein vielseitiges, kleines und leichtes Gerät mit vielen frischen Ideen und spannender Technik. Aber es bleibt ein teures Nischenprodukt.

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