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X1 Carbon von Lenovo im Test : Schrumpfkur in mancherlei Hinsicht

Die Thinkpads X1 Carbon des chinesischen Herstellers Lenovo sind die Referenz der Oberklasse. Bild: Hersteller

Das X1 Carbon von Lenovo ist schlanker geworden. Doch nicht jede Neuerung gefällt. Und die Konkurrenz ist stärker denn je.

          Sie gelten als das Maß aller Dinge in der Notebook-Welt: Die Thinkpads X1 Carbon des chinesischen Herstellers Lenovo sind die Referenz der Oberklasse, edle Modelle für Geschäftsführer und Manager, robust, ausgereift und damit ein Objekt der Begierde. Der gute Name zählt, denn HP, Dell und andere Hersteller locken natürlich ebenfalls mit attraktiven Windows-Geräten, und die sind zumeist sogar deutlich günstiger.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Den Thinkpad X1 Carbon gibt es seit 2012. Nun geht die siebte Generation an den Start. Das neue Modell ist dünner und leichter. In der Breite verliert es zwei Zentimeter, so dass die Maße jetzt 32,3 × 21,7 × 1,5 Zentimeter betragen. Die Gewichtsreduktion liegt nur im Grammbereich, das neue X1 Carbon wiegt 1,08 Kilogramm und bleibt also ein besonders leichtes Notebook, das man gern in der Aktentasche mitnimmt. Auffallend ferner: Der Ein- und Ausschalter befindet sich nicht mehr oberhalb der Funktionstastenreihe, sondern rückt an die rechte Gehäuseseite. Der Kombischacht für Micro-SD und Sim-Karten auf der Rückseite weicht einem Steckplatz für ein optionales LTE-Modul mitsamt Sim-Karte.

          Um bei den Äußerlichkeiten zu bleiben: Wer den Thinkpad mit dem Top-Display kauft, kann den Deckel auf Wunsch mit einer gewebten Kohlefaserstruktur bestellen. Neu ist sodann die Option für eine Webcam, die zwei Eigenschaften vereint: Mit physischer Blende lässt sich die Kameralinse blockieren, ein optimaler Schutz gegen Ausspähung. Gleichzeitig ist eine Infrarot-Kamera für die biometrische Authentifizierung eingebaut.

          Unser Testgerät bot die 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) mit HDR. Bilderstrecke

          Die Qual der Wahl kann die Frage nach dem passenden Display sein. Mit der festen Diagonale von 14 Zoll stehen fünf Anzeigen zur Verfügung, die günstigsten in Full-HD-Auflösung mit einer Helligkeit von 300 und 400 Candela pro Quadratmeter. Die unseres Erachtens für den geschäftlichen Einsatz eher geeignete Anzeige löst mit 2560 × 1440 Pixel auf, ist aber mit 300 Candela pro Quadratmeter nicht besonders hell. Unser Testgerät bot die 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) mit HDR und 500 Candela pro Quadratmeter. Schön und gut, aber der Haken besteht darin, dass dieses 4K-Display spiegelt, für uns ein Ausschlussgrund. Dass die Anzeige sonst bestens in jedem gewählten Winkel arretiert und sich um maximal 180 Grad nach hinten drehen lässt, sei nicht verschwiegen.

          Auf der rechten Seite bringt Lenovo neben dem Netzschalter den Anschluss für ein Kensington-Schloss sowie einen konventionellen USB-Anschluss unter. Links befinden sich zwei USB-Typ-C-Anschlüsse mit Thunderbolt, ein weiterer USB-Anschluss sowie HDMI und ein Kopfhörer-Mikrofon-Anschluss als Klinkenbuchse. Bluetooth wird jetzt in Version 5 unterstützt, und vier Mikrofone sind eingebaut, sagt Lenovo, man sieht sie aber nicht. Schon die günstigste Variante des Thinkpad X1 Carbon ist teuer. Mit Core-i5-Prozessor der achten Generation, 8 Gigabyte Hauptspeicher und 256 Gigabyte SSD sowie Full-HD-Anzeige werden bereits 1650 Euro aufgerufen. Erstmals stattet Lenovo einen Profi-Notebook nur mit Windows Home aus, das ist peinlich. Erst in den teureren Varianten ist dann Windows 10 Pro aufgespielt, die Preise beginnen bei 2100 Euro. In der Spitzenausstattung mit 16 Gigabyte Speicher und 2-Terabyte-SSD überschreitet man die 3000-Euro-Grenze.

          Unser Gerät kam weitgehend unverbastelt ohne die lästigen Software-Dreingaben, wie man sie auf neuen Windows-Rechnern anderer Hersteller findet. Die obligate Säuberungsaktion zu Beginn beschränkt sich also darauf, jene Zumutungen zu löschen, die Microsoft selbst Geschäftskunden unterschiebt, nämlich Candy Crush oder Bubble Witch sowie etliche weitere lästige Anwendungen. Auffällig bei der Inbetriebnahme ist, dass Lenovo wie einige andere Hersteller das Einverständnis zu seinen Geschäftsbedingungen koppelt mit den Windows-Geschäftsbedingungen von Microsoft. Letzteren muss man zustimmen, sonst startet Windows nicht. Gleichzeitig räumt man also auch Lenovo viele Rechte ein.

          Die Tastatur des neuen Thinkpads muss leider gegenüber dem vorherigen Modell mit einem reduzierten Tastenhub auskommen. Der Lüfter springt indes seltener an als beim Vorjahresmodell. Mit der Schrumpfkur fürs Gehäuse geht auch eine Reduzierung der Akkuleistung einher. Statt 57 Wattstunden sind es nun nur noch 51 Wattstunden. Trotzdem gibt der Hersteller eine Akkulaufzeit von 18,3 Stunden an, die sich in der Praxis nicht erreichen lässt. Man rechne eher mit rund acht Stunden. Insgesamt bleibt der Thinkpad X1 Carbon ein robustes, bestens verarbeitetes Gerät für Geschäftsführer. Aber nicht alle Änderungen der jüngsten Generation sind ein Pluspunkt, und die Konkurrenz ist stärker denn je.

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