https://www.faz.net/-gy9-849og

Entwicklerkonferenz 2015 : Das sind die Neuigkeiten von Apple

Apple-Chef Tim Cook übergibt an Musikproduzent Jimmy Iovine, der etwas unbeholfen Apple Music vorstellte Bild: AP

Die Keynote von Tim Cook auf Apples Entwicklerkonferenz hat dieses Mal sehr lange gedauert. Die Bilanz: Viele kleine Neuigkeiten bei den Betriebssystemen und zwei neue Apps. Aber was unterscheidet den Streaming-Dienst „Apple Music“ von der Konkurrenz?

          4 Min.

          Es ist ein gut gepflegtes Ritual: Einmal mehr hat Apple-Chef Tim Cook die Entwicklerkonferenz des Konzerns mit seiner Keynote eröffnet. Die Veranstaltung dauerte rekordverdächtige zweieinhalb Stunden. Es ging ausschließlich um Software-Neuigkeiten. Das liegt nahe, weil unter den Besuchern vor allen Dingen Entwickler sind. Aber es war nicht immer so.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Weil sich Apple mittlerweile um drei Betriebssysteme kümmern muss, nimmt dies einige Zeit in Anspruch. Die spannensten Neuigkeiten verkündete Tim Cook für das jüngste Betriebssystem: Watch OS. Aber was bei iOS 9 und Mac OS X El Capitan - ja, so heißt die neue Version - hinzukommt, dürfte Apple-Nutzern gefallen. Einiges kommt Android-Nutzern wahrscheinlich bekannt vor.

          iOS 9

          Zunächst können Sie sich zurücklehnen und Ihr iPhone oder iPad in Ruhe beiseitelegen. Die neuen Versionen kommen alle erst im Herbst. Am meisten profitiert wohl das iPad vom Update. Apple führt zum Beispiel den Splitscreen ein. Zwei Anwendungen lassen sich nebeneinander öffnen. Beide sind aktiv, sodass sie parallel benutzt werden können. Mit gespreizten Fingern lassen sich beide auch gleichzeitig scrollen. Android-Nutzern dürfte diese Funktion bekannt vorkommen. Sie ist auf Googles Betriebssystem längst etabliert. Auch die erweiterte Spotlight-Funktion, also die systemumfassende Suche, erinnert ein bisschen an Google Now. Die Suche ist immer kontextbezogen.

          Ebenfalls praktisch: Das Keyboard des iPad wird zum Trackpad, wenn man zwei Finger benutzt. Somit muss man nicht mehr über Wörter und Sätze wischen, um sie zu markieren, sondern man modifiziert sie direkt von der Tastatur aus. Das spart Zeit und das lästige Wechseln zwischen den Ansichten. Videos erscheinen nun wie eigenständige Objekte und lassen sich unabhängig von den Apps verschieben und anschauen. Zwei Neuigkeiten muss man ebenfalls im Kontext von Android erwähnen: Da ist zum einen der Low-Power-Mode, der dafür sorgt, dass der Akku beim iPhone oder iPad noch länger hält, indem man nur die Notfunktionen am Leben hält. Zum anderen hat Apple die Task-Übersicht aufgehübscht. Die Apps reihen sich nicht mehr klein nebeneinander auf, sondern bewegen sich fast bildschirmfüllend wie ein Fächer.

          Mac OS X El Capitan

          Die Neuigkeiten bei Mac OS X waren bis auf den Namen, nach „Yosemite“ folgt nun „El Capitan“, weniger spannend und gingen sehr ins Detail. Craig Federighi, Chef der Software-Entwicklung, zeigte Verbesserungen wie das Markieren und Löschen von Mails, wie es bei iOS üblich ist. Der Umgang mit Fenstern wurde nochmal effizienter gestaltet. An Sarafi hat Apple gearbeitet: Favorisierte Webseiten lassen sich mit „Website-Pins“ aktiv und offen halten. Verschiedene Programme agieren noch schneller und besser miteinander. Das ist erfreulich, allerdings funktioniert dies gerade bei Mac OS jetzt schon sehr gut.

          Nicht zu unterschätzen ist sicherlich die Auswirkung auf die Systemleistung der Macs. Denn mit den neuen Betriebssystem-Versionen werden die Rechner nicht langsamer, sondern schneller. Dafür sorgt unter anderem die im vorherigen Jahr vorgestellte Grafiktechnik namens „Metal“, die es nun für den Mac gibt.

          Watch OS

          Nur wenige Wochen nach dem Verkaufsstart der ersten smarten Apple-Armbanduhr hat der Hersteller nun die zweite Version des Betriebssystems vorgestellt. Watch OS 2 läuft auf der vorhandenen Hardware, bietet neue Bildschirmdesigns und erweitert die Funktionalität der Uhr. Die neuen „Watchfaces“, also quasi die Startbildschirme der Uhr, können eigene Fotos oder Zeitrafferaufnahmen enthalten, ferner lassen sich Inhalte aus Apps auf dem Startbildschirm einblenden. Mit dem Drehen der digitalen Krone bringt man die Bildschirmanzeige schnell von einem Termin zum anderen, Apple nennt die Funktion Time Travel.

          Die vorhandene Hardware, etwa Mikrofon und Lautsprecher, wird jetzt umfassend von der Software unterstützt: Facetime Audio, Apples Dienst für Internettelefonie, funktioniert auch mit der Uhr. Ferner wird die Uhr künftig kurze Videos wiedergeben und Audio-Notizen aufzeichnen können. Mit diesen Audio-Sprachdateien kann man auf Nachrichten reagieren, und E-Mails lassen sich nun wie SMS ebenfalls beantworten, und zwar abermals mit der Siri-Spracherkennung.

          Die wichtigste Neuerung besteht darin, dass Apps eigenständig auf der Uhr laufen und dazu Informationen mit W-Lan abrufen können. Das gemächliche Arbeitstempo bisheriger Programme, die auf das angebundene iPhone angewiesen sind, soll damit der Vergangenheit angehören. Fitness-Apps sind mit dem neuen Watch OS 2 in der Lage, während des Workouts anzuzeigen, in welcher Herzfrequenzzone man gerade trainiert. Geräte für die Hausautomation, die mit Apples Homekit angesprochen werden, lassen sich von der Uhr aus steuern.  Entwickler können ferner auf die Bedienelemente der Uhr und die Taptic Engine (den Aktuator) zugreifen. Insgesamt emanzipiert sich die Apple Watch vom iPhone, wenn ihr neues Betriebssystem im Herbst für alle Nutzer gratis bereitgestellt wird.

          Streaming-Dienst Apple Music

          Tim Cook hatte auch an diesem Abend ein „one more thing“. Es ist der Streaming-Dienst „Apple Music“, der dem derzeit beliebtesten Angebot Spotify schwer Konkurrenz machen dürfte. Basierend auf iTunes können Nutzer mit dieser App Millionen von Lieder streamen. Apple bietet die Standardfunktionen: Playlisten erstellen und verwalten, sich diejenigen von anderen anhören, Hitlisten von Apple auswählen. Das können die anderen Streaming-Dienste auch.

          „Apple Music“ : Apple stellt Streaming-Dienst vor

          Was Apple Music von Spotify und Co. unterscheidet: Mit Beats One gibt es einen „24/7-Global-Radio“, das von Los Angeles, New York und London aus „sendet“ und nur für Apple-Nutzer gemacht wird. Zum anderen spielt das Thema „Soziale Vernetzung“ auch hier eine große Rolle. Fans können mit ihren Künstler direkt kommunizieren. Wie das geht und welche Künstler antworten, wurde noch nicht klar. Verständlicher war die Darstellung, wie unbekannte Künstler sich mit hochgeladenen Fotos und Liedern interessant machen können.

          Ab 30. Juni wird Apple Music mit der neusten iOS-Version 8.4 verfügbar sein. Die ersten drei Monate sind kostenlos. Dann bezahlt man im Monat knapp zehn Dollar, als Familie (bis zu sechs Lizenzen) knapp 15 Dollar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

          Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

          Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
                        Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

          Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

          Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.