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Withings-Überwachungskamera : Alarm bei Einbruch und schlechter Luft

Mit App mehr Übersicht: Withings Home drängt es ins vernetzte Heim Bild: Hersteller

Die Withings-Überwachungskamera hat eine tolle Optik, zudem analysiert sie die Raumluft. Die Kamera wird einfach ins heimische W-Lan integriert. Voraussetzung für die Einrichtung ist ein iPhone oder iPad.

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          Eine charmante Überwachungskamera: Die Withings Home lässt man gern ins Heim einziehen, denn sie sieht mit ihrer kleidsamen Einfassung aus Holz nicht nur schick aus. Sie überzeugt auch mit den inneren Werten und leichter Einrichtung. Viele Details sind klug gemacht. Die äußere Schutzhülle zum Beispiel hat eine funktionale Bedeutung. Sie lässt sich drehen, und so schließt man mit einem Handgriff das Kameraauge, sobald man zu Hause angekommen ist. Auch der Untersetzer mit Magnet ist keineswegs nur ein schmückendes Beiwerk. Er erlaubt es, die Kamera mit ihrem gewölbten Fuß präzise im gewünschten Winkel zu justieren, um beispielsweise von oben aus dem Bücherregal den Blick nach unten zu werfen.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Basiseinheit für 200 Euro wird am heimischen W-Lan in Betrieb genommen, arbeitet nötigenfalls aber auch mit einem Ethernet-Kabel. Voraussetzung für die Einrichtung ist ein iPhone oder iPad, mit anderen Betriebssystemen arbeitet Withings Home derzeit nicht zusammen. Die Anbindung ans Netz ist einfach und kann in weniger als einer Minute absolviert sein. Allerdings muss man eine E-Mail-Adresse eingeben, die fortan mit Werbung von Withings befüllt wird.

          Das Kameraauge lässt sich mit einem Handgriff schließen
          Das Kameraauge lässt sich mit einem Handgriff schließen : Bild: Hersteller

          Wer das erste Mal die Kamera mit der Withings-App startet, kommt sofort ins Staunen. Was der 5-Megapixel-Sensor in feiner Auflösung und über eine Breite von 135 Grad zeigt, stellt alles in den Schatten, was wir bislang bei Überwachungskameras gesehen haben. Selbst die vorzügliche Samsung Smart Camera HD Pro, die wir im vergangenen Jahr lobten, kann hinsichtlich der Bildqualität nicht mithalten. Das Live-Bild der Withings ist detailreich, man kann mit einer Fingerbewegung noch einmal hineinzoomen, und angesichts des großen Winkels reicht zur Überwachung großer Räume ein Apparat, wo bei anderen Herstellern zwei oder mehr angesagt wären. Nachts schaltet sich automatisch eine unsichtbare Infrarot-Zusatzbeleuchtung ein, die nahezu perfekt funktioniert und einen Blick aus der Ferne selbst in dunkelste Räume erlaubt.

          Ein Extra ist die Messung der Luftqualität. Es wird nicht etwa der Kohlenmonoxid-Gehalt der Luft gemessen, sondern die Sensorik des Apparates soll flüchtige organische Verbindungen wie etwa Azeton, Benzol oder Ethylenglykol erfassen können. Sie verdampfen bei Raumtemperatur und seien ein Indikator für die Raumluftqualität von Innenräumen. Die auf einigen Pressebildern gezeigte Messung der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit beherrschte unser Testgerät übrigens nicht. Der Sensor benötigt zwei Tage, bis er sich erstmals kalibriert hat, und gibt anschließend die Schadstoffe in ppm, Teilchen pro Million Teilchen, an. Die Skala beginnt bei 450 ppm und reicht über eine mittelgute Raumluft (1000 bis 2000 ppm) und schlechte Luft (bis 3000 ppm) bis hin zur sehr schlechten Luft mit mehr als 3000 ppm.

          Bei uns im Büro und zu Hause wurden 1000 ppm selten überschritten. Selbst der kräftig bollernde Kaminofen ließ die Teilchenzahl nicht ansteigen. Wie genau die Messungen sind, bleibt dahingestellt. Wird eine bestimmte Teilchenzahl überschritten, kann man sich mit einer Push-Meldung auf dem iPhone oder iPad alarmieren lassen. Der Alarm wird ferner auch dann ausgelöst, wenn die Kamera Bewegungen oder die beiden Mikrofone ein Geräusch entdeckt haben. Den Hinweis auf Bewegung und Ton kann man nur ein- oder ausschalten, aber keine Empfindlichkeit vorgeben. Das schränkt den Einsatz als Alarmzentrale deutlich ein.

          Störend ferner: Bis die Push-Nachricht zugestellt wurde, vergingen bisweilen mehr als fünf Minuten. Alle Ereignisse sind zwei Tage auf den Withings-Servern gespeichert und lassen sich in der App sogar dann ansehen, wenn der Einbrecher die Kamera demoliert oder gestohlen hat. Die Fotos und Videos landen zwar nicht in einer der Clouds des Nutzers, lassen sich aber von der App aus weiterreichen, etwa per E-Mail. Alle Ereignisse sind übersichtlich auf einem Zeitstrahl angeordnet, und für die Zukunft plant Withings einen Videorekorder-Service, bei dem man bis zu 30 Tage zurückschauen kann.

          Fehlt also für den Einsatz als Alarmanlage noch das Tüpfelchen auf dem i, empfiehlt sich Withings Home eher für den elterlichen Blick ins Kinderzimmer. Mit der eingebauten Push-to-talk-Funktion kann man ins Schlafzimmer hineinsprechen, der Lautsprecher befindet sich an der Oberseite der Einheit. Für Kleinkinder gibt es zudem ein Schlafliedprogramm mit Musik und Lichteffekten, das ebenfalls am iPhone einschaltbar ist. Insgesamt hat uns Withings Home gut gefallen. Der französische Hersteller stellte bislang Waagen, Fitness-Tracker und Blutdruckmessgeräte her. Hier ist nun der Einstieg in die Hausautomation und -überwachung mit Bravour gelungen.

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