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Media Markt/Saturn : „Wir wollen überall die Nummer eins werden“

  • Aktualisiert am

„Nie Billigheimer gewesen”: Media Markt/Saturn-Chef Weise Bild: Andreas Müller

Hochauflösendes Fernsehen, neue DVD-Formate und vernetzte Wohnzimmer warten auf ihren Durchbruch. Im Interview spricht Roland Weise, Geschäftsführer von Media Markt/Saturn über die Trends der IFA und seine Expansion in Russland und Skandinavien.

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          Auf die bevorstehende Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin schickt Roland Weise seine Mitarbeiter in Mannschaftsstärke. Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung von Media Markt/Saturn ist die Funkausstellung ein wichtiger Gradmesser für neue Marktentwicklungen. Seit diesem Jahr leitet Weise, 55 Jahre alt, Europas größten Unterhaltungselektronik- händler. Das Unternehmen aus Ingolstadt gehört zum Düsseldorfer Metro-Konzern, einem der größten Handelsunternehmen der Welt.

          Herr Weise, was wird dieses Jahr spannend auf der Funkausstellung?

          Die vernetzte Welt im Wohnzimmer wird jetzt greifbar – das „Digital Home“. Zum Beispiel gibt es einen Fernseher, den Sie nur anschließen müssen und er vernetzt sich automatisch mit dem PC und tauscht Daten und Videos aus. Das gab’s bisher nicht.

          Die „Geiz ist Geil”-Kampagne gibt es nicht mehr

          Manche Innovation erweist sich aber als Ladenhüter – zum Beispiel die neuen hochauflösenden DVD-Formate Blu-Ray und HD-DVD. Was läuft da schief?

          Derzeit gibt es einfach noch zu wenig Filme in den neuen Formaten, das ändert sich aber zusehends. Wenn die Filmstudios in der neuen Qualität produzieren, ist das sehr teuer und damit hochriskant. Die beiden konkurrierenden und nicht kompatiblen Formate sind natürlich auch ein Hindernis, insbesondere für den Kunden. Er müsste sich zwei Geräte kaufen, wenn er die volle Filmauswahl haben will. Das macht niemand.

          Wann setzt sich ein Format durch?

          Diese Entscheidung wird letztlich der Kunde treffen. Bei der Einführung von Video hat es zehn Jahre gedauert, bis VHS gesiegt hat. Auch jetzt ist es so, dass die größten Investitionen, nämlich die für die Entwicklung, hinter den Herstellern liegen. Dieses Geld ist also so oder so weg. Das könnte den Durchhaltewillen befeuern.

          Sie investieren derweil in die CD, deren Verkaufszahlen chronisch schrumpfen. Warum eröffnen Sie weiter große Musikabteilungen in Ihren Filialen?

          Wir sind Vollsortimenter und deshalb bieten wir alles, was unsere Kunden wünschen. Außerdem kann man auch in einem schrumpfenden Segment Marktanteile gewinnen. Unser CD-Absatz ist dieses Jahr weiterhin stabil. Wir leben zum Beispiel zurzeit sehr gut vom Revival der Klassikmusik. Wenn Anne-Sophie Mutter heute etwas neu einspielt, können Sie sicher sein, das wird ein Renner.

          Das hochauflösende Fernsehen HDTV ist auch ein schwieriger Fall. Glauben Sie noch daran, dass die Olympischen Spiele in Peking nächstes Jahr den erhofften Durchbruch bringen?

          Die Fußball-EM in Österreich und der Schweiz wird eher noch unser Geschäft ankurbeln. Da haben Sie nämlich anders als bei Peking keine Zeitverschiebung. Allerdings haben wir festgestellt, dass die Attraktivität solcher Mega-Ereignisse in den letzten Jahren nachgelassen hat. Bei der Fußball-WM 2006 sind auch wesentlich weniger moderne Fernsehgeräte verkauft worden als erhofft. Zudem wird sich HDTV erst dann vollständig durchsetzen, wenn auch die Fernsehsender überwiegend hochauflösend ausstrahlen. Insbesondere die deutschen Sender haben da großen Nachholbedarf.

          Mit Ihrem Werbeslogan „Geiz ist geil“ wollen sie dem Absatz aber nicht mehr auf die Sprünge helfen, den haben Sie abgeschafft ...

          ... wir haben den Slogan nicht abgeschafft. „Geiz ist geil“ war drei Jahre lang immens erfolgreich, weil wir darin den ganzen Zeitgeist reingepackt haben. Aber wer sich auf seinem Lorbeer ausruht, der trägt ihn an der falschen Stelle. Deshalb entwickeln wir den Slogan jetzt weiter.

          Hat sich der Zeitgeist geändert?

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