https://www.faz.net/-gy9-qg0k

Media Markt/Saturn : „Wir wollen überall die Nummer eins werden“

  • Aktualisiert am

Der Zeitgeist ist permanent im Wandel. Der Erfolg unseres Unternehmens liegt darin, dass es bislang immer gelungen ist, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und unseren Auftritt entsprechend anzupassen. Der Preis spielt weiterhin bei der Kaufentscheidung eine wichtige Rolle. Nur haben andere Themen wie Service und Qualität in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Rächt sich nun, dass Sie sich als Billigheimer positioniert haben?

Wir sind nie ein Billigheimer gewesen. Wir bieten Markenprodukte zu günstigen Preisen. Und wir werden auch weiterhin den Preis betonen, aber wir bieten inzwischen auch umfangreiche Serviceleistungen. Ich kenne keinen Wettbewerber in Europa, der wie wir jedes Jahr zweistellig wächst. So falsch können wir also nicht liegen.

Bereinigt um Neueröffnungen sind Sie in Deutschland, Ihrem wichtigsten Markt, 2006 um magere 0,4 Prozent gewachsen.

Der deutsche Markt stagniert seit vier Jahren, und wir haben es geschafft, in diesem Umfeld unseren Marktanteil zu erhöhen. Damit sind wir sehr zufrieden. Als wir kürzlich unseren neuen Saturn-Mega-Store in Berlin eröffnet haben, erzielten wir den höchsten Tagesumsatz unserer Geschichte.

Immer neue Filialen zu eröffnen drückt aber Ihre Rendite. Im ersten Halbjahr ist ihr Umsatz doppelt so stark gestiegen wie der Gewinn.

In den letzten sechs Jahren ist unser Umsatz um durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr gewachsen. Das Ergebniswachstum lag in allen Jahren noch darüber. Nur auf ein Halbjahr zu schauen ist nicht sehr aussagekräftig. Wir haben dieses Jahr sehr viele Neueröffnungen, die natürlich zunächst das Ergebnis belasten. Wir haben zum Beispiel seit Ende letzten Jahres unsere ersten fünf Märkte in Russland aufgemacht, und das kostet. Das haben wir aber alles so erwartet und geplant. Wir denken langfristig.

Sie haben 2006 auch Ihre ersten Läden in Schweden eröffnet. Wie geht es weiter im Norden?

Sie können davon ausgehen, dass wir nicht nur in Schweden aktiv werden wollen. Vielmehr schauen wir uns auch noch weitere skandinavische Länder näher an.

In Frankreich mussten Sie dagegen Filialen schließen und haben Umsatzverluste. Woran liegt’s?

Die Genehmigungspolitik ist in Frankreich extrem rigide. Wenn Sie mehr als 2000 Quadratmeter Fläche eröffnen wollen, brauchen Sie eine Genehmigung vom Handelsminister persönlich. Das ist vollkommen unverständlich.

Warum machen Sie die Filialen, die Sie haben, dann wieder zu?

Weil sie zu klein waren, um wirtschaftlich zu arbeiten. Dafür haben wir jetzt wie zum Beispiel in Metz größere Märkte genehmigt bekommen. Mit einem geänderten Konzept und größeren Flächen werden wir uns von der Konkurrenz abheben.

In welchen Ländern wollen Sie in Zukunft wachsen?

In Deutschland werden wir rund 20 Märkte im Jahr eröffnen. Aber im Ausland, beispielsweise in der Türkei, in der wir noch in diesem Jahr die ersten Märkte eröffnen, ist das unerschlossene Potential viel höher. Wir wollen überall, wo wir antreten, die Nummer eins werden.

Was wird der wichtigste Wachstumsmarkt für Mediamarkt/Saturn?

Wenn wir es richtig anpacken, dann bietet uns Russland Chancen, wie wir sie in keinem anderen Land jemals zuvor hatten, denn das Land hat einen unglaublichen Nachholbedarf. Bei der Markterschließung hilft uns besonders die Kooperation mit unserer Mutter Metro sehr. Unser Bild wird immer von Superreichen geprägt, die in Moskau auf Millionärsmessen gehen. Aber Russland ist anders, da entsteht Mittelstand und Massenkaufkraft, und wir sind von Beginn an dabei.

Weitere Themen

Opel Corsa Video-Seite öffnen

F.A.Z.-Fahrbericht : Opel Corsa

Dem Opel Corsa fällt die schwere Aufgabe zu nach dem Insignia das kleinste Modell der Fahrzeugflotte zu sein. Wieso er diese Aufgabe mit Bravur meistert, zeigt unser Fahrbericht.

Topmeldungen

Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

„Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

„Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.