https://www.faz.net/-gy9-994m9

Microsoft Windows 10 : Seien Sie trotzig!

Bild: Illustration F.A.S. / Getty

Auch Microsoft hat es auf unsere Daten abgesehen. Ratschläge, wie man sich vor der Sammelwut von Windows 10 schützt.

          4 Min.

          Noch ist die Diskussion über den Datenskandal von Facebook nicht abgeschlossen, schon gibt es die Forderung, auch andere Internetkonzerne und ihren Umgang mit privaten Daten in den Blick zu nehmen. Google gilt als nächster Kandidat. Beide Unternehmen argumentieren stets, es gehe bei ihrer Neugier nur um die Werbung. Etwas anders sieht es bei Microsoft aus. Der Software-Hersteller drängt in die Cloud, folgt der Plattform-Ökonomie – und will ebenfalls immer mehr von seinen Kunden wissen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wie Google und Facebook übertreibt es auch Microsoft mit der Datenerfassung. Seit Windows 10 hat sich das Unternehmen harsche Kritik anhören müssen: Das Betriebssystem übermittelt ihm mehr Daten denn je. Es sammelt Standortdaten, scannt Inhalte, auf die Apps zugreifen, erlaubt diesen die Identifikation durch eine Werbe-ID und sendet sogar Informationen über das Schreibverhalten nach Amerika. Der Nutzer habe keine Kontrolle über seine Daten und die Informationen, die zu Microsoft übertragen würden, beklagte unlängst der baden-württembergische Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink. Im Grunde genommen dürfe Windows 10 in deutschen Behörden nicht eingesetzt werden, und mit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung im Mai verschärfe sich die Situation.

          Was im Einzelnen erfasst wird und welche Tricks Microsoft dabei verwendet, zeigt der Installationsprozess von Windows 10. Wir haben ihn Schritt für Schritt auf einem neuen Rechner protokolliert. Während der ungeduldige Nutzer vieles schnell „wegklickt“, um seinen neuen PC zügig in Betrieb zu nehmen, wollten wir die Gefahrenstellen ermitteln, die für eine datensparsame Installation zu umschiffen sind.

          Andernfalls startet Windows nicht

          So gilt zunächst wie immer: Man tue genau das Gegenteil dessen, was einem immer wieder nahegelegt wird. Man verknüpfe nicht seine Daten mit unzähligen Microsoft-Diensten, man wähle nicht die Standardeinstellungen, man deaktiviere alle nur denkbaren Berechtigungen, man lasse nicht zu, was einem mit dem Argument der Bequemlichkeit nahegelegt wird, man stelle sich quer, sei widerborstig und trotzig.

          Ein jungfräuliches Windows 10 fragt zunächst nach Land, Sprache und Tastaturlayout. Dann gibt es eine Belehrung über die Vorzüge des Sprachassistenten Cortana, der indes alle Sprachkommandos des Nutzers zur Auswertung nach Amerika schickt. Hat man das überstanden, buche man sich in sein W-Lan ein, Windows sucht dann nach Updates. Anschließend wird der Lizenzvertrag angezeigt. Man muss ihn annehmen, andernfalls startet Windows nicht.

          Es folgt die Frage, ob Windows privat oder geschäftlich eingesetzt wird. Wir wählen Ersteres. Jetzt wird es spannend: Microsoft will eine persönliche Anmeldung mit vorhandenen Microsoft-Konten, der E-Mail-Adresse, der Telefonnummer oder des Skype-Namens. Rechner und eigene Microsoft-Identität sollen auf diese Weise verbunden werden. Hier drehe man Microsoft den Datenhahn zu. Man wähle die Schaltfläche unten links für ein Offline-Konto. Das ist bewusst sprachlich unklar gehalten, wer will schon „offline“ bleiben, und man bekommt noch einmal die Rückfrage, ob man das wirklich wolle. Denn Windows funktioniere „besser“ mit einem Microsoft-Konto. Die nächste Aufforderung besteht darin, dass man die Windows-Einrichtung „abschließen“ solle, indem man sich mit einem Microsoft-Konto anmelde. Der Begriff ist ebenfalls raffiniert gewählt. Denn wer sich widersetzt, der lässt einen Vorgang offen. Das kann man aber getrost tun.

          Weitere Themen

          Weiterhin keine Ruhe in Chile Video-Seite öffnen

          Proteste halten an : Weiterhin keine Ruhe in Chile

          In der Hauptstadt Santiago lieferten sich Demonstranten auch am Montag Straßenschlachten mit der Polizei. Viele Menschen in Chile stören sich an der extremen sozialen Ungleichheit und verlangen Reformen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.