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Wifi Calling : Und plötzlich ist das Funkloch weg

An dieser Stelle gibt es vermutlich weder W-Lan noch Mobilfunknetz Bild: Picture-Alliance

Bester Empfang ohne Mobilfunksender: Seit diesem Sommer wird Wifi Calling von allen drei Netzbetreibern unterstützt. Aber nicht mit jedem Gerät, nicht mit jedem Vertrag.

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          Mitten im Dorf ist Funkloch. Weder die Telekom noch Vodafone, geschweige denn die beiden Telefónica-Tochtergesellschaften O2 und E-Plus sind mit ihren Mobilnetzen präsent. Die Jugend sucht zum Telefonieren das auf einer Anhöhe gelegene Wasserhäuschen am Ortsausgang auf. Sieht auch cool aus, wenn man auf dessen Dach steht. Ein guter Anlass, sich mit Wifi Calling zu beschäftigen. Es bedeutet, dass man mit seiner gewohnten Mobilfunknummer abgehend und ankommend nicht nur im Mobilfunknetz telefonieren kann, sondern zusätzlich auch über einen W-Lan-basierten Internetzugang. Das Funkloch war einmal.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Technik ist alles andere als neu. Sie wird in Ländern wie den Vereinigten Staaten oder der Schweiz seit langem eingesetzt, sie ist zudem ein Teil von Apples Betriebssystem iOS seit 2014. Zudem werden ja in Zeiten der IP-Telefonie ohnehin Gespräche nicht mehr leitungsgebunden geführt. Übers W-Lan als Transportmedium zu telefonieren ist technisch keine Herausforderung, es geht allein um den guten Willen und die Implementierung der Dienste durch die Netzbetreiber.

          Als Apple vor zwei Jahren die Unterstützung von Wifi Calling mit dem Start von iOS 8 ankündigte, erteilten die deutschen Mobilfunker sofort eine Absage: Ihre Netze seien gut genug. Wifi Calling werde dort angeboten, wo keine Funkversorgung bestehe, und das sei, so etwa die Telekom, in Deutschland nicht der Fall. Nicht nötig, nicht erforderlich, hieß es auch bei Telefónica. Dass man mit Wunschdenken die Netze nicht besser macht, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Seit diesem Sommer wird Wifi Calling von allen drei Netzbetreibern unterstützt. Aber nicht mit jedem Gerät, nicht mit jedem Vertrag.

          Der Anlass für die Kehrtwende ist jedoch nicht etwa, dass man plötzlich die weithin klaffenden Versorgungslücken sehen würde. Sondern es ist die Konkurrenz der unentgeltlichen W-Lan-Telefonate mit Whatsapp und Co. Wer den Trick entdeckt hat, bleibt bei seinem Messenger und nutzt die Angebote der Mobilfunker seltener.

          Telefónica hat sein Message Plus Call im O2-Netz seit einem Jahr und damit als Erster im Angebot. Es basiert auf der umstrittenen RCS-Plattform, die von den Mobilfunkern als monetarisierbare Messenger-Alternative vorangetrieben wurde - und immer wieder scheiterte, zuletzt mit dem angeblichen SMS-Nachfolger namens Joyn. Message Plus Call läuft als App auf Androiden sowie dem iPhone und steht allen O2-Vertragskunden zur Verfügung, die keine Multicard-Mehrkartenlösung nutzen. Die App ist schnell eingerichtet. Die Rufbehandlung eingehender und ausgehender Telefonate lässt sich differenziert steuern.

          Im Prinzip läuft nach der Einrichtung alles von allein. Abgehend über W-Lan zu telefonieren erfordert es jedoch, über das Telefonmenü der App zu gehen, der gewohnte Menüeintrag des Smartphones bringt nur die Fehlermeldung nicht vorhandener Netzabdeckung. Einige weitere Nachteile der O2-Software sind ebenfalls anzumerken: Nicht immer erfolgt der Vorgang des Einbuchens automatisch und zuverlässig. Gegebenenfalls ist man dann zu Hause zwar im W-Lan angemeldet, aber ankommende Anrufe erreichen einen trotzdem nicht.

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