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Gegenmaßnahmen : Wie uns Facebook verfolgt

Facebook kontrolliert seine fast drei Milliarden Mitglieder. Bild: AFP

Noch kann man der ausufernden Erfassung privater Daten durch das Zuckerberg-Imperium einiges entgegensetzen. Das hier zum Beispiel.

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          Facebook steht aus mannigfachen Gründen in der Kritik. Falschnachrichten und Datenskandale setzen dem Konzern zu. Er kontrolliert seine fast drei Milliarden Mitglieder, sammelt fortwährend Daten für kommerzielle Zwecke und entzieht sich selbst jedweder Kontrolle und Verantwortung, heißt es. Facebook spalte die Gesellschaft, indem es Fake News und die Meinungen von Extremisten verstärke, meinen viele, und seit Anfang Februar zeigt eine neue Facebook-Funktion, wie umfassend der Konzern seine Nutzer auch außerhalb der Plattform selbst verfolgt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Internetseiten, die auf den ersten Blick nichts mit Facebook zu tun haben, nutzen die Analytik von Facebook, um mehr über ihre Besucher zu erfahren. Im Tausch für diese Daten erfährt Facebook, was die eigenen Mitglieder auf diesen Internetseiten gemacht haben.

          Den heimlich im Hintergrund laufenden Datenaustausch mit Dritten zeigt Facebook mit seiner Funktion „Aktivitäten außerhalb von Facebook“ in den Einstellungen der mobilen Apps. Dort sind Apps und Websites aufgeführt, die in den vergangenen sechs Monaten persönliche Daten mit Facebook tauschten, selbst dann, wenn man keine Like-Buttons drückte oder kommentierte. Die meisten Nutzer dürften hier Hunderte von Einträgen finden, und man sieht nicht einmal eine vollständige Liste, denn Facebook schränkt ein, man zeige „nicht alle Aktivitäten, über die wir informiert worden sind“. Die Wortwahl entspricht der einer Überwachungsbehörde, und inhaltlich meint Facebook damit, dass der Konzern auch jene Personen verfolgt, die nicht mit einem Facebook-Profil am Rechner oder Smartphone angemeldet sind. Die aufgerufenen Seiten werden gespeichert und dann mit einem Personenprofil verknüpft, sobald man sich an dem Gerät in Facebook einloggt.

          Digitales Abbild seiner Nutzer komplettieren

          Durch die Erfassung der Aktivitäten außerhalb von Facebook kann das Imperium das digitale Abbild seiner Nutzer komplettieren. Es wird alles getrackt, gespeichert, nachverfolgt, jede aufgerufene Seite und jeder gelesene Artikel. Wie der Skandal um Cambridge Analytica zeigte, können diese Daten auch an Dritte gelangen.

          In dem entsprechenden Menü kann man einzelne Einträge der erfassten externen Aktivitäten löschen oder den gesamten Verlauf. Gut versteckt findet sich ein Eintrag, dass künftige Besuche von Internetseiten nicht mehr mit dem eigenen Konto verknüpft werden. Wer solchen Zusicherungen nicht glaubt, kann vorbeugen.

          Am einfachsten und effektivsten mit dem vollständigen Abschied von Facebook. Dazu muss man sein Facebook-Konto löschen und sich ebenfalls von Whatsapp und Instagram verabschieden. Der Nachrichten- und der Bilderdienst sind seit 2014 und 2012 Teil des Zuckerberg-Konzerns und gleichen alle persönlichen Nutzerdaten untereinander ab. Immerhin, man kann Facebook ohne weiteres verlassen, das ist die gute Nachricht, vor allem mit Seitenblick auf Google, die den Status eines unentrinnbaren Monopols erreicht haben.

          Wer seine Facebook-Konten aus welchen Gründen auch immer nicht löschen will, um zum Beispiel auf diese Weise am Leben von Freunden und Bekannten teilzuhaben, oder auf Whatsapp-Gruppen unabdingbar angewiesen ist, kann einige Maßnahmen treffen, um Zuckerberg den Datenhahn ein wenig zuzudrehen.

          Alle nur denkbaren Tricks

          Dazu gehört an erster Stelle, dass man auf seinen Mobilgeräten wie dem Smartphone oder Tablet keine Facebook-Apps installiert. Auch für die Apps gilt: Sie spähen einen mit allen nur denkbaren Tricks aus, selbst wenn man glaubt, es unterbunden zu haben. Wer zum Beispiel der Facebook- oder Instagram-App den Zugriff auf den Standort entzieht, sollte wissen, dass ihn beide Anwendungen trotzdem ermitteln, speichern und auswerten, nämlich über die aktuell verwendete IP-Adresse. Also: Keine Facebook-App auf dem Smartphone, und für Instagram und Whatsapp, deren Nutzung an Mobilgeräte gebunden ist, nehme man am besten ein eigenes, zweites Gerät, das keine anderen privaten Daten enthält – und nicht bewegt wird.

          Facebook wiederum kann man gut allein im Webbrowser bedienen, und hier gibt es etliche Kniffe, um die Datenschaufelei nach Amerika zu blockieren. Man logge sich im Webbrowser in einem Inkognito-Fenster ein, am besten mit Google Chrome oder Firefox. Der Browser sollte so eingestellt sein, dass mit dem Schließen des Fensters alle Cookies und weiteren Datenspuren gelöscht werden. Auf diese Weise ist Facebook während der „normalen“ Rechnernutzung vom Datenfluss abgeschnitten. Und vor allen Dingen: Man beende die Facebook-Sitzung und schließe dann das Inkognito-Fenster. Mit der beschriebenen Prozedur bleibt zumindest die Zeit zwischen zwei Facebook-Sitzungen Privatsache.

          Auf ähnliche Weise arbeitet die Erweiterung „Multi-Account Containers“, die es für Firefox gibt: Jede einzelne Identität, etwa für Berufliches, für Facebook oder fürs Einkaufen, landet in einem eigenen Container mit eigenen Cookies und eigenem Cache. Wer Facebook in einem solchen Container einsperrt, verhindert, dass der Konzern Aufschluss über das eigene Surfverhalten auf anderen Seiten erhält. Die Erweiterung gibt es nur für Firefox, sie wurde von der Mozilla-Stiftung programmiert.

          Beide Tricks haben einen Nachteil, der indes keiner ist: Wer das fortwährende Mitprotokollieren eigener Aktivitäten durch Facebook kappt, muss auch auf das „Login mit Facebook“ verzichten. Aber das sollte man ohnehin, ebenso wie auf das Login mit Google. Denn auf diese Weise gibt man den beiden Konzernen ja geradezu ausdrücklich die Erlaubnis zur Schnüffelei, während man auf den Seiten Dritter unterwegs ist.

          Weiterhin helfen Browser-Erweiterungen, den vielen Trackern das Wasser abzugraben. Nicht nur jenen von Facebook, sondern auch von anderen. Seit Jahr und Tag bewährt sind Ublock Origin und der Privacy Badger der Electronic Frontier Foundation, beide unentgeltlich erhältlich für Firefox und Chrome.

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