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Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

Kein Lärmschutz, aber wenigstens ein Hinweis, dass es zu laut ist. Bild: Apple

Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.

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          Eine Überraschung, mit der niemand gerechnet hatte: Apple bringt nur ein Jahr nach dem Start seiner smarten Armbanduhr der Series 4 bereits einen Nachfolger, die Series 5. Der Markt für Uhren mit Zusatzfunktionen und Smartphone-Anbindung wächst. Die Apple Watch liegt gemessen an den Verkaufszahlen auf dem ersten Platz. Im zweiten Quartal sollen nach den Schätzungen von Strategy Analytics 5,7 Millionen Uhren verkauft worden sein, was einem Marktanteil von 46 Prozent entspricht.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die spektakulärste Neuerung der Series 5 ist das Display. Die Oled-Anzeige wird beim Senken des Arms nicht mehr ausgeschaltet, sondern sie bleibt immer an, wenngleich gedimmt. Die dahinter steckende Displaytechnik nennt Apple LTPO. Die Abkürzung steht für Low Temperature Polycrystalline Oxide, es geht um die Bestandteile des Oled-Panels, die einen besonders energieeffizienten Einsatz erlauben sollen.

          Die neue Anzeige arbeitet zudem mit einer Senkung der Bildwiederholrate von 60 Hertz auf ein Hertz. Ein kleines Detail zeigt dies deutlich: Ist ein Ziffernblatt mit Sekundenzeiger gewählt, verschwindet dieser im Ruhemodus. Ist ein helles Ziffernblatt mit weißen Hintergrund gewählt, wird es im Ruhemodus schwarz. Einige Informationen werden komplett ausgeblendet, etwa die Anzeige der Umgebungslautstärke, wenn diese als Widget in einem Ziffernblatt enthalten ist.

          Die Series 5 im Keramikgehäuse Bilderstrecke

          Durch die Softwareanpassung und Displaytreiber für niedrigen Energieverbrauch will Apple sicherstellen, dass die Akkulaufzeit der Series 4 erreicht wird, rund 18. Stunden. Wir konnten die Uhr einige Tage ausprobieren und beobachteten, dass die Laufzeit kürzer ist als jene der Series 4. Sie hängt natürlich ab von der Zahl der Aktivierungen, der eintreffenden Push-Meldungen und ganz wesentlich von der Protokollierung der Sportaktivitäten. Wer intensiv Sport macht, muss mit kürzeren Laufzeiten als bisher rechnen.

          Die Vorteile des Always-on-Displays liegen indes auf der Hand: Der schwarze Bildschirm im Ruhemodus der Vorgängermodelle erscheint einem schon nach kurzer Zeit als Anachronismus. Die Bewegung des Handgelenks zur Anzeige der Uhrzeit entfällt, und man kann wie bei einer herkömmlichen Uhr aus dem Augenwinkel heraus die Zeit ablesen, ohne ausdrücklich den Arm zu bewegen. Man muss auch nicht befürchten, dass Dritte heimlich während des Ruhemodus neue Push-Nachrichten mitlesen. Mit zwei Menüeinträgen kann man Always on deaktivieren sowie private Informationen ausblenden lassen.

          Nur in zwei Ländern funktioniert dies nicht

          Die Apple Watch Series 5 hat sodann wie das iPhone einen Kompass eingebaut, was die Orientierung unterwegs oder im Gelände ungemein erleichtert. Die Notruffunktionen, etwa nach der Erkennung eines Sturzes, wurden erweitert. Ein Hilferuf kann über die Apple-Watches mit Mobilfunk in 150 Ländern abgesetzt werden, selbst dann, wenn die E-Sim-Karte nicht aktiviert ist und ein iPhone nicht in der Nähe ist. Nur in zwei Ländern funktioniert dies nicht, weil die Mobilfunker „anonyme“ Hilferufe sperren: In Japan und in Deutschland.

          Die Sensoren zur Messung der Herzfrequenz, zum Erstellen eines EKG oder zur GPS-Ortung sind nach unseren Eindrücken so gut wie bisher. Bei der Aufzeichnung von Jogging-Runden legt die Apple Watch eine Präzision an den Tag, die von keiner anderen Sportuhr erreicht wird. Die Messung der Herzfrequenz war bei uns exakt mit einer Ausnahme: Während des Joggens gibt es immer wieder Aussetzer und Artefakte. Dieses Problem hatten wir bislang mit allen Apple Watches. Nötigenfalls muss man einen Brustgurt verwenden.

          Die günstigste Apple Watch kostet 450 Euro

          Nun kann man beim Kauf seine Apple Watch individuell zusammenstellen und jedes Gehäuse mit jedem Armband kombinieren. Wie die bisherigen Modelle kommt auch die neue Series 5 in zwei Größen mit Höhen von 40 und 44 Millimeter und in verschiedenen Gehäusevarianten. Neben Aluminium und Edelstahl treten Titan und Keramik. Die günstigste Apple Watch Series 5 im Aluminiumkleid kostet 450 Euro, die Edelstahlvariante beginnt bei 750 Euro und hat stets Mobilfunk eingebaut. Ein Titangehäuse startet bei 850 Euro, Keramik bei 1400 Euro. Verkaufsstart ist Freitag, der 20. September.

          Mit der neuen Uhr kommt auch ein neues Betriebssystem, Watch OS 6. Es steht auch für die Besitzer einer Series 3 und Series 4 zur Verfügung. Ältere Uhrenmodelle bekommen ihr Update erst im Herbst, und es werden nicht alle neuen Funktionen zur Verfügung stehen. Mit Watch OS 6 löst sich die Uhr ein wenig vom iPhone. Apps und Updates lassen sich direkt auf der Uhr kaufen oder laden. Erstmals wird es Apps geben, die kein Gegenstück auf dem iPhone benötigen, und Push-Nachrichten können ebenfalls direkt auf der Uhr landen, ein iPhone als Erstempfänger ist nicht erforderlich.

          Natürlich bringt Watch OS 6 neue Ziffernblätter mit, und zu den wichtigsten neuen Apps gehören der Taschenrechner, die Sprachmemos und Hörbücher. Vorinstallierte Apple-Apps lassen sich nun löschen. Neu ist ein Lärmdetektor, der die Lautstärke der Umgebung fortwährend misst und bei Überschreiten warnt. In Verbindung mit der Health-App unter iOS 13 sind die Daten auch am iPhone abrufbar. Eine weitere App erfasst den Menstruationszyklus.

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