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Für Apple und Android : Die neue Corona-App im ersten Praxistest

Von diesem Montagabend an ist die deutsche Warn-App für die beiden Smartphone-Plattformen erhältlich. Bild: Screenshot Spehr

Die Installation und Nutzung der Corona-App ist freiwillig. Die Software soll höchsten Ansprüchen des Datenschutzes genügen. Wir haben die App ausprobiert: Was sie kann.

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          „Gemeinsam Corona bekämpfen“: Unter dieser Maxime ist vom heutigen Montagabend an die deutsche Warn-App für die beiden Smartphone-Plattformen erhältlich. Offiziell startet sie am Dienstag. Sie wurde von SAP und Deutscher Telekom entwickelt. Das Programm soll festhalten, welche Personen mit entsprechend ausgerüsteten Handys einander nahegekommen sind und Menschen warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben einer infizierten Person längere Zeit aufgehalten haben.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jeder kann sich frei entscheiden, die App auf sein Gerät zu laden und kann sie auch wieder löschen. Es gibt keine Vorzüge oder Belohnungen für die Nutzer der App, und es gibt kein besonderes App-Gesetz, das diese Freiwilligkeit der Nutzung sowie ein Zweckentfremdungsverbot regelt. Ein solches Gesetz hatten Politiker der Linken und der Grünen gefordert. Arbeitgeber dürfen die Nutzung der App nicht anordnen.

          Wir haben die App bereits einige Zeit im Einsatz und können uns den ersten positiven Einschätzungen von Fachleuten anschließen. Sie läuft stabil und sicher und belastet den Akku kaum. Testen und Ausprobieren kann man indes nicht viel, denn die Anwendung verfolgt nicht das Ziel, mit dem Nutzer zu interagieren, sondern im Hintergrund zu laufen und im Falle eines Falles zu warnen. So besteht die App aus drei Komponenten: Risiko-Ermittlung mit der Aufzeichnung von Begegnungen, Berechnung des persönlichen Infektionsrisikos (erhöhtes, niedriges, unbekanntes Risiko) und erläuternde Hilfetexte.

          Wir haben die App bereits einige Zeit im Einsatz und können uns den ersten positiven Einschätzungen von Fachleuten anschließen. Bilderstrecke

          Teile der App hat der TÜV Informationstechnik vorab geprüft und ein ebenfalls positives Urteil gefällt, wenngleich eine Schwachstelle gefunden wurde. Die Entwickler hätten schnell und nachhaltig auf diese Schwachstelle reagiert, sagte ein Sprecher des TÜV Informationstechnik. Da der Quellcode der App auf der Code-Sharing-Plattform Github öffentlich ist, wird es in den kommenden Wochen zur Diskussion weiterer bislang nicht entdeckter Probleme kommen, was indes ein ganz normaler Vorgang der Softwareentwicklung ist. Wer die Debatten auf Github verfolgt, erhält den Eindruck, dass SAP und Telekom auftretende Probleme schnell und transparent lösen.

          Die deutsche Corona-App ist zunächst ein Experiment. Niemand weiß, ob es gelingt, ob es sichere Erkenntnisse bei der Nachverfolgung von Infektionsketten bringt. Es kann sich auch herausstellen, dass das gewählte Verfahren, die Smartphone-Annäherung über Bluetooth zu ermitteln, ungeeignet ist. Auch könnte ein Ergebnis sein, dass viel zu viele falsch-positive Alarme gegeben werden, weil auch das längere Zusammensein mit einer infizierten Person nicht bedeuten muss, dass man sich selbst ansteckt.

          In jedem Fall gelingt dieses Experiment nur, wenn möglichst viele Menschen ein- und dieselbe Warn-App mit einem identischen Funktionsprinzip freiwillig auf ihre Geräte laden. Zwang würde dafür sorgen, dass staatliche Aufforderungen konterkariert werden. Die Warn-App muss höchsten Ansprüchen des Datenschutzes genügen. Auch das ist eine Voraussetzung für die massenhafte freiwillige Installation. So gibt es bei der deutschen App keine fortwährende Ortung mit GPS, keine Erfassung der zurückgelegten Wege und keinen Hinweis, wer der infizierte Kontakt war.

          Technischer Unterbau ist unabdingbar

          Apple und Google haben den technischen Unterbau der Warn-App bereitgestellt. Er ist unabdingbar. Denn Smartphones können im Hintergrund nur eingeschränkt über Bluetooth kommunizieren. Für das Tracing wurde deshalb von Apple und Google eine spezielle Schnittstelle, die „Exposure Notification API“ entwickelt. Diese Schnittstelle lässt sich nur von ausgewählten und geprüften Apps von Regierungsstellen und Gesundheitsbehörden nutzen. Falsch ist die Behauptung, dass Apple und Google die App entwickelt hätten oder auf Corona-Nutzerdaten zugreifen können. Die App wird auch nicht durch die Betriebssysteme von Google und Apple automatisch aktiviert.

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