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Mit Apps gegen die Pandemie : So funktioniert das Corona-Tracing von Apple und Google

Eine Frau mit Mundschutz blickt auf dem Berliner Alexanderplatz auf ihr Smartphone. Bild: dpa

Corona-Apps sollen die Verbreitung der Pandemie begrenzen. Dazu erfassen sie Kontakte zwischen Menschen. Nach ersten Ideen aus Europa steigen jetzt Apple und Google auf den Zug auf.

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          In dieser Woche kommt eine Corona-App auf den Markt, an der mehr als ein Dutzend europäischer Einrichtungen beteiligt sind. Sie soll ein datenschutzfreundlicher Gegenentwurf zu den asiatischen Tracking-Apps sein und basiert auf der Idee, dass das Handy einen Hinweis gibt, wenn man sich in der Nähe einer positiv getesteten Person aufgehalten hat, die das System ebenfalls nutzt. Es gibt keine fortwährende Ortung mit GPS, keine Erfassung der zurückgelegten Wege und keinen Hinweis, wer der infizierte Kontakt war. Die Idee firmiert unter dem Namen Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing und verwendet zur Abstandsmessung den Kurzstreckenfunk Bluetooth. Es wird einen technischen Unterbau geben, und mehrere Apps, die darauf aufsetzen. Eine davon kommt vom Robert-Koch-Institut in Deutschland.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Vor Ostern kündigten auch Google und Apple in seltener Einigkeit an, ein ähnliches System zur Kontakterfassung mit Bluetooth zu entwickeln. Der Unterschied zu den in Europa gedachten Apps besteht darin, dass direkt am Smartphone-Betriebssystem angesetzt wird. Apples iOS und Googles Android haben zusammen einen Marktanteil von fast 100 Prozent, die Betriebssysteme laufen auf Milliarden Geräten in aller Welt.

          Das Konzept von Apple und Google gleicht indes dem europäischen Ansatz: Smartphones tauschen untereinander temporäre Identifikationsnummern aus. Wer mit wem Kontakt hatte, bleibt anfangs nur auf den Geräten gespeichert, nicht auf zentralen Servern. Wird jemand neu mit Covid-19 positiv getestet, werden die Informationen über seine Begegnungen der vergangenen 14 Tage nach Zustimmung des Betroffenen auf einen Server der jeweiligen Gesundheitsbehörde übertragen. Alle Smartphones rufen regelmäßig eine Liste der anonymisierten Identifikationsnummern der Erkrankten ab, um zu sehen, ob sie selbst in Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person waren. Man erhält also eine Nachricht der Form, dass man jemand begegnet ist, der positiv getestet wurde.

          Gerät erhält automatisch ein entsprechendes Update

          Im Mai wollen Apple und Google eine Programmierschnittstelle (API) veröffentlichen, und es wird später nicht nur eine App geben, sondern mehrere offizielle Apps, die in den jeweiligen Apps-Stores zur Verfügung stehen. Auf die Schnittstelle dürfen nur Apps von staatlichen Stellen, etwa Gesundheitsbehörden, zugreifen. In einem zweiten Schritt wird dann die auf Bluetooth basierende Nachverfolgung von Kontakten in die jeweiligen Betriebssysteme integriert. Jedes kompatible Gerät erhält automatisch ein entsprechendes Update, und das Kontakt-Tracing funktioniert fortan ohne das Laden einer App. Wird ein Kontakt mit einem infizierten Nutzer festgestellt, erhält man einen Hinweis zum Download der App einer zuständigen Behörde. Die Kontaktverfolgung benötigt die Zustimmung des Nutzers. Dennoch ist das alles umstritten.

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          Eine zentrale Datenbank mit Identifikationsnummern von Geräten ist in der Architektur nicht vorgesehen. Die meisten Daten liegen nur lokal auf den Geräten der Nutzer. So gesehen läuft die am Dienstag vorgetragene Kritik deutscher Start-Ups, dass die Daten der Bürger auf Servern amerikanischer Tech-Giganten gespeichert würden, ins Leere.

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