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Headset von Aftershokz : Es erledigt einen Knochenjob

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Die Schädelknochen übertragen nur die mittleren Frequenzen zwischen 600 und 3000 Hertz. Bild: Hersteller

Das Headset von Aftershokz überträgt den Schall direkt auf die Schädelknochen. So funktioniert das Gerät, das sind seine Schwächen.

          Nicht der Ton macht die Musik, sondern eine Vibration auf dem Schläfenbein. Das klingt skurril, aber das amerikanische Unternehmen Aftershokz hat sich darauf spezialisiert. Aftershokz-Kopfhörer halten die Ohren frei, indem sie den Klang über die Knochen des Schädels übertragen. Hierfür drücken sich links und rechts kurz vor dem Ohr Transducerkapseln an die Schläfe, die den Schall auf die Schädelknochen übertragen.

          Die Transducer übertragen die Schallschwingung nicht über die Luft in den Gehörgang und das Mittelohr, sondern über die Knochenleitung ins Innenohr. Auch wenn der Frequenzgang der Headsets von 20 bis 20.000 Hertz reicht, übertragen die Schädelknochen nur die mittleren Frequenzen zwischen 600 und 3000 Hertz. Für den Frequenzbereich der menschlichen Stimme ist die Knochenleittechnik gut geeignet, so dass man Hörbüchern und Podcasts gut folgen kann.

          Da kein Stöpsel in oder Kissen über den Ohren liegt, kommen alle Außengeräusche, also auch Rufen, Klingeln oder Hupen, ungedämpft an und sind leicht zu orten. Dass dies auch bei anderen Fortbewegungsarten im Verkehr von hohem Nutzen ist, versteht sich von selbst. Und auch im Büro bekommt man die Ansprache der Kollegen mit, bevor diese gezwungen sind, die Stimme zu heben. Die Übertragung über Knochenschall reduziert das Hören im besten Sinn zu einer akustischen Begleitung des Alltags. Das neuste Modell von Aftershokz namens Trekz Air ist genau wie sein Vorgänger Trekz Titanium IP55 zertifiziert, also geschützt gegen Staub und Strahlwasser und auch schweißabweisend. Das macht sie für Sportler interessant.

          IP55 zertifiziert, also geschützt gegen Staub und Strahlwasser und auch schweißabweisend.

          Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Transmitter bei der Wiedergabe an der Schläfe vibrieren. Gesteigerte Lautstärke intensiviert das Zittern an der Schläfe, aber auch, dass durch die Eigenresonanz der Wandlergehäuse der Schall leise in die nächste Umgebung abgegeben wird. Was beim sportlichen Lauf oder im eigenen Wagen unproblematisch ist, kann beim Sitzen im Café oder in öffentlichen Verkehrsmitteln indiskret werden. Zwar versucht Aftershokz das Leck in der Akustik mit seiner Leakslayer-Technologie zu reduzieren, indem gezielt Schall nach außen freigegeben wird, der dank Phasenverschiebung die Klänge der Gehäuseresonanz zumindest reduziert. Doch zum stillen Vergnügen muss man die Wiedergabelautstärke stark reduzieren. Bei der Bluetooth-Kopplung wird die Version 4.2 und Multipoint-Paarung unterstützt.

          Mit zwei Mikros ausgerüstet, lässt sich das Headset auch zum Telefonieren nutzen, doch klingt die aufgenommene Sprache etwas gepresst, und die Unterdrückung von Nebengeräuschen erweist sich nicht als effektiv. Die Rufannahmen, Einstellung der Lautstärke und der Abruf anderer Funktionen wie Start und Stopp erfolgen über drei Tipptasten am Kopfbügel und an der linken Tonkapsel. Die Eingabecodes der drei Tipptasten bestehen aus kürzeren, längeren, doppelten und kombinierten Drucksequenzen und prägen sich erst nach längerer Benutzung ein, auch wenn viele Aktionen mit Sprachansagen unterstützt werden.

          Der eingebaute Lithium-Ionen-Akku – geladen wird er innerhalb von zwei Stunden über ein Mikro-USB-Kabel – reicht im Betrieb bis zu sechs Stunden. Das neue Trekz Air ist nicht nur ausdauernder als sein Vorgänger, sondern erscheint flexibler und robuster als das ältere Titanium, bei dem der Kopfbügel aus ummanteltem Titan in starren Polykarbon-Ohrbügeln mündet, was sich als Bruchstelle erweisen kann. Hinzu kommt, dass der Tragekomfort des neu gestalteten, leichten Headbands höher ist. Das Leichtgewicht von 30 Gramm kostet mit 170 Euro aber immerhin 60 Euro mehr als das ältere Trekz Titanium, das spürbare sechs Gramm schwerer ist.

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