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Weblogs : „Eine Kulturform, die auf Begeisterung aufsetzt“

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So ist beispielsweise Daimler seit Oktober 2007 mit einem eigenen Unternehmensblog online. Eine feste Anzahl von Mitarbeitern bietet dem Leser einen exklusiven Einblick in das Unternehmen. Auch der Tiefkühlkost-Hersteller Frosta möchte auf www.frostablog.de „offen, ehrlich und aus erster Hand über die Marke berichten“. Ziele sogenannter „Corporate Blogs“ sind Transparenz gegenüber den Kunden und der Presse sowie Kundenbindung. Das soll durch eine stärkere Identifikation mit einer Marke oder einem Unternehmen erreicht werden. Möglich macht das die für einen Blog typische Kommentarfunktion, durch die ein direkter Dialog hergestellt werden kann. Aus einer ähnlichen Motivation bloggen bereits Politiker und Parteien und eröffnen anlässlich einer Wahl ihr eigenes „Wahlblog“, auf dem sie berichten.

„Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“

Ähnlich sollte es sich bei journalistischen Texten verhalten, meint Lobo. Mit Hilfe der Kommentarfunktion bekomme man mit, „was draußen für eine Stimmung herrscht, was man häufig in der Redaktion im fünften Stockwerk überhaupt nicht merkt. Um sich darüber einen breiteren Eindruck zu verschaffen, halte ich Blogs für ein extrem wichtiges Instrument“. In den angelsächsische Medien wird dieser große Unterschied zwischen Bloggern und Journalisten nicht so intensiv gemacht wie in Deutschland. Dort bloggen sehr viele Journalisten. „The Guardian“ integriert etwa in seinen Internetauftritt seit geraumer Zeit Blogs wie den Sportblog, Michael Tomasky´s Politik-Blog, den Digital-Content-Blog PDA oder etwa den Theatre-Blog.

Neben unideologischen Schreibern wie Sascha Lobo und bloggenden Journalisten gibt es aber auch Blogger, die sich bewusst von und explizit gegen die herkömmlichen Medien stellen. So vertritt zum Beispiel Don Alphonso in einem Blogbeitrag vom Mai 2009 die Meinung, dass Journalisten „generell zu wenig meinungsfreudig, innovativ und beweglich“ seien. „Sie hassen Risiken und gehen nicht gerne raus, sie sind ziemlich faul und fett und lieben eingefahrene Denkstrukturen, die sie mit ihren Wortbausteinen füllen“. Der Blogger findet „die feigen Kollegen diverser Zeitungen wirklich süß, die das mit dem Bloggen mal versucht haben, damit auf ihre Fresse gefallen sind und sich nun freuen, wenn es das ein oder andere Blog zerbröselt“.

Sascha Lobo sieht die Diskussion zwischen beiden Lagern entspannter. Der einzige Gegensatz zwischen Bloggern und Journalisten liege „im Geist“, mit dem der Blogger schreibt, „der zwar generell kein anderer sein muss, aber sein kann“. Der „Großteil dieser vermeidlichen Diskussion“ besteht für Sascha Lobo darin, „dass man Äpfel mit Birnen vergleicht, was völlig unzulässig ist“. Demnach müssen Weblogs professionellen Medien also in nichts nachstehen und umgekehrt.

Sascha Lobo ist seit Anfang 2009 mit einem neuen, privaten Blog online. Zu finden unter: www.saschalobo.com. Gemeinsam mit dem Journalisten Mario Sixtus ist er außerdem in der Glosse „Sixtus vs. Lobo“ in der Computersendung „neues“ auf 3sat und unter www.sixtus-vs-lobo.de im Internet zu sehen.

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