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Weblogs : „Eine Kulturform, die auf Begeisterung aufsetzt“

  • -Aktualisiert am

„Ich wünschte mir es wären 100 Prozent“

Allerdings haben sich einige Weblogs in den vergangenen Jahren zu eigenständigen, publizistischen Medien entwickelt. Ob Reise, Technik, Musik, Mode oder sogar Krieg: Inzwischen gibt es zu unterschiedlichsten Themen Weblogs. In manchen Fällen gelten sie sogar als Informationsquelle Nummer eins. Sascha Lobo, seit Jahren aktiver Blogger und Twitterer, führt diese Entwicklung zurück auf die Funktion von Blogs. „Jeder kann publizieren, ohne tiefere technische Vorkenntnisse und vor allem ohne Kapital. Jeder hat seine eigene Stimme in der digitalen Welt. Die wird von nichts anderem angetrieben als von der eigenen Begeisterung für irgendein Thema. Sei es noch so unwichtig in den Augen der großen Öffentlichkeit“. Blogs seien eine „Kulturform“, die „auf der Begeisterung aufsetzt“ und trotzdem ein publizistisches Medium darstelle.

Lobo sieht die Trennung zwischen Blog-Content und journalistischen Inhalten nicht so streng wie einige seiner Kollegen. „Blogs sind wie alle anderen Medien nicht per se glaubwürdig“, sagt Lobo und wünscht sich hinsichtlich der ARD/ZDF-Online-Studie sogar „100 Prozent“ misstrauischer Leser. „Wer etwas anderes denkt, macht einen großen Fehler. Nur weil irgendwo etwas auf Papier oder auf Pixeln steht, ob darüber eine Redaktion oder ein einzelner Mensch steht, heißt das noch lange nicht das es stimmt“. Die Glaubwürdigkeit von Weblogs müsse nicht geringer sein, als die der großen Medien.

„Glaubwürdigkeit“ ist ein Thema der gesamten Medienlandschaft

BILDblog führt dies seit nunmehr fünf Jahren vor. Thematisch beschäftigt sich das Blog mit Deutschlands größter Tageszeitung „Bild“ und dem Wahrheitsgehalt derer Artikel. Es betrachtet sie kritisch, deckt Fehler in der Berichterstattung auf und macht auf schlecht recherchierte Artikel sowie Verstöße gegen den Pressekodex aufmerksam. Seit April heißt das BILDblog nun „BILDblog für alle“ und untersucht auch andere Medien. Das Beispiel zeige, „mit welcher unfassbaren Anzahl und Intensität von Fehlern“ wir es da zu tun hätten, sagt Lobo. Er sehe somit das Glaubwürdigkeitsproblem weniger bei Blogs, sondern „auf die ganze Medienlandschaft appliziert“.

„Ein gesundes und vor allem konstruktives Misstrauen“ sei somit berechtigt, so Lobo, „egal ob es sich um ein kleines Blog oder eine große Nachrichtenseite handelt.“ Das BILDblog solle einen Umschwung bewirken, „sodass man eben nicht alles glaubt, was man irgendwo liest.“ Zumindest bei wichtigen Sachen solle man selbst anfangen zu recherchieren und mal ein bisschen vergleichen.

Blogs zum direkten Dialog mit Kunden

„Weblogs sind in manchen Bereichen mittlerweile tonangebend“, sagt Lobo. „Das sieht man ja inzwischen in der journalistischen Landschaft, die vermehrt auf Blogs verweist, daraus zitiert oder sich thematisch inspirieren lässt. Man merkt es auch an den Bemühungen rund ums Marketing, der PR und der Werbung“.

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