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Sieben Gründe : Warum die Fahrradnavigation so schlecht ist

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Wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg? Mitnichten. Bild: Getty Images

Verglichen mit den Anstrengungen von früher geht es uns heute ja gold. Aber richtig gut funktioniert die Navigation am Fahrradlenker immer noch nicht. Das hat sieben Gründe.

          5 Min.

          1 Radfahrer sind unberechenbar

          Kein Autofahrer nimmt sein Fahrzeug und schiebt es eine Treppe hinauf. Nur eine verschwindend kleine Minderheit von ganz harten SUV-Lenkern überquert Bachläufe und Bahnkörper dort, wo sich keine Brücke und kein Bahnübergang befinden. Radfahrer beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters machen vergleichbare Sachen dauernd: Sie heben ihr Fahrzeug über Zäune, finden in Sackgassen den schmalsten Durchschlupf, durchqueren Türen, benutzen Rolltreppen und können blitzschnell zwischen Fahren und Gehen wechseln, etwa um eine Fußgängerunterführung trotz der Schikanen an beiden Enden zu benutzen. Das ist keineswegs eine Folge besonderer Disziplinlosigkeit und spielt sich ganz überwiegend auch strikt im Rahmen der Legalität ab. Doch was ein Radfahrer an einem x-beliebigen Punkt der Topographie unternehmen kann, um möglichst ohne größeren Umweg sein Ziel zu erreichen, ist viel schwieriger zu berechnen als die an Fahrbahnen welcher Güte auch immer gebundene Route eines Autos. Navigation, wie wir sie vom Auto her gewohnt sind, ist also im Falle des Fahrrads grundsätzlich durch die vielfältigeren Verbindungsmöglichkeiten erheblich erschwert.

          2 Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad

          Zwischen einer aerodynamisch für den Triathlon optimierten Vollkarbonmaschine und einem elektrifizierten Lastenrad, zwischen Opas biederem Trekkingbike und einem Enduro-Mountainbike liegen Welten. Manche Fahrradnavis und Apps versuchen dem Rechnung zu tragen, indem sie jeweils gesonderte Routen für Rennräder, Mountainbikes und Alltagsräder zeigen können. Aber es geht nicht nur darum, dass eine Freitreppe abwärts auf einem Geländerad eher eine fahrtechnische Herausforderung mit Spaßfaktor ist als ein Hindernis. Ein Siebzigjähriger auf seinem elektrifizierten Mountainbike braucht eine völlig andere Wegweisung als die junge Mutter mit ihrem Kind-und-Kegel-Trike. Nicht nur die stark unterschiedlichen Bautypen und Nutzungsarten des Fahrrads, sondern auch der enge Zusammenhang der Streckenwahl mit den Fähigkeiten der Radfahrenden, von den Jugendlichen bis zu den Senioren, führen zu schlechter Wegweisung: Dann ist da zwar ein Radweg, aber sein Verlauf und Zustand überfordern Mensch und Rad gleichermaßen. Das Gegenteil ist genauso möglich: Weil die Einstellungen „Schöne Strecke“ und/oder „Mountainbike“ sich für den Algorithmus nicht mit zweihundert Meter einer stillen Kreisstraße vertragen, wird man völlig unnötig zurück in den Wald gescheucht.

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