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Virtueller 3-D-Klang : Das getäuschte Ohr

  • -Aktualisiert am

Die Sony-App Headphones Connect sorgt für besseren individuellen Ton. Bild: Hersteller

Auch aus der Audio-Welt sind Algorithmen nicht mehr wegzudenken. Virtueller 3-D-Klang erobert die Medienwelt. Selbst die Kopfhörer spielen mit.

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          Alle Macht den Algorithmen: Auch aus der Audio-Welt sind höhere Rechenkünste nicht mehr wegzudenken. Dreidimensionaler Raumklang ist eine ihrer Zielsetzungen. Ein noch junges Projekt von Sony etwa will die Kunst der sphärischen Klänge sogar Kopfhörern beibringen, Samsung entlockt dem Bildschirmrahmen 3-D-Sound, LG setzt auf virtuellen Raumklang, sobald das Programm es hergibt.

          Aber der Reihe nach: Schon vor Jahresfrist kündigte Sony ein System an, das auf den Namen 360 Reality Audio hört. Inzwischen ist das Vorhaben gereift und zeitigt erste Ergebnisse. Der Technik-Hintergrund, ein Standard namens MPEG-H, stammt zu einem erheblichen Teil vom Erlanger Fraunhofer-Institut IIS, jener Forschungseinrichtung, die sich schon mit dem MP3-Format einen Namen gemacht hat. MPEG-H arbeitet, ähnlich wie Dolby Atmos, mit Audio-Objekten, Tonspuren also, die keinem festen Wiedergabe-Kanalschema zugeordnet sind, sondern mit Hilfe von Metadaten frei im dreidimensionalen Raum plaziert werden. Das Wiedergabesystem setzt die gewünschte Anordnung mit Software-Hilfe um, so gut es seine physikalischen Voraussetzungen erlauben.

          Sonys 360-Grad-Projekt setzt voraus, was man neudeutsch ein Ökosystem nennt: Musikproduzenten, die Audio-Konserven in der 3-D-Kodierung herstellen, Streamingdienste, die solche tönenden Inhalte über ihre Netzwerke verbreiten, und Hardware-Hersteller, die ihre Geräte mit passenden Chipsätzen zur optimalen Wiedergabe befähigen. Sony Music, Universal und Warner sind schon Projektpartner, Amazon Music HD, Deezer und Tidal haben schon mit der Verbreitung begonnen, Mediatek, NXP und Qualcomm können passende Chipsätze beisteuern. Wie das Ganze zum Beispiel künftig mit einer 3-D-fähigen Soundbar funktioniert, hat Sony unlängst auf der CES vorgeführt. Uns hat aber eine andere Demonstration noch mehr beeindruckt: Sonys App Headphones Connect bereitet den 3-D-Sound für die Wiedergabe über ausgewählte Kopfhörermodelle auf, unter anderem für ein Over-Ear-Modell und einen True-Wireless-Hörer.

          Die Kopfhörer vermitteln ein plastisches Klangbild

          Dazu nimmt die App zunächst Fotos der beiden Ohren auf, um deren Form zu analysieren. Die Idee ist plausibel, denn es sind ja die Reflexionsmuster am Außenohr mit ihren individuellen Klangprägungen, die unserem Gehör die Richtungsinformationen vermitteln. Die App rechnet also nach dem Fotoshooting ein paar Sekunden lang vor sich hin und kredenzt dann beachtliche Resultate: Die Kopfhörer vermitteln ein so plastisches Klangbild, wie man es von dieser Geräteart bisher nicht kannte.

          Mit einer anderen Art, 3-D-Klänge zu produzieren, sorgte Samsung auf der CES für Aufsehen. Der neue, praktisch randlose 8k-Fernseher Q950TS, den es in den Größen 65, 75 und 85 Zoll geben wird, hat an seinen schmalen Seitenflächen und auf seiner Oberkante perforierte Aluminiumabdeckungen, hinter denen extrem zierliche Schallwandler sitzen; schließlich ist der Bildschirm gerade einmal 15 Millimeter dick. Für tiefe und mittlere Frequenzen sind acht handtellergroße Membranen auf der Geräterückseite zuständig. Ihre Arbeit kommt selbst dann zum Tragen, sagt Samsung, wenn der Apparat mit wenigen Millimetern Abstand an einer Wand montiert wird. Mit digitaler Unterstützung kann die Rundum-Abstrahlung der schmalen Membranen tatsächlich 3D-Raumklänge erzeugen, wenn auch nicht mit cineastischer Urgewalt. Besser funktioniert der 3-D-Sound, wenn zusätzlich eine passende Soundbar ins Spiel kommt. Q Symphony, so nennt Samsung seine Schaltung für die nötigen Anpassungen, sorgt dann für einen koordinierten Gesamtauftritt.

          Und auch LG hat ein Herz für den Raumklang. AI Sound Pro nennt der Hersteller die Audio-Software seiner jüngsten Fernsehergeneration, die virtuellen 3-D-Sound generiert – und zwar nicht nur dann, wenn das Programm mit Tonspuren in Dolby Atmos oder ähnlichen Kodierungen aufwartet. Der Fernseher, so die Idee, analysiert den Ton, und hält er eine 3-D-Aufbereitung für sinnvoll, lässt er seine Algorithmen von der Leine.

          Wir haben ein paar Demoprogrammen gelauscht, unter anderem mit einem Schlagzeug-Solo, das mal etwas brav in Stereo, mal ziemlich aufregend in der virtuellen Aufbereitung tönte. Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen: Das alte HiFi-Ideal, nach dem jeder Ton den Weg vom Anfang bis zum Ende der Übertragungskette möglichst unbeeinflusst überstehen müsse, ist passé.

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