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Videokamera ZV-1 von Sony : In Szene gevloggt

  • -Aktualisiert am

Das Stativ mit der leicht zu merkenden Bezeichnung GP-VPT2BT passt perfekt zur Sony ZV-1. Bild: Hersteller

Sony baut eine Videokamera für Selbstdarsteller. Selfies gelingen mit Bokeh auf Tastendruck. Ein Schnäppchen ist die ZV-1 nicht.

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          Ein junger Mann, Typ aufgedrehter Wuschelkopf, turnt durch Clubs und urbane Hotspots, stets die Kamera in der Faust und immer darauf aus, sich selbst vor der Linse zu inszenieren, gern auch im Dialog. Eine schöne Altersgenossin schminkt sich nach allen Regeln der Kunst, filmt sich dabei und reckt ihre einschlägigen Utensilien in die Optik, die Kamera in Kurzinstanz auf einem kleinen Stativ. Eine junge Japanerin dreht Selfies in Tokio, in Porträt-Manier schön scharf vor unscharfem Hintergrund. „Created for Creation“ heißt der Videoclip, dem diese Szenen entstammen. Er soll plakativ erklären, wofür die ZV-1, Sonys jüngste Kompaktkamera, gedacht ist – für Vlogger nämlich, also die Bewegtbild-Fraktion all derer, die das Internet als Tagebuch und mediale Plattform nutzen.

          Was qualifiziert den Apparat für diesen Job? Zum Beispiel ein eingebautes Mikrofon, das mit drei Kapseln Richtcharakteristik erzeugt und so besonders gut für Sprachaufnahmen taugt. Ein mitgelieferter Windschutz-Puschel, der sich in den Zubehör-Schuh auf dem Oberdeck einschieben lässt, soll dafür sorgen, dass die Tonaufnahmen auch an der frischen Luft gelingen. Selfie-Tauglichkeit ist ebenso unabdingbar; dafür steht der Monitor, der sich um 180 Grad nach vorn schwenken und auch noch um eine zweite, horizontale Achse drehen lässt. Dafür steht zudem eine Bokeh-Taste, die den Selfie-Hintergrund gezielt zur unscharfen Kulisse verschwimmen lässt.

          Wer das Fotografieren noch richtig gelernt hat, weiß, wie das geht: die Blende weit öffnen, was die Schärfentiefe reduziert; entsprechend die Belichtungszeit verkürzen, was zugleich Bewegungsunschärfen vermeidet. Die Bokeh-Taste macht all dies automatisch. Die ungewöhnliche Lichtstärke des eingebauten Zoom-Objektivs – die Werte liegen zwischen f1.8 und f2.8 – bietet beste Voraussetzungen für das Spiel mit der Schärfentiefe. Allerdings reicht der Zoom-Bereich nur bis zur Brennweite 70 Millimeter, auf Kleinbild-Verhältnisse umgerechnet. Darin liegt ein entscheidender Unterschied zu den üblichen kompakten Reisekameras, die zumeist sehr viel weiter in den Telebereich blicken.

          Bewegte Bilder nimmt die Kamera mit Auslösungen bis zum 4k-Raster und 30 Bildern je Sekunde auf. Ein zeitliches Limit setzt dabei nur die Ladekapazität des kleinen Akkus, der im Videobetrieb leider nicht viel länger als eine Stunde lang durchhält. Fotos schießt die ZV-1 mit 20 Megapixel. In beiden Disziplinen überzeugt die Sony voll und ganz. Sie liefert knackscharfe Videos und Einzelbilder in jeder Lebenslage, selbst noch im Dämmerlicht. Daran hat der 1 Zoll große Bildsensor gewiss großen Anteil, vor allem aber auch der superschnelle Autofokus dieser Kamera. Er stellt sich auf jedes Motiv in verblüffender Geschwindigkeit und ausgesprochen treffsicher ein. Davon profitiert auch ein spezieller, mit einer Taste abrufbarer Präsentationsmodus. Hält eine Moderatorin zum Beispiel ein Kosmetik-Wässerchen direkt vor die Kamera, folgt der Fokus dem Produkt und behält es scharf im Blick. Beeindruckt hat uns auch die enorme Geschwindigkeit, mit der die Kamera Serienfotos schießt. Bis zu 20 Bilder je Sekunde rattert sie mit voller Auflösung in ihren Zwischenspeicher und dann auf die SD-Karte.

          Erst nach mehr als 100 Schüssen verlangsamt sich das Aufnahmetempo, damit der Zwischenspeicher nicht überläuft. Soll ein Smartphone oder ein PC die Aufnahmen präsentieren, nimmt die Kamera über W-Lan Kontakt mit diesen Geräten auf. Können wir den talentierten Sony-Nachwuchs also vorbehaltlos empfehlen? Als robustes, handliches und beinahe narrensicheres Aufnahmegerät für Video-Blogger durchaus, besonders, wenn es obendrein mit dem Mini-Stativ GP-VPT2BT zusammenarbeitet, das auch als Handgriff und Bluetooth-Fernbedienung funktioniert. Die Kamera kostet rund 800 Euro, das Stativ schlägt mit weiteren 200 Euro zu Buche. Beide Geräte zusammen gibt es derzeit allerdings zu einem günstigeren Paketpreis von 900 Euro.

          Ein Schnäppchen ist die ZV-1 nicht, und für ambitionierte Fotografen ist sie aus einem anderen Grund nicht die erste Wahl. Viele Motive verlangen eben doch nach einer deutlich längeren Tele-Brennweite. Und wer in hellem Sonnenlicht aufnimmt, braucht manchmal nicht nur ein Monitor-Schirmchen, sondern zusätzlich auch einen eingebauten Sucher.

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