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Vernetzte Überwachungstechnik : Die Polizei will vor dem Täter am Tatort sein

  • -Aktualisiert am

Schnelle Identifizierung von Verdächtigen

An diesen Algorithmen sind die Sicherheitsforscher in den Vereinigten Staaten ausgesprochen interessiert. Denn sie entwickeln gerade eine Fahndungssoftware, die Foto- und Videomaterial von Verdächtigen mit einer Datenbank abgleicht, die aus Milliarden von Bildern, Spracherkennungsdaten, Iris-Scans und Fingerabdrücken besteht und mit Material aus den sogenannten sozialen Netzen angereichert wird. Hunderttausende von Videokameras sollen dafür landesweit angezapft werden, möglichst alle öffentlichen Plätze in den großen Städten, möglichst viele Hotellobbys und Tankstellen videoüberwacht werden. Nach dem Bombenattentat in Boston hat Präsident Obama dafür mehr als eine Milliarde Dollar bereitgestellt. Wesentliches Ziel ist die schnelle Identifizierung von Verdächtigen. Die Erfahrungen von Boston zeigen, dass dafür der Abgleich von Videostreams mit möglichst vielen Fotos aus Sozialen Netzwerken entscheidend ist.

Dafür entwickeln die NGI-Softwarespezialisten gerade einen Algorithmus, der die Gesichtsknochen von Verdächtigen auch bei unzureichend ausgeleuchtetem Videomaterial präzise und sicher rekonstruiert. Doch die Indect-Algorithmen gelten als leistungsstärker.

Die Bilddaten für den Abgleich soll das Rechenzentrum der National Security Agency (NSA) in Bluffdale im Bundesstaat Utah bereithalten. Direkt neben Camp Williams, einer Kaserne der Nationalgarde, entsteht das „Intelligence Community Comprehensive National Cybersecurity Initiative Data Center“. Diesen Herbst sollen dort die Supercomputer installiert werden. Schon nächstes Jahr sollen die Server in Bluffdale mehr als eine Billion Terabytes verarbeiten.

Zurzeit experimentieren die Entwickler des NGI-Fahndungsprojekts mit einer Pilotdatenbank, die zwölf Millionen Bilder samt dazugehöriger persönlicher Datensätze umfasst. Bis zum Sommer 2014 soll die Zahl der Datensätze auf 60 Millionen steigen. Im Laufe des Jahres 2016 sollen dann auch die Biometriedaten in die Datenbasis eingearbeitet sein, die bei den Einreisekontrollen an Flughäfen und Grenzstationen erhoben werden. Auf diese Weise wollen die Projektverantwortlichen eine „Totalerfassung“ der Bevölkerung erreichen.

NSA hat großen Respekt

Besonders leistungsfähige Analysesoftware wird seit zwei Jahren auf der chinesischen Insel Hainan von den dortigen Sicherheitsbehörden entwickelt. Die wenigen Details, die auf internationalen Fachkonferenzen bekanntgeworden sind, nötigen den Analyseprofis der NSA großen Respekt ab. Die chinesischen Entwickler begnügen sich nämlich nicht mit statistischen Ableitungen und der Berechnung von Wahrscheinlichkeiten, sondern haben mehrdimensionale Analysemodelle entwickelt, die mehr als 2000 Kriterien und deren Abhängigkeiten untereinander in Echtzeit berechnen können. Das ist der Ausgangspunkt für ungemein präzise Verhaltenssimulationen.

Die werden unter anderem auf dem derzeit schnellsten Computer der Welt gerechnet, dem Tianh-2, der an der Nationalen Universität für Verteidigungstechnologie entwickelt wurde. Der Supercomputer kann 100 bis 150 Verhaltensszenarien simulieren, die aus den 2000 Verhaltenkriterien berechnet werden, und jedes einzelne Szenario mit dem Verhaltensprofil der überwachten Person in der Vergangenheit abgleichen. Das Ergebnis ist eine extrem präzise Verhaltensvorhersage.

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