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Verkehrs-Apps : Lieber etwas zu spät, als lange im Stau

Staut es sich mal wieder auf dem Weg zur Arbeit? Das Smartphone weiß Rat. Bild: Felix Schmitt

Wenn es mal nicht punktgenau auf die Ankunftszeit ankommt: Präzise Verkehrsdaten erlauben mittlerweile eine Reisezeitoptimierung mit dem Smartphone. Gerade im Berufsverkehr geht diese Rechnung oft auf.

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          Morgens der typische Berufsverkehr: Die Autobahn ist dicht, die Ausweichstrecke auf der Landstraße überfüllt, und in der Innenstadt geht es nur im Schritttempo voran. Der Pendler kennt das Szenario - und reagiert stets gleich. Er ist vorsichtig, kalkuliert die Verzögerungen ein und fährt lieber eine halbe Stunde früher los, als im Büro zu spät anzukommen. Das hört sich vernünftig und besonnen an, könnte aber eine grundfalsche Strategie sein, denn sie ist auf die Optimierung der Ankunftszeit ausgelegt und nicht auf die Anpassung der Reisezeit.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wer im Büro die Gleitzeit nutzen kann und nicht punktgenau anwesend sein muss, probiere die Alternative, nämlich seine Reisezeit zu verkürzen. Nicht fahren, wenn alle fahren, lautet dann die Maxime, und die Ergebnisse sind verblüffend, wenn präzise Verkehrsdaten zur Verfügung stehen: Kleine Verschiebungen der Ankunftszeit können große Zeitersparnisse der Fahrzeit bewirken.

          Wir haben das einige Wochen ausprobiert. Morgens bei dichtem Verkehr noch eine halbe Stunde mit der Abfahrt zu warten, bedeutet demnach nicht etwa, dass man viel, viel später im Büro eintrifft, sondern fast gleichzeitig mit dem gedachten virtuellen Kontrahenten, der sich pünktlich in den Stau eingestellt hat. Wo der eine länger steht, fährt der andere zügig durch. Um solche Experimente selbst auszuprobieren, benötigt man nicht viel, alles dreht sich um genaue Premium-Verkehrsdaten.

          Losfahren, wenn die Google-Berechnung passt

          Am einfachsten hat es der Google-Freund mit einem neueren Android-Smartphone. Googles Spionagesystem Now erfasst fortwährend den eigenen Standort, die häufig besuchten Orte und die Reisezeiten. In Google Maps kann man die Verkehrslage einblenden lassen, und die Daten, die der amerikanische Netzgigant zur Verfügung stellt, sind verblüffend genau, nicht nur auf der Autobahn, sondern sogar bis in kleinste Gemeinden hinein. Meist weiß Google schon nach einigen Tagen, zu welchen Zeiten man üblicherweise Haus oder Büro verlässt und in welche Richtung die Reise geht.

          Wie Google selbst süffisant schreibt: „Sie erhalten Karten mit hilfreichen Informationen für Ihren Tagesablauf - und das sogar, bevor Sie danach suchen.“ Die entsprechende Google-Now-Karte wird auf den meisten Geräten zur passenden Zeit selbsttätig eingeblendet, oder man startet Now manuell. Die schnellste Route mitsamt berechneter Reisezeit ist automatisch angezeigt, Alternativstrecken sind auf einen Blick erkennbar, praktischerweise sieht man sofort, wie lang die Verlängerung der Reisezeit auf jedem einzelnen Routensegment ist.

          Mit Android und iPhone: Links zeigt Google die Verkehrslage in Ampelfarben, sofort ist erkennbar, dass die kürzere Strecke deutlich mehr Zeit beansprucht. Die App ETA rechts auf dem iPhone zeigt Stauprognosen zu oft angefahrenen Zielen.

          Zudem kennt Google die „übliche Verkehrslage“. Wer in fremder Umgebung unterwegs ist, wird damit vorgewarnt, dass die vielen organgefarbenen und roten Straßenabschnitte mit zähflüssigem oder stehendem Verkehr nicht ungewöhnlich sind. Zur Optimierung der eigenen Pendler-Reisezeit muss man nichts anderes machen, als gelegentlich einen Blick auf die entsprechende Now-Karte und die berechnete Zeit zu werfen. Wer üblicherweise 45 Minuten unterwegs ist, fährt los, wenn die Google-Berechnung passt - oder wartet bei dichtem Verkehr noch ein halbes Stündchen.

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          Morgens im Berufsverkehr geht die Rechnung oft auf: Die Google-Daten sind so verlässlich, dass Zeit gewinnt, wer die Nerven behält und später startet. Ein Risiko bleibt: Es kann sein, dass die Verkehrslage ungeachtet längeren Wartens nicht besser wird, zum Beispiel nach Unfällen oder anderen Widrigkeiten. Ein kleines Extra für Singles, die sich die Nächte an unterschiedlichen Orten um die Ohren schlagen, hält Google Now ebenfalls bereits:

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