https://www.faz.net/-gy9-9mvsr

Kamera Arlo Ultra im Test : Ultrascharf und superteuer

Da hat die Meise ihren Nistkasten wohl ... Bild: Spehr

Kluge Algorithmen, gestochen scharfe Details in 4K-Auflösung, bessere Nachtsicht, automatisches Zoomen und Verfolgen von sich bewegenden Objekten: Ist die Arlo Ultra die beste Überwachungskamera für Haus und Hof?

          3 Min.

          Seit Jahren überwachen Arlo-Sicherheitskameras das Haus. Eine schaut auf Zufahrt und Garten, weitere sind innen so angeordnet, dass sie einen Einbrecher direkt in den Blick bekommen. Arlo gehörte früher zu Netgear und ist jetzt ein eigenständiges Unternehmen. Die Kameras gibt es seit 2014, und sie haben schon manche unerwünschten Besucher vor Gericht gebracht, die Videos auf Youtube sind Legion. Unsere Anlage war bislang so programmiert, dass bei einem Ereignis im Haus immer Alarm ausgelöst wurde, bei Ereignissen draußen indes nicht. Im Haus erkennt Arlo nahezu perfekt das Geschehen. Draußen gibt es Fehlalarme zuhauf, etwa durch sich im Wind bewegende Äste, auf die Kamera zufliegende Vögel und übers Grundstück schleichende Katzen. Also hier kein Alarm, sondern nur Aufzeichnung und gelegentliche Kontrolle. Bis zu sieben Tage sind Aufnahmen in der Cloud unentgeltlich gespeichert.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun wird mit der neuen Arlo Ultra alles anders. Algorithmen werten die Videos aus und erkennen den Ast im Wind als Verursacher einer Bewegung. Die neue Kamera soll zudem mit 4K-Auflösung gestochen scharfe Details liefern, eine bessere Nachtsicht sowie automatisches Zoomen und Verfolgen von sich bewegenden Objekten. Leider gehört wieder eine neue Basisstation, Smarthub genannt, zum Lieferumfang des 500 Euro teuren Pakets. Das bedeutet: Jede vorhandene Kamera muss neu angelernt werden, der Vorgang benötigt einen ganzen Abend, weil vor dem Anlernen jeder Kamera die Firmware-Suche der Basisstation startet und mehrere Minuten dauert.

          Die Basisstation wird mit einem Ethernet-Kabel an den Router angeschlossen, statt USB zur Aufzeichnung auf Speichermedien hat sie nun einen Schacht für Micro-SD-Karten. Und dann gleich die nächste Überraschung: Die Basisstation verzichtet jetzt auf die bislang eingebaute Sirene. Wie soll der Einbrecher in die Flucht geschlagen werden? Die Sirene der Kamera selbst ist eher eine Tröte ohne jede abschreckende Wirkung.

          ... mit der Überwachungskamera von Arlo verwechselt. Bilderstrecke

          Doch sobald dann die Ultra an genau jener Stelle des Balkons befestigt war, wo zuvor eine Arlo Pro 2 hing, kam sofort Begeisterung auf. Der extreme Weitwinkel der neuen Kamera mit seinem 180-Grad-Sichtfeld ist eine Wucht und erfasst so viel der Umgebung, dass man gleich als Erstes darangeht, noch einmal über die Kameraposition nachzudenken, weil der Blickwinkel so groß ist. In das Bild lässt sich hineinzoomen, man sieht tatsächlich mehr, und der Automatik-Zoom auf ein sich bewegendes Objekt ist spektakulär.

          Da kommt ein Auto, die Kamera erkennt es, zoomt heran, und sogar das Nummernschild ist lesbar. Aber die Auflösung liegt nur bei Full HD mit 1920 × 1080 Pixel, sofern man nicht live und im selben W-Lan mit Smartphone oder Tablet schaut. Die volle 4K-Auflösung für Cloud- und Speicherkartenaufzeichnungen kostet einen Aufpreis, dazu später mehr. Auch die Nachtsicht hat Arlo im Vergleich mit den Vorgängermodellen verbessert, Infrarot-Leuchtdioden hellen auf.

          Aktivitätszonen sind eine weitere Raffinesse. Man markiert im Kamerabild jene Zonen, in denen Bewegung erkannt oder ignoriert werden soll. Auf diese Weise schließt man zum Beispiel den öffentlichen Fußgängerweg von der Überwachung aus. Mit dem riesigen Sichtfeld der neuen Arlo kann man auch überlegen, anstelle zwei herkömmlicher Kameras eine Ultra mit unterschiedlichen Aktivitätszonen einzusetzen. Diese Zonen gab es bereits für die älteren Kameras, diese müssen dann allerdings fortwährend am Stromnetz angeschlossen sein. Hier nun kann man sehr fein die Zonen markieren, mit bis zu acht Punkten und bis zu fünf Zonen pro Kamera, das Ganze klappt auch im Batteriebetrieb.

          Man kann nahezu alles einstellen

          Allerdings arbeitet die Funktion nicht fehlerfrei, man werfe einen Blick in die amerikanischen Diskussionsforen. Demnach kennt der Hersteller das Problem seit Januar, kann es aber nicht lösen. Die Ermittlung, ob eine Bewegung in einer Aktivitätszone stattfindet oder nicht, erfolgt übrigens nicht in der Kamera. Das wäre zu rechenaufwendig und würde zu viel Akkuleistung kosten. Vielmehr werden alle Videos zunächst zur Basisstation geschickt, dort erfolgt der Abgleich mit den Aktivitätszonen, und bei entsprechendem Ergebnis wird aufgezeichnet und eine Push-Nachricht abgesetzt.

          Wie bei allen Arlo-Kameras bieten sich Möglichkeiten der Programmierung, die zu Beginn eine Herausforderung darstellen. Man kann nahezu alles einstellen, etwa die Dauer der Videoaufzeichnung nach der Erkennung eines Ereignisses, man kann Abfolgen programmieren der Art: Wenn die Kamera vorn am Haus etwas entdeckt hat, soll auch die am Eingang hinten die Aufnahme starten, es lassen sich Szenarien gruppieren, und ein Geozaun schaltet die Anlage automatisch scharf, sobald man mit dem Smartphone in der Tasche das Anwesen verlassen hat. In dieser Hinsicht ist Arlo das Maß aller Dinge. Arlo gibt eine Akkulaufzeit von drei bis sechs Monaten an, nach unseren ersten Erfahrungen halten wir eher sechs Wochen für realistisch. Amerikanische Kollegen haben die Arlo Ultra als „ultimative Sicherheitskamera“ bezeichnet. Das ist sie von der Technik her gewiss, wenngleich die fehlerhaften Aktivitätszonen ein Ärgernis sind.

          Auf dem deutschen Markt wird sie es zudem schwerhaben, weil Arlo mit der Ultra die Preisstruktur ändert. Bislang galt: Wer eine Arlo-Kamera hat, kann seine Videos bis zu sieben Tage lang unentgeltlich in der Cloud speichern. Das ist sinnvoll, weil ein Einbrecher die Anlage demolieren könnte. Mit der Ultra benötigt man nach einem Gratisjahr zum Ausprobieren das Abo Smart für 2,80 Euro und Kamera im Monat oder Smart Premier für monatlich 9 Euro. Premium Video für 4K-Aufzeichnungen kostet zusätzlich 2 Euro pro Kamera und Monat, und kontinuierliches Videoaufzeichnen in der Cloud schlägt ebenfalls mit 2 Euro monatlich pro Kamera zu Buche.

          Wer sich nach Alternativen umsieht, kann eine ältere Arlo kaufen oder werfe einen Blick auf die ganz ähnlich aussehende Eufycam, dessen Hersteller Eufy eine Tochter von Anker ist.

          Was ist erlaubt?

          Die Anbringung einer Kamera zur Überwachung des eigenen Hauses und Grundstücks ist erlaubt. Allerdings darf die Kamera nur das eigene Grundstück überwachen. Mit der Kamera darf man weder das Grundstück des Nachbarn beobachten noch gemeinsame Zugangswege, gemeinsam genutzte Einfahrten oder öffentliche Bereiche wie Straßen oder Gehwege. Wer unerlaubt aufgenommen wurde, kann Unterlassung, Schadensersatz und die Löschung der Aufnahmen verlangen. Gegebenenfalls droht von staatlicher Seite ein Bußgeld.

          Weitere Themen

          Flugtaxi dreht bemannte Testrunde Video-Seite öffnen

          Singapur : Flugtaxi dreht bemannte Testrunde

          Mit dem Flugtaxi dem Stau davonfliegen und die Aussicht genießen. Das deutsche Start-up Volocopter hat in Singapur einen Testflug vorgenommen. Flugtaxis sollen die Metropolen der Welt erobern und den Verkehr auf der Straße entlasten.

          Topmeldungen

          Meint, er werde falsch dargestellt: Claas Relotius.

          Relotius geht gegen Moreno vor : Der Fälscher will richtigstellen

          „Erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen“? Der als Fälscher überführte frühere „Spiegel“-Redakteur Claas Relotius geht juristisch gegen Juan Moreno und dessen Buch „Tausend Zeilen Lüge“ vor. Was will Relotius?
          Wiederverwertung der besonderen Art: Ein Bild angeblich russischer Trolle, das diese schon 2016 während der Präsidentenwahl in Amerika nutzten.

          Desinformation : Die Mission der russischen Trolle

          Nach der Desinformationskampagne im amerikanischen Präsidentenwahlkampf 2016 enttarnt Facebook eine neue Operation aus Russland. Sie zielte vor allem auf Instagram.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.