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Überwachungskamera im Test : Kätzchen und Gaunern auf der Spur

Arlo Pro 2 von Netgear is watching you. Bild: Hersteller

Netgear hat seine Überwachungskamera überarbeitet. Die Arlo Pro 2 ist nun deutlich besser auf gebetene und ungebetene Gäste vorbereitet.

          Morgens wird die Alarmanlage ausgelöst. Vor der Tür ist nichts zu sehen, der verdutzte Hausherr schaut auf die Videoaufzeichnung. Der Eindringling hat sich zwar schon aus dem Staub gemacht, ist aber trotzdem deutlich zu erkennen: eine Katze, nicht ungewöhnlich auf dem Dorf. Neu ist, dass der Streuner auf vier Pfoten den Alarm auslösen konnte. Die Erkennung bewegender Objekte ist eine Herausforderung für alle Videokameras, die umso schlechter gelingt, je weiter das Objekt entfernt ist. Bislang war eine ältere Arlo-Kamera im Einsatz, nun zeigte die neue Arlo Pro 2 sogleich ihren wichtigsten Pluspunkt. Sie löst höher auf, erstellt Videos mit 1080p, und die Bewegungskennung wurde deutlich verbessert.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das Arlo-System von Netgear ist seit einigen Jahren auf dem Markt und wird sukzessive erweitert. Es gibt sechs verschiedene Kameras und eine Baby-Kamera, sie lassen sich einzeln verwenden oder als Gruppe. Die auch als Außenkamera nutzbaren Arlos haben das Format eines größeren Hühnereis, sind wasser- und staubgeschützt und verwenden einen wechselbaren Akku. Eine von ihnen, die Arlo Go, kommt mit Mobilfunk aus, alle anderen funken Bilder, Videos und Ton mit W-Lan zur Alarmzentrale.

          Vorn befindet sich das optische Auge mitsamt Bewegungsmelder, an der Rückseite gibt es eine kugelförmige Aussparung mit Magnet. Das Pendant ist eine ebenfalls magnetische Halbkugel, die man an der Wand befestigen kann, damit beide Partner ein Paar bilden. Diese Art der Befestigung funktioniert nur innen. Außen benötigt man eine robuste Halterung mit Gewinde zum Anschrauben der Kamera.

          Die Einrichtung ist einfach, weil Arlo auf eine eigene Basisstation setzt, die in der neuesten Version auch als Alarmsirene (mit 100 dB) dient. Sie muss per Lan-Kabel mit dem Router verbunden werden, hat ein externes Netzteil, und es dürfen maximal 90 Meter zwischen ihr und den Kameraaugen liegen. Jede Kamera ist mit der Basisstation zu koppeln. Ist die Prozedur überstanden, zeigt die Anlage ihre Stärken in der Smartphone-App oder im Web-Browser. Die einzelnen Kameras lassen sich in der Übersichtsdarstellung mit einem Blick erfassen, alle Alarmmeldungen sind inklusive Video in einer kalendarisch geordneten Bibliothek zu finden. Die Daten selbst liegen in der Cloud, wo sie auch dann abrufbar sind, wenn ein Einbrecher die Kameras stiehlt oder beschädigt.

          Im unentgeltlich bereitgestellten Basispaket sind Videos von bis zu fünf Kameras sieben Tage gespeichert. Wer Arlo weiter aufrüstet, bekommt 30 oder 60 Tage Speicherzeit für 10 oder 15 Kameras zu Preisen von 90 und 140 Euro im Jahr. Schon mit dem Basisangebot kann man gut leben. Wer die Cloud nicht mag, kann auch auf einem USB-Medium speichern, das in die Basisstation gesteckt wird. Alle Videos lassen sich exportieren.

          Amazons Alexa kann auch mit eingebunden werden. Bilderstrecke

          Das Sahnehäubchen sind die Optionen der Konfiguration. Hinweise auf eine Bewegung werden per E-Mail oder Push-Nachricht zugestellt, die Kameras lassen sich benennen, die Empfindlichkeit der Bewegungserkennung ist einstellbar und die Aufnahmelänge des Videos ebenfalls. Man kann ferner Regeln programmieren. Etwa: Wenn die Haustür-Kamera eine Bewegung feststellt, schalte sich die im Flur ebenfalls ein und zeichne auf. Raffiniert ist die Verwendung eines Geo-Zauns zum Scharfstellen und Ausschalten. Verlässt man das Haus, wird die Anlage aktiviert. Das ist perfekt für den Single-Haushalt.

          Schön auch, dass eine Kamera nach Bewegungserkennung aufzeichnet, aber nicht unbedingt einen Alarm absetzen muss. Wir nutzten diese Funktion für die Außenkamera mit Blick auf den Hof und die Bäume. Fehlalarme bei Wind und sich bewegenden Ästen sind dann programmiert, und mit diesem Trick wird man nicht gestört, kann aber trotzdem sehen, was sich wann draußen tat. Sodann verknüpften wir Arlo mit IFTTT. Das steht für If this than that und ist ein Dienst, der es jedermann erlaubt, mit einfachen Regeln simple Anweisungen zu erstellen. Unser Favorit ist der IFTTT-Anruf. Sobald die Innenkamera eine Bewegung im Hausflur detektiert, klingelt das Handy und zeigt als Anrufername „IFTTT Voip Call“. Mit synthetischer Stimme wird man informiert. Sehr praktisch, wenn man Push-Nachrichten ausgeschaltet hat.

          Die verbesserte Bildqualität der Pro-2-Kameras ist nicht alles. Wie gehabt schaltet sich bei schlechtem Licht automatisch ein Nachtsichtmodus zu, und das Blickfeld wurde erweitert. Neu ist die Option, Amazons Sprachassistentin Alexa einzubinden und sich mit einem Sprachbefehl das Bild der Kamera auf dem Echo Show von Amazon oder auf einem Fernsehgerät anzusehen. Wer die neuen Kameras im Innenbereich permanent am Stromnetz betreibt, bekommt zwei weitere Optionen: eine Zoneneinteilung für die Bewegungserkennung, nur bestimmte Bereiche des Bildes werden überwacht, und eine kontinuierliche Videoaufnahme mit dem Vorteil, dass sich auch das Geschehen vor einer Alarm-Auslösung betrachten lässt. Der Akku der neuen Pro-2-Kameras hält einige Monate durch.

          Insgesamt kann man das Arlo-System nur empfehlen. Im Herbst kommt eine Außenbeleuchtung mit Bewegungserkennung dazu. Es gibt schon ungezähltes Zubehör, darunter eine Solarstation zum Laden des Kamera-Akkus und Tarnanzüge für den Außeneinsatz, etwa versteckt im Baum. Der Preis von 550 Euro für die Basisstation und zwei Kameras mindert indes die Begeisterung.

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